Dinner auf dem Parkplatz

Corona-Frust im Wirtshaus „Guglhupf“: Inhaber mit kreativer Idee - Gäste sind begeistert

Da kommt das frische Essen: Heiko Jutrczenka (rechts) und seine Eltern Karin und Karl-Heinz lassen sich das „Wohnmobil-Dinner“ des Egelsbacher Wirtshauses „Guglhupf“ schmecken.
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Da kommt das frische Essen: Heiko Jutrczenka (rechts) und seine Eltern Karin und Karl-Heinz lassen sich das „Wohnmobil-Dinner“ des Egelsbacher Wirtshauses „Guglhupf“ schmecken.

Die Corona-Pandemie und der anhaltende Lockdown bringen die Gastronomie an ihre Grenzen. Ein Gastwirt wird kreativ und ruft das „Wohnmobil-Dinner“ ins Leben.

Egelsbach – Pandemiebedingt musste Hubert Binder sein Wirtshaus „Guglhupf“ in Egelsbach im Kreis Offenbach im vergangenen November schließen. Speisen durfte er nur zum Abholen anbieten. Doch das reicht dem 46-Jährigen irgendwann nicht mehr. Weil er wieder persönlich für seine Gäste da sein will, sucht der Gastronom einen Weg, wie er diese trotz Corona bewirten kann – und initiiert das „Wohnmobil-Dinner“.

Marinierter Ziegenkäse als Vorspeise, zum Hauptgang ein saftiges Kotelett mit Gemüse und Kartoffelspalten, und zum Abschluss Kaiserschmarrn. Zu trinken gibt es Wein oder ein gezapftes Pils. Und das Beste daran: Das alles wird von einem Kellner an den Platz serviert. Für viele Menschen ist ein Restaurantbesuch gerade eine blasse Erinnerung. Seit fast einem halben Jahr hat die Gastronomie in Hessen und im Kreis Offenbach geschlossen, gibt es Speis und Trank wegen der Corona-Infektionsgefahr nur zum Abholen.

Wirtshaus „Guglhupf“ in Egelsbach im Kreis Offenbach: „To-Go-Essen“ reicht nicht aus

Auch das Egelsbacher Wirtshaus „Guglhupf“ muss auf Gäste im Innenraum verzichten. Inhaber Hubert Binder nimmt die Situation zunächst an, bietet seine Menüs in der Corona-Pandemie ausschließlich als „To-go-Ware“ im Centralmarkt an. Doch als der 46-Jährige eine Reportage über einen Gastronomen sieht, der auf seinem Campingplatz den Gästen das Essen an ihre Wohnwagen bringt, ist sich Binder sicher, so etwas könne er auch im Egelsbacher Guglhupf anbieten.

Der Parkplatz vor dem Wirtshaus sei schließlich groß genug, sagt er. Die Idee für das „Wohnmobil-Dinner“ ist geboren. „Die Menschen wollen einfach wieder vom Teller essen und nicht aus Styroporboxen“, meint der Inhaber. Zudem sei das Angebot des „Guglhupf“ nicht für einen Abhol-Service ausgelegt. „Egal wie kurz wir ein Steak auch braten, bis es beim Kunden ankommt, ist es immer durch“, erläutert Binder. Dank des Wohnmobil-Dinners könne er den Kunden ihr Essen nun wie gewünscht servieren, versichert der Inhaber.

Corona im Kreis Offenbach: Mit dem Wohnmobil ins Restaurant

Doch einfach ein paar Wohnmobile auf den Parkplatz des Wirtshauses an der Egelsbacher Landstraße stellen, in denen er seine Gäste dann bedienen könnte – das durfte der „Guglhupf“-Chef nicht. Rund drei Wochen führt Hubert Binder Gespräche mit dem Ordnungsamt und Wirtschaftsförderin Margit Saper-Ohmann, dann steht das Konzept: freitags und samstags von 17.30 bis 21 Uhr und sonntags von 11.30 bis 15 Uhr darf Binder seine Gäste auf dem Parkplatz bedienen. Einzige Voraussetzung: Sie kommen mit ihrem eigenen Wohnmobil. Binder erläutert: „Das Wohnmobil zählt als privater Raum.“ Heißt: Solange seine Gäste im Wohnwagen essen, ist das laut aktueller Corona-Pandemielage im Kreis Offenbach kein Problem.

Speisekarte und Termin

Die aktuelle Karte gibt es auf der Facebook-Seite des „Guglhupf“. Ein Termin muss vorab unter 0173 3473800 vereinbart werden.

Die Gäste sind von Binders Idee begeistert. „Es ist einfach etwas Anderes, als immer zu Hause zu sein“, sagt Heiko Jutrczenka. Der Langener ist bereits zum zweiten Mal vor Ort. Zuerst probierte er das besondere Corona-Dinner mit seiner Frau, dieses Mal hat er seine Eltern Karin und Karl-Heinz mitgenommen. Mit Wildgulasch, Spätzle und frisch gezapftem Bier lassen es sich die Drei gut gehen. Mutter Karin ist zufrieden: „Es ist schön, das Essen endlich wieder direkt vom Teller zu bekommen.“

„Endlich wieder was tun“: Gäste und Mitarbeiter des Gugelhupf in Egelsbach begeistert

Gegenüber der Jutrczenkas steht das Wohnmobil von Familie Greiner. Vater Reinhold ist erst seit vergangenem Jahr Wohnwagenbesitzer. Wegen Corona habe die Familie aus Schöneck bisher aber nur selten Gelegenheit gehabt, mit ihrem Gefährt zu verreisen, sagt der 55-Jährige. Als er dann via Facebook vom „Wohnmobil-Dinner“ erfährt, lädt er seine Frau und seine beiden Kinder spontan zum Essen ein. Tochter Linda, die sich einen Salat mit Steakstreifen bestellt hat, ist von der Idee zunächst nicht überzeugt. Doch das ändert sich schnell. „Ich bin begeistert“, sagt sie. Auch ihr Bruder Leif ist mit dem Ausflugsziel bei Offenbach zufrieden. „Essen geht ja immer“, meint er und lacht. Noch bevor er sich seiner Portion Grüne Soße widmet, fällt er ein positives Fazit: „Das Wohnmobil-Dinner ist etwas, was ich gerne wiederholen möchte.“

Darüber würden sich Hubert Binder und sein Team sicher freuen. Denn gerade für das Personal ist das Event auch eine Möglichkeit wieder zu arbeiten. „Es ist für uns alle super, endlich wieder etwas tun zu können“, sagt Serviceleiter Florian Unützer. Für ihn sei das „Guglhupf“ ein Zuhause, alle Mitarbeiter wie eine Familie. Für Inhaber Binder war auch das ein Grund, das „Wohnmobil-Dinner“ auf die Beine zu stellen. Gewinn macht er damit nämlich nicht, betont der 46-Jährige. „Ich beschäftige jeden Freitag, Samstag und Sonntag acht Leute, dazu kommt der Wareneinsatz.“, erläutert er. „Wenn es gut läuft, machen wir mit dem Dinner 1500 Euro Umsatz. Da kann sich jeder ausrechnen, was am Ende übrig bleibt.“ Trotzdem, verspricht Binder, finde das Dinner auch in den kommenden Wochen statt. Denn auch für ihn sind diese Tage ein echter Höhepunkt: „Zu uns kommen gestandene Männer mit Tränen in den Augen, weil sie endlich wieder mal ein frisch gezapftes Bier trinken können.“ (Joshua Bär)

Unterdessen ist noch kein Ende des Lockdowns in Sicht. In Stadt und Kreis Offenbach steigen die Fallzahlen rasant und die Notbremse des Landes Hessen ist in Kraft. Für die Gastronomen bedeutet das weiterhin: Nur Abhol- und Lieferservice ist erlaubt. Die Corona-Maßnahmen in Offenbach im Überblick.

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