Kleinkinder dürfen Versäumnisse ausbaden

Gemeinde muss Geld ins Sorgenkind Freibad stecken

Egelsbach – Das Freibad steht ganz oben auf der Liste jener Themen, die im neuen Jahr mit Nachdruck angegangen werden müssen. Von Holger Borchard

Dass Egelsbachs beliebteste Freizeiteinrichtung in die Jahre gekommen ist, weiß jeder im Ort, die wiederholte Beckenschließung im Supersommer 2018 ist trotzdem ein Schlag ins Kontor. Nun ist auch dem Letzten klar: Dieses Jahr muss die Gemeinde Geld für das Bad aus der Tasche zaubern. Damit nicht genug: Das Budget muss obendrein schleunigst an Handwerker verausgabt werden, auf dass diese so rasch wie möglich zur Tat schreiten. Denn Mitte Mai, jetzt vielleicht noch fern, kommt als Termin für den Saisonstart schneller, als die Mühlen auf dem Feld der kommunalen Auftragsvergabe mitunter mahlen.

Kein Wunder also, dass die Thematik im Bauausschuss am Dienstag, 22. Januar (Rathaus, 20 Uhr), zur Sprache kommt. Wieder einmal geben andere die Marschroute vor: Das Kreis-Gesundheitsamt erlaubt die Badöffnung dieses Jahr nur, sofern die Auflagen einer sogenannten Gefährdungsbeurteilung umgesetzt werden. Dieses Gutachten, das allen Gemeindevertretern vorliegt, war der Gemeinde von der Dietzenbacher Behörde in Reaktion auf die mehrmalige Überschreitung von Grenzwerten für den Bakterienbefall verordnet worden; ein Wiesbadener Ingenieurbüro hat es Ende 2018 erstellt.

Bilder: Kerb in Egelsbach

Als erste Konsequenz aus dem Gutachten ist die Sanierung des Rohwasserspeichers („Schwallwasserbehälter“) unumgänglich. Sie schlägt mit 35.000 Euro zu Buche. Die zweite Konsequenz trifft Familien mit Kleinkindern hart: Das Kinderplanschbecken kann nicht weiterbetrieben werden, der Gemeindevorstand schlägt ersatzlose Umfunktionierung in einen Sandkasten vor. Die rigorose Maßnahme bedarf eingehender Erläuterung. „Zum einen ist es schlicht unmöglich, eine ordentliche Planung, Ausschreibung und Ausführung für eine neues Planschbecken bis Mai hinzubekommen“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand. Zum anderen stelle sich die Frage der Optionen. Neues Becken am jetzigen Standort mit jetzigen Standards? Kostenpunkt: rund 250.000 Euro. Integration eines Planschbeckens ins Nichtschwimmerbecken? Kostenpunkt: circa eine halbe Million Euro. Ein grundsätzlicher Fahrplan zur Sanierung aller Badbereiche? Fraglos das Sinnvollste – Kostenpunkt: auf der Skala nach oben unheilvoll offen ...

„In jedem Fall müssen Planungen 2019 starten, um 2020 greifen zu können“, betont Wilbrand. Die Fühler ausgestreckt habe die Gemeinde im Übrigen bereits nach Geldern aus Landesfördertöpfen.

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