Verunreinigung der Lüftungsanlage halb so wild

Kunstfasern im Bürgerhaus Egelsbach – zum Glück kein Asbest

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Untersuchung stellt fest: Kunstfasern im Bürgerhaus Egelsbach – zum Glück kein Asbest (Symbolbild).

Die Schließung des Bürgerhauses wegen Verunreinigung der Lüftungsanlage hat alle getroffen, die dort Veranstaltungen geplant haben – allen voran die Karnevalisten.

Egelsbach – Vier Tage nach der Schocknachricht vom Dienstag sieht die Egelsbacher Veranstaltungswelt aber schon wieder erfreulich heller aus: Kraft der seit gestern Mittag vorliegenden Untersuchungsergebnisse lässt sich salopp formulieren: alles halb so wild. Nach kurzer Schließung und zwei, drei Tagen Reinigungsfrist könnte die letzte verbliebene klassische Veranstaltungsstätte im Ort schon nächstes Wochenende wieder nutzbar sein, als wäre nix gewesen.

Das böse A-Wort, das seit Dienstag mit geballtem Negativhall in den sozialen Medien die Runde machte, kann wieder in der Versenkung verschwinden. „Bei dem gefundenen Material handelt es sich keineswegs um Asbest, sondern um KMF, sogenannte Künstliche Mineralfasern“, gab Bürgermeister Tobias Wilbrand gestern Nachmittag auf Anfrage unserer Zeitung die wichtigste Passage des Untersuchungsberichts wieder. „Die Rede ist demnach von reichlich verstaubtem und entfernungswürdigem Material. Aber von einer Gesundheitsgefährdung, die eine aufwendige Sanierung nach sich zöge, kann keine Rede sein“, bilanziert der Rathaus-Chef und räumt ein: „Am schlimmsten wäre in der Tat ein Asbest-Fund gewesen. Da können wir drei Kreuze machen, dass die mit der Analyse betraute Fachfirma Entwarnung gegeben hat.“

Die externen Experten stammen im Übrigen aus dem Vogelsberg. Der Kontakt zur Reiskirchener CPE GmbH kam über einen Egelsbacher zustande. „Diese glückliche Fügung hat dafür gesorgt, dass die Fachleute noch am Donnerstagnachmittag im Auftrag der Gemeinde im Bürgerhaus Proben ziehen und uns nur 24 Stunden später die Ergebnisse zur Verfügung stellen konnten“, resümiert Wilbrand.

Da nun gewiss sei, dass es sich um eine weniger gravierende Verunreinigung handele, könne er den weiteren Fahrplan skizzieren, so Wilbrand. „Mir wurde signalisiert, dass die Sache mit einer kleinen Reinigung beziehungsweise Reparatur erledigt ist. Passieren kann das im besten Fall gleich Anfang nächster Woche oder ein, zwei Tage später, sodass das Bürgerhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit schon wieder um den 15. Februar herum nutzbar sein kann.“

Die zwischenzeitlich unter Beteiligung der Sportgemeinschaft und der Karneval-Gesellschaft gestrickte Notfallplanung für den Umzug mehrerer Faschingsveranstaltungen in die Dr.-Horst-Schmidt-Halle muss demnach nicht weiter verfolgt werden. „Eine gute Nachricht für alle, Karnevalisten, Sportler, Verwaltung und Gemeindekasse“, resümiert Wilbrand. „Denn jetzt lässt sich auch sagen, dass wir einen Auftrag haben, der sich aus den laufenden Mitteln bezahlen lässt und kein Loch in die Kasse reißt.“ Das hätte sehr wohl der Fall sein können, sofern eine Asbest-Sanierung angezeigt gewesen wäre und dann wohl die komplette Lüftungsanlage zu erneuern gewesen wäre, verdeutlicht Wilbrand.

In der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend hatte die Bürgerhaus-Hiobsbotschaft erwartungsgemäß ebenfalls ihren Nachhall gefunden. Mehrere Gemeindevertreter meldeten Informationsbedarf zu der noch am Dienstag versandten Rathaus-Rundmail an, so etwa Peter Boll (FDP), der geradeheraus fragte: „Wo wurde denn Asbest gefunden?“ Ihn korrigierte der Bürgermeister schon zu diesem Zeitpunkt, noch in Unkenntnis des Analyseresultats: „Es wurde überhaupt kein Asbest gefunden.“ Bei der turnusgemäßen Wartung der Lüftungsanlage seien Arbeiter in drei Ventilationsschächten auf Rückstände von Dämmmaterial gestoßen, hätten deswegen die Arbeiten gestoppt und in ihrem Berichtsbogen „Verdacht auf Asbest“ vermerkt, gibt Wilbrand den Ablauf wieder, der von jetzt auf gleich zur Schließung führte.

VON HOLGER BORCHARD

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