SGE als Partnerverein für „Sport und Flüchtlinge“

Netzwerken im Trainingsanzug

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Die Beteiligten aus allen drei Kommunen bei der Vorstellung des Fotobuchs zum Modellprojekt „Sport und Flüchtlinge“.

Egelsbach - Welche Möglichkeiten haben Sportvereine bei der Integration von Flüchtlingen? Welche Grenzen sind ihnen gesetzt? Diesen Fragen geht die Sportjugend Hessen seit Herbst 2014 im Rahmen eines Modellprojekts nach. Von David Heisig 

Egelsbach mit der Sportgemeinschaft (SGE) ist eine von drei Partnerkommunen neben Butzbach und Maintal. Erstes vorzeigbares Ergebnis: Ein Fotobuch, das die verschiedenen Akteure und deren Sichtweisen darstellt. Was hilft Flüchtlingen? Eine Bleibe, Arbeit oder die Aufenthaltsgenehmigung? Sport kommt einem da vermutlich nicht gleich in den Sinn. Für die Sportjugend Hessen ist jener gleichwohl bedeutender Faktor beim Thema Integration. In diesem Sinn soll das Modellprojekt „Sport und Flüchtlinge“ in den drei Partnerkommunen sondieren, welche Möglichkeiten Sportvereine haben, um Integrationshelfer zu sein. Viele Klubs engagieren sich bereits bei der Integration von Flüchtlingen – andere zögern noch, weil sie nicht so recht wissen, wie sie auf Flüchtlinge zugehen sollen.

Um das herauszufinden, wurden in den Gemeinden so genannte Sport-Coaches eingesetzt. Diese sind sportaffine Personen, die in ihren Gemeinden hervorragend vernetzt sind und „Hinz und Kunz“ kennen. Sie bringen die Vereine mit der kommunalen Asylbetreuung, Flüchtlingsinitiativen und den Flüchtlingen selbst in Kontakt, knüpfen ein Netzwerk und ebnen den Weg. Im Projekt wurde ein Soforthilfeprogramm gestartet, in dessen Rahmen die Vereine und andere Träger eine Förderung von Sportkursen, Kleidung, etc. erhielten. Neben dem Sporttreiben spielt die Engagement-Förderung insbesondere junger Flüchtlinge eine wichtige Rolle.

Passend zur Vereinsphilosophie

Günther de las Heras und Iris Jaron von der SGE freuen sich, dass durch das Modellprojekt zwei niedrigschwellige Sportangebote im Verein gestartet werden konnten. „Dabei haben uns zwei Sport-Coaches mit Know-how und ihrer Verbindung zur Flüchtlingshilfe geholfen. Die Angebote passen sehr gut zu unserer Vereinsphilosophie.“

Die Unterkunft der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen (CFEE) in Egelsbach gibt es seit mehr als 20 Jahren. Abgeschlossene Wohneinheiten, in denen Familien aus Somalia, Eritrea oder Afghanistan wohnen. Kommunikation zwischen den Völkern? Schwer. „Der Fußball hat das zusammengeführt“, sagt Georg Rademacher von der SGE. Da gebe es keine sprachlichen Grenzen. „Vor dem ersten Mitternachtskick haben wir uns gefragt, was Schiedsrichter auf Arabisch heißt und wichtige Vokabeln auf einem Plakat gegenübergestellt. Heute braucht das keiner mehr.“

„Als wir mit dem Thema konfrontiert wurden, waren wir in der Neukonzeption unserer Leitsätze“, erzählt SGE-Vorstandsmitglied de las Heras „Für wen eigentlich?“, habe man sich gefragt. „Für alle die hier sind, lautet die Antwort. Sie gilt es, weiterzuentwickeln.“

UN: Wir leben in einer Ära der Vertreibung

Dass Flüchtlinge irgendwann Vereinsmitglieder werden, ist zweitrangig. Im Fokus steht das Niederschwellige, das „Hier ankommen und Fuß fassen“, wie Projektreferentin Angelika Ribler und die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann, betonen. Das Projekt wurde nicht nur wissenschaftlich begleitet, sondern auch fotografisch dokumentiert. Entstanden ist ein Fotobuch, das Stimmungen vom Bürgermeister über Asylbetreuer und Übungsleiter bis zu den Flüchtlingen selbst transportiert. „Wer das Gefühl hat, dazuzugehören, kommt nicht auf dumme Gedanken“, sagt etwa Fawad. Der Sport habe ihm bei seiner Ankunft in Egelsbach vor einigen Jahren sehr geholfen. „Meine Tochter will keine Turnstunde mehr verpassen“, sagt eine Afghanin.

„Hurra, alle treiben Sport und alles ist gut – so läuft das natürlich nicht“, ist Kuhlmann sich bewusst. Gleichwohl will das Projekt Multiplikator und Mutmacher sein. „Sport und Flüchtlinge“ wird nur noch bis Monatsende aus Bundesmitteln finanziert, Verhandlungen zur Fortsetzung mit dem hessischen Innenministerium laufen.

Das Fotobuch kann bei der Sportjugend Hessen (info@sportjugend-hessen.de) bestellt werden. Nähere Infos bei Angelika Ribler (aribler@sportjugend-hessen.de).

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