Jegliche Hilfe für Co-Pilotin zu spät

Nach Flugzeugabsturz: Retter kämpfen vergebens

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Ein Trupp der Einsatzkräfte transportiert den schwer verletzten Piloten zum Rettungshubschrauber. Der 64-Jährige ist erfahrener Pilot und Mitglied des Frankfurter Vereins für Luftfahrt.

Egelsbach - Den Rettungskräften bietet sich ein schrecklicher Anblick. Nur wenige Minuten nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs über der Bahnstrecke Frankfurt-Darmstadt sind die ersten Helfer über Feldwege zur Stelle. Von Holger Borchard

In der Folge kämpfen sie eine minutenlange kleine Ewigkeit im Gleisbett um das Leben der Co-Pilotin – vergeblich . Die Mienen der Ersthelferinnen sprechen Bände: Fassungslos, schockiert und schweigend verlassen mehrere von ihnen die Gleise. Es ist ihnen nicht gelungen, das Leben der abgestürzten 65 Jahre alten Frau aus Frankfurt zu retten. Sie stirbt quasi unter ihren Händen, während ihr ein Jahr jüngerer Ehemann – er flog nach den Erkenntnissen der Ermittler die Unglücksmaschine vom Typ Diamond Katana DA 20 – schwerst verletzt per Rettungshubschrauber in eine Frankfurter Klinik eingeliefert wird. So was ist schwer zu verdauen – es braucht seine Zeit und so manches Gespräch. Ein wenig abseits der Unglücksstelle nehmen Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes die Helferinnen in Empfang, um das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten.

Auf den Gleisen kämpfen Rettungskräfte um das Leben der Co-Pilotin – vergeblich. Links das áusgebrannte Wrack der Diamond Katana.   

Keine Viertelstunde nach dem Absturz, der sich gegen 10.45 Uhr ereignet hat, ist die Unglücksstelle in der Hand von „Profis“, die einfach nur das tun, was zu tun ist: Die Feuerwehr Egelsbach, verstärkt durch Kollegen aus Langen, Dreieich und Erzhausen, hat sowohl die Opfer geborgen als auch das brennende Flugzeug und in Flammen stehende Bereiche der Böschung gelöscht. Die Sanitäter haben den Piloten transportfähig gemacht und ringen um das Leben seiner Begleiterin, die Polizei riegelt ab und rekonstruiert. Im Zehn-Minuten-Takt treffen neue Experten und Zuständige am Unglücksort ein ...

Nicht zuletzt dank zahlreicher Augenzeugen lässt sich ein erstes grobes Bild vom Ablauf der Ereignisse zeichnen: Demnach ist die zweisitzige Maschine einfach nicht in die Höhe gekommen – Fachleute sprechen von fehlender Steigleistung. Sekunden später streift der Flieger die Oberleitung der Bahnstrecke, kracht gegen einen Leitungsmast und schlägt brennend auf dem Bahndamm auf. Und weitere Sekunden später rast ein vorbeifahrender Güterzug in eines der brennenden Wrackteile, kommt 400 Meter weiter zum Stehen – nicht ohne etliche Meter Oberleitung abgerissen zu haben.

Bilder: Kleinflugzeug stürzt in Egelsbach ab

Die Auswirkungen des Unglücks auf den Bahnverkehr sind enorm, noch ist nicht absehbar, wie lang die Reparatur-Arbeiten den Verkehr beeinträchtigen werden. Den Ermittlern von Kripo und Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) geht derweil ganz anderes durch den Kopf. Letztere werden nun die in einen Hangar am Flugplatz gebrachte Unglücksmaschine nebst Trümmerteilen und (Luft-)Aufnahmen der Unglücksstelle akribisch untersuchen. Was den Absturz verursachte, liegt noch im Dunklen. Sicher ist indes: Der aus Frankfurt stammende Pilot ist ein erfahrener Flieger mit allen Qualifikationen – und Mitglied des am Flugplatz Egelsbach ansässigen Frankfurter Vereins für Luftfahrt (FVL). Die Unglücksmaschine gehörte zur FVL-Flotte.

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