Appetit auf mehr

Neujahrskonzert des SGE-Blasorchesters

+
Das SGE-Blasorchester spannte beim Neujahrskonzert in der evangelischen Kirche den Bogen von Händel und Strauss bis hin zu niederländischen und belgischen Komponisten der Gegenwart und hatte mit Tina Turners „Simply the Best“ auch einen rockigen Pfeil im Köcher. Die Einstimmung aufs Jubiläumsjahr vor voll besetzten Kirchenbänken darf als rundum gelungen bezeichnet werden.

Egelsbach - Mit Pauken und Trompeten hat das SGE-Blasorchester im wahrsten Sinne des Wortes das Jubiläumsjahr „140 Jahre Turnermusik in Egelsbach“ eröffnet. Das Neujahrskonzert in der evangelischen Kirche war das fünfte seiner Art – abermals vor voll besetzten Zuhörerbänken. Von Leo Postl 

Erwartungsvolle Stille herrscht im Gotteshaus, als Moderator Jürgen Hirschfeld die Besucher und die Ausführenden auf der Bühne vor dem Altar zum Neujahrskonzert willkommen heißt. Es gilt, 140 Jahre Turnermusik zu feiern, denn es waren Turner, die einst den Grundstein legten für die spätere Sport-Gemeinschaft und deren musikalischen Ableger. Mit Pauken und Trompeten aber auch mit Klarinette, Saxofon, Horn oder Schlagwerk läuten die SGE-Blasmusiker ihr Jubiläumsjahr ein. Wie angekündigt geben Georg Friedrich Händel und Johann Strauss, aber auch Tina Turner musikalisch den Takt vor. Zumindest Letztere hatten die vier bis acht Spielleute des Egelsbacher Turnvereins sicher nicht auf dem Schirm, als sie 1876 den ersten Egelsbacher Spielmannszug aus der Taufe hoben.

„In alten Unterlagen von 1879 findet man Egelsbacher Familiennamen, die lange Zeit und sogar bis heute einen engen Bezug zur Turnermusik haben“, verweist der Moderator auf Familiennamen wie Avemaria, Schlapp oder Schroth. Hirschfeld erinnert daran, dass 140 Jahre Musik in Egelsbach von Höhen und Tiefen gekennzeichnet sind. „Das dunkelste Kapitel war fraglos die Nazizeit mit ihren Verboten und schließlich der Auflösung.“ Aber auch der Wechsel zur Turngemeinde oder zur Freiwilligen Feuerwehr, das komplette Erliegen aller Aktivitäten während des Zweiten Weltkrieges und schließlich der Neuaufbau ab 1948 waren prägende Etappen.

Mit der „Queens Park Melody“ locken die Musiker der Gegenwart um Dirigent Markus Petri am Januarabend schon mal den Frühling herbei. Der Komponist Jacob de Haan beschreibt einen Frühlingsspaziergang entlang geschwungener Wege und blühender Blumenfelder. Georg Friedrich Händels „Lascia Ch’io pingo“ war ursprünglich eine Arie aus der Oper Rinaldo, doch Willy Hautvas hat diese großartige Melodie für Blasorchester angepasst. Die evangelische Kirche bot dafür die wunderbar passende Akustik. Mit der „Ross Roy“-Ouvertüre bot das Blasorchester eine weitere Komposition aus de Haans Feder, auf die der flotte „Aufgalopp“ des tschechischen Komponisten Frantisek Kmoch folgte.

Die Konzert-Höhepunkte des Jahres in der Region

Wie schön es an der blauen Donau sein kann, demonstrierte das Ensemble eindrucksvoll mit dem Meisterwerk von Johann Strauss und erntete dafür reichlich Applaus der begeisterten Zuhörer. Derart beklatscht, kann man schon mal den Neuzeit-Hit „Simply the Best“ folgen lassen und Rock-Röhre Tina Turner die Ehre erweisen. Mit dem erheblich ruhigeren, freilich nicht minder stimmungsvollen „Wo die Wolga fließt“ setzt das Blasorchester schließlich den bemerkenswerten Schlussakkord eines gelungenen Jahresauftakts. Keine Frage, dass das Blasorchester von heute sich von der Instrumentierung und vom Repertoire her sehr stark von der ursprünglichen Turnermusik und ihren Märschen („Turner auf zum Streite“) unterscheidet.

„Aber die Freude am gemeinsamen Spiel, die treibt nach wie vor alle an“, unterstreicht Jürgen Hirschfeld – und gibt Markus Petri & Co. das Zeichen, zum „Arsenal“ zu ziehen. Jenen Konzertmarsch hat der belgische Komponist und Dirigent Jan Van der Roost 1995 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Blasorchesters des belgischen Eisenbahnarsenals komponiert. Schon mal zum Vormerken für den Terminkalender: Von Freitag, 17., bis Sonntag, 19. Juni, ist das SGE-Blasorchester im Zeichen des Turnermusik-Jubiläums Gastgeber des Klammernschnitzerbrunnenfests.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare