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Fahrlässige Tötung auf der A661: Gericht fällt Urteil

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Ein Auto steht völlig zetrümmert auf der A661 bei Langen, im Vordergrund steht ein Feuerwehrmann.
Ein 16-jähriges Mädchen kommt bei dem tragischen Unfall auf der A661 ums Leben. Jetzt wird der Unfallverursacher verurteilt. (Archiv) © 5vision.media

Ein 21-Jähriger baut auf der A661 im Kreis Offenbach einen heftigen Unfall. Nun fällt das Jugendschöffengericht Darmstadt wegen fahrlässiger Tötung am Steuer sein Urteil.

Egelsbach – 21 Monate Haft auf Bewährung, 21 Monate Führerscheinentzug und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Das ist das Ergebnis des Strafprozesses um einen doppelten Fahrzeugüberschlag im Autobahnende der A661 am 23. September 2020. „Der Unfall wäre vermeidbar gewesen“, sagt Martin Wallocha nach der Urteilsverkündung am Jugendschöffengericht in Darmstadt. Der Amtsrichter folgt damit exakt den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

„Die Anklage fahrlässige Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung durch Alkohol und fahrlässiger Körperverletzung in drei Fällen hat sich voll bestätigt“, so Jutta Prechtl. Bei dem schweren Unfall kam der blaue Golf in der lang gezogenen Kurve nach rechts von der Fahrbahn ab, wurde von der Betonwand auf die Böschung katapultiert, überschlug sich zweimal und blieb auf der anderen Seite an der mittleren Betonleitplanke auf der Seite liegen. Den 21 Jahre alten Fahrer aus Bad Vilbel und eine 16-jährige Frankfurterin, die hinter ihm saß, schleuderte es aus den Seitenfenstern.

Tödlicher Unfall auf der A661 im Kreis Offenbach: Zu schnell und unter Alkoholeinfluss

Während der Angeklagte nur leichte Verletzungen erlitt, überrollte das Fahrzeug das Mädchen. Es starb noch am Unfallort infolge von schweren Verletzungen an Herz, Lunge und Hauptschlagader. Ein weiterer 28-jähriger Bad Vilbeler trug schwere Verletzungen an Knie und Rücken davon und kämpft heute noch mit den Folgen. Zwei 14-Jährige aus Dietzenbach kamen mit leichten Blessuren davon. Bis auf eines der jungen Mädchen war laut eigener Aussage keiner der fünf Insassen angeschnallt. Für den Unfall sollen drei Ursachen verantwortlich gewesen sein.

Überhöhte Geschwindigkeit mit um 40 bis 90 Stundenkilometern mehr als den erlaubten 70. Ein messbarer – wenn auch geringer – Alkoholpegel. Außerdem soll sich der Fahrer beim Einfahren in die tückische Kurve zur später Getöteten umgedreht haben, um ein Feuerzeug entgegenzunehmen. Womöglich verriss er dabei das Lenkrad nach rechts.

Tödlicher Unfall auf der A661 im Kreis Offenbach: Zweifel an der Reue des Angeklagten

Nebenklagevertreter Jörg Dietrich zweifelt die Ehrlichkeit des geständigen Unfallverursachers an: „Es gab in 15 Monaten keine einzige Kontaktaufnahme zu den Eltern, keine Entschuldigung. Die heutigen Bitten um Verzeihung entspringen wohl eher dem Einfluss des Verteidigers als echter Reue.“ Der Bad Vilbeler habe die Mädchen beeindrucken und zeigen wollen, was für ein Rennfahrer in ihm steckt. Schon zuvor überfuhr er eine rote Ampel, deutete Rennen mit anderen an. Auch der Rat des später schwer verletzten Freundes, moderater zu fahren, habe ihn nicht zur Vernunft gebracht.

Verteidiger Thorsten Hein sieht den Tatbestand der fahrlässigen Tötung als nicht gegeben an. Laut Verkehrsgutachten hätte die Frankfurterin bei angelegtem Sicherheitsgurt mit hoher Wahrscheinlichkeit überlebt. Die Statistik des Verkehrssicherheitsrats bestätigt dies: „Bei rund 20 Prozent aller tödlichen Unfälle waren die Insassen nicht angeschnallt.“ Die Verteidigung überlegt, in Berufung zu gehen. (Silke Gelhausen)

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