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Kaninchenzüchter feiern 50-jähriges Bestehen

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Sind stolz auf die wuchtigen Vereinskaninchen: der Vorsitzende der Züchter Arno Dugas mit einem Deutschen Riesen, seine Stellvertreterin Dietlind Heese mit Genter Bartkaninchen.  J Foto: Alarcon
Sind stolz auf die wuchtigen Vereinskaninchen: der Vorsitzende der Züchter Arno Dugas mit einem Deutschen Riesen, seine Stellvertreterin Dietlind Heese mit Genter Bartkaninchen. © Alarcon

Langen - Die Egelsbacher Kaninchenzüchter H112 standen vor ein paar Jahren kurz vor der Auflösung. Dann schaffte es der 1967 gegründete Verein, sich neu zu erfinden und neue Mitglieder zu gewinnen. Von Tobias Alarcon

Auch diesen Umstand feierten die Kaninchenfreunde bei ihrem Jubiläums-Sommerfest. Kinder toben sich auf der Hüpfburg aus während die Erwachsenen Livemusik der ortsansässigen Musiker Rasselbande und Machsfensterzu lauschen. „Uns ist wichtig, dass die Leute sehen, dass wir ein junger und moderner Verein sind“, betont Arno Dugas, Vorsitzender des H112 Kaninchenzuchtvereins, beim Sommerfest an der Egelsbacher Waldhütte. Mit der Feier begeht der 1967 von Lothar Schupp gegründete Verein sein 50-jähriges Bestehen. Drei Monate lang haben die Mitglieder das Fest geplant, erzählt der Vorsitzende. Damit wollen sich die Egelsbacher Kaninchenzüchter als moderner, familienfreundlicher Verein präsentieren. „Das Klischee vom Verein der Kaninchenzüchter, der aus Senioren besteht, ist überholt“, findet Dugas.

In letzter Zeit hat der Kaninchenzuchtverein viel dafür getan, dieses Klischee nicht zu erfüllen. Denn vor zwei Jahren stand der Verein vor dem Aus. Den Kaninchenzüchtern und -liebhabern fehlt damals der Nachwuchs: Die passiven Mitglieder sind den aktiven, die Alten den Jungen vielfach überlegen. Unaufhörlich schrumpft die Zahl der Kaninchenzüchter. „Die Abmeldung des Vereins war schon im Gange“, erinnert sich Dugas. Die Tradition zu Ende gehen lassen und nur zuschauen – das kann der jahrelang im Verein Engagierte aber nicht. Also sucht Dugas in Eigeninitiative einen neuen Vorstand zusammen. „Es war quasi schon Stichtag für die Vereinsabmeldung, da präsentierten wir den neuen Vorstand und meldeten uns noch rechtzeitig beim Vereinsregisteramt“, erinnert sich der Kaninchenzüchter.

Damit sind die Egelsbacher Kaninchenfreunde dem Vereinstod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen: Rund 20 Mitglieder treten dem Verein bei, größtenteils junge Leute und Familien. Mitgliederbeiträge fließen wieder, andere Vereine spenden etwas dazu und der Verein konzentriert sich auch auf Aktivitäten abseits der Kaninchenzucht wie Ausflüge. „Wir als Kaninchenzuchtverein sind ein gemeinnütziger Verein“, erklärt Dugas. Mit dem Vereinsbus unternehmen die Kaninchenzüchter verschiedene Ausflüge, mit dabei seien oft Bedürftige und Senioren. Es finden zudem nicht nur Kaninchenzüchter in den Reihen des Vereins Platz, betont Dugas. Er hebt hervor, dass vom Hobbyzüchter bis zum einfachen Liebhaber jeder gern gesehen ist.

Am Sommerfest machte die Kaninchenkrankheit RHD einen Strich durch die Rechnung: Heese, Dugas (links) und Joachim Pfeiffer (rechts) vom Kreisverband feierten nur mit Plüschhasen.  J Foto: Postl
Am Sommerfest machte die Kaninchenkrankheit RHD einen Strich durch die Rechnung: Heese, Dugas (links) und Joachim Pfeiffer (rechts) vom Kreisverband feierten nur mit Plüschhasen. © Postl

Auch ein mobiles Vereinsheim ist entstanden. Denn seit der Gründung vor einem halben Jahrhundert züchtet jedes Mitglied Kaninchen für sich. Von einem Vereinsgelände oder gar einem Vereinsheim war schon in den Anfangsjahren nur zu träumen. „Dem Verein wurde damals ein Vereinsgelände ein Stück außerhalb von Egelsbach versprochen, was kurze Zeit später widerrufen wurde“, erzählt Dugas. Noch heute fehlt dem Verein ein Gelände, auf dem die Tiere untergebracht sind. Momentan hausen sie noch inmitten des Ortskerns im Garten des Vereinspräsidenten Dugas. Dort hat er für die Kaninchen selbst Käfige gebaut. „Eines unserer Mitglieder stellt dem Verein nun ab nächstem Jahr sein Grundstück außerhalb Egelsbachs zur Verfügung“, berichtet Dugas aber. Der Vorsitzende ist zuversichtlich, dass diesmal nichts dazwischenkommt.

Das Vereinsziel bleibt die Zucht der Tiere, die auch an Privatpersonen verkauft werden. Der eine oder andere Gourmet kauft sich zudem sein Kaninchen für besondere Anlässe beim Verein H112. „Das gehört dazu, ich selbst schlachte die Tiere dann jedoch nicht“, erzählt Dugas. In der Zucht ist der Verein aktiv und äußerst erfolgreich. Rund 47 Jungtiere hält er aktuell mit Ausblick auf die nahende Hasenschau-Saison im Herbst, bei denen in der Vergangenheit schon einige der Vereinstiere ausgezeichnet wurden. Im Verein werden beispielsweise Deutsche Riesen gezüchtet. Tiere dieser Art bringen stolze zwölf Kilogramm auf die Waage und sind im Vergleich zu Zwergkaninchen im wahrsten Sinne des Wortes Riesen. Die Vereinsmitglieder züchten zudem weitere Traditionsrassen, die teilweise vom Aussterben bedroht sind.

Ihre Tiere, auf die sie so stolz sind, können die Egelsbacher Kaninchenzüchter beim Sommerfest aber nicht präsentieren. Die Kaninchenkrankheit Chinaseuche, auch RHD genannt, durchkreuzt ihre Pläne. „Wegen der akuten starken Ausbreitung der RHD-Seuche gibt es Engpässe bei den Impfstoffen und wir wollen für die Tiere kein Risiko eingehen“, bedauert Dugas. Deswegen muss der Verein darauf verzichten, die Tiere wie geplant bei seiner Kaninchen-Tischbewertung auf der Waldhütte zu zeigen. Denn das Wohl der Kaninchen stünde immer im Vordergrund.

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