Provisorium auf der ehemaligen B3

Langlebige Legos und ungelegte Eier

„Lego-Schwenk“ zwischen Egelsbach und Langen, von Autofahrern längst verinnerlicht: Das Provisorium, das den Namen nicht verdient, hat eine sensationelle Lebensdauer. Verschwinden wird es wohl erst im Zuge größer Pläne – die es freilich schon gibt. J Foto: Strohfeldt

Egelsbach - Wer sich fragt, was aus dem ewigen Provisorium auf der ehemaligen B3 wird, bekommt überraschende Antworten – inklusive Aussicht auf einen Kreisel an der Einmündung Ostendstraße. Von Holger Borchard 

Autofahrer haben sich längst an den Knick der Darmstädter Landstraße gewöhnt, der sie von Langen kommend kurz hinter dem Egelsbacher Ortsschild erwartet. Preisfrage: Wie lange wohl markieren die rot-weißen „Legosteine“ dort schon die abgesenkte Fahrbahn der ehemaligen B 3 im Dienste der Temporeduzierung ab? Fünf Jahre, zehn Jahre – wer bietet mehr?.

„Beinahe zwölf Jahre sind es schon“, sagt einer, der es wissen muss. Egelsbachs Ordnungsamtsleiter Michael Schmidt hat die Aufstellung der Kunststoffmodule noch lebhaft in Erinnerung, zählte sie doch zu den ersten Amtshandlungen unter seiner Leitung. Ziemlich sicher wird der Zustand Autofahrern und Amtsleiter noch eine ganze Weile erhalten bleiben, aber zumindest in der Theorie ist die Gemeindeplanung schon weiter – sogar in großem Stil. Gleich mehr dazu, zuvor eine kurze Rückblende:

Wie die Ex-B 3 zwischen Ostendstraße und Brühl-Rüssel sich über Jahre wandeln soll, zeigt obiger Ausschnitt des Gemeindekonzepts. Markantestes und wohl kostspieligstes Element: ein Kreisel in Höhe Ostendstraße (links). Das Bild in Großansicht.

Anno 2003 senkte sich in Höhe Bachgrund/Vogelviertel die Fahrbahn der vier Jahre zuvor in die Hoheit der Gemeinde rückübertragenen Ex-Bundesstraße. „Schuld daran war einerseits die etwas schräge Lage, der Fachmann nennt das Dammlage, vor allem aber das historische Kopfsteinpflaster in Teilen des Fahrbahnuntergrunds“, erinnert Schmidt. Wer heute noch von Provisorium spricht, sorgt demnach für einen Lacher. Aber leben können mit dem Status quo offenbar alle gut – von den Autofahrern bis zur Rathausspitze. „Der gewünschte Effekt, runter vom Gas, wird doch wunderbar erreicht“, fällt Bürgermeister Jürgen Sieling spontan zu den „Legos“ ein. Entscheidend sei freilich: „In dem Bereich besteht nach wie vor keine Gefahr für Autofahrer – das bestätigen regelmäßige Überprüfungen.“

Schuld ist das liebe Geld

Warum der Aufschub der Reparatur bis heute Methode hat, ist leicht zu erraten: das liebe Geld. Die klamme Kasse drückte Egelsbach schon zu Beginn des Jahrtausends. „Damals schon wäre die Reparatur teuer gekommen, so vorneweg um die 100.000 Euro“, schildert Schmidt. „Zudem besteht das Risiko, dass Reparaturarbeiten an dieser Stelle Sanierungen auf erheblich längerer Strecke auslösen und die Kosten ausufern.“ Manchmal ist Stillstand eben doch eine Alternative ...

Zurück zu Gegenwart und Zukunft: Ändern soll und wird sich praktisch alles auf der Darmstädter Landstraße zwischen dem sogenannten Rüssel zum Brühl und der Anbindung an die Autobahn  661. Auf Papier gibt’s das alles schon, unterlegt mit Fotos und bunten Skizzen. Unterm Strich jedoch ist jede einzelne Veränderung ein ungelegtes Ei, sprich eine Frage von Geld, Zeit, Bebauungsplänen und Rahmenbedingungen.

Im November erstellt und im Dezember im Grundsatz von der Gemeindevertretung befürwortet, listet das „Gesamtkonzept Darmstädter Landstraße“ etliche Änderungen und Neuerungen auf. So etwa eine Straße ins Neubaugebiet Leimenkaute – zeitlich am naheliegendsten, da von der Gemeinde forciertes Vorhaben. Ebenfalls vorgesehen: neue Fuß- und Radwege, Querungshilfen, reichlich „Straßenbegleitgrün“ und als Krönung des Ganzen ein Kreisel in Höhe der Ostendstraße mit 28 Metern Durchmesser.

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„Zukunftsmusik“, steigt Jürgen Sieling – vor allem mit Blick auf Letzteres – gleich mal verbal auf die Bremse. Die prinzipielle Absicht bestehe freilich. „Die Gründe liegen auf der Hand: Die Darmstädter Landstraße ist an vielen Stellen nicht mehr funktionsfähig, von der Optik ganz zu schweigen“, stellt der Rathauschef fest. „Das Egelsbacher Entree aus Richtung Langen ist schlicht verheerend. Das musste der Planer uns gar nicht erst ein weiteres Mal vor Augen führen. Seine Frage: ,Wo fängt Egelsbach eigentlich an?‘ sagt dazu doch alles.“

Das neue Straßenkonzept sei charmant, habe Hand und Fuß, so Sieling weiter – und natürlich seinen Preis. „Also sprechen wir nicht von Dingen, die von heute auf morgen umsetzbar sind. Aber auf mittelfristige Sicht von fünf bis zehn Jahren wollen wir das alles anpacken, auch den Kreisel an der Ostendstraße, für den uns nur als Beispiel heute noch die nötige Wiesenfläche fehlt.

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