Unzählige Stunden verbrachte er in Archiven

Rainer Bunz ist dem Adel auf der Spur

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Rainer Bunz hat lange und intensiv für sein Buch recherchiert.

Egelsbach - Unzählige Stunden verbrachte Rainer Bunz in den Lesesälen von Archiven oder klickte sich im heimischen Egelsbach durch digitalisierte historische Dokumente.

Nach zwölf Jahren Forschung hat der 74-Jährige nun ein Buch veröffentlicht: über deutsche Zweige des schottischen Adelsclans von Leslie. „Der Ausgangspunkt war meine eigene Spurensuche“, erzählt Bunz, der sich zuvor´intensiv mit Familienforschung beschäftigte. Dabei stieß er auf einen Namen, den er in keinem Nachschlagewerk finden konnte. „Das kam mir komisch vor, dann dämmerte es mir“, sagt Bunz, der 2016 mit „Der vergessene Maestro“ die erste Biografie über den in Langen geborenen Dirigenten Frieder Weissmann veröffentlichte. In einem Speyerer Archiv stieß er auf den Namen in einer anderen Schreibweise: Robert von Leslie, Mitglied des schottischen Adelsgeschlechts. „Von da an war ich fasziniert“, erzählt Bunz, den seine Nachforschungen auch nach Heidelberg, Mittelhessen oder in das Landesarchiv nach Karlsruhe führten. Sogar in estländischen Archiven sichtete der Egelsbacher dank vorbildlicher Digitalisierung Dokumente, bevor er dem Geschlecht von Leslie nun sein 256-Seiten-Werk widmete. Genauer den vielen hunderten Schotten, die – als Söldner, Händler und Kaufleute – im turbulenten 17. Jahrhundert nach Deutschland und Österreich kamen. Mit seinem Buch dokumentiert Bunz die Verwurzelung des schottischen Adelsgeschlechts in deutschsprachigen Gebieten Europas – und will damit ein spannendes, aber weitgehend in Vergessenheit geratenen Kapitel deutsch-britischer Beziehungen in den Fokus rücken.

Das Cover zeigt den Wallenstein-Attentäter Walter Leslie.

„Die Schotten waren schon früh unheimlich beweglich und haben sich trotz mancher Widerstände erstaunlich gut integriert“, sagt Bunz, der bis 2009 als Redakteur für das Spielfilmprogramm der ARD arbeitete. Er stellt in seinem Buch deren erstaunliche Familiengeschichten lebendig dar – vom Dreißigjährigen Krieg bis zum 20. Jahrhundert. Die Geschichten beginnen mit Walter Leslie (1606-1667), dem zum Grafen und reichen Landbesitzer aufgestiegenen Attentäter von Albrecht von Wallenstein. Einflussreich am Kaiserhof als hoher Militär und Diplomat, begründete dieser die lange herausragende Stellung seiner Familie in der Habsburger Monarchie. Zudem wirft Bunz einen Blick auf die freiherrlichen Familien der Leslies, die in der Pfalz, Nordwürttemberg, Estland oder Preußen wirkten. „Diese Thematik fand bislang sowohl bei deutschen als auch britischen Forschern kaum Beachtung“, sagt Bunz, nach dessen Angaben es sich um die erste Gesamtdarstellung Lesliescher Familienzweige in Mitteleuropa handelt. „Was mich antreibt, ist eine Art kriminalistische Neugier“, sagt er lachend.

Etwa ein halbes Jahr hat der Autor, der seit 2003 in Egelsbach lebt, intensiv an dem Buch gearbeitet. Trotz der vielen historischen und genealogischen Informationen will Bunz eine unterhaltsame Lektüre bieten: „Es ist ein Buch für alle Schottland-Liebhaber und alle Adels- und Historik-Fans.“ Er selbst habe jede Menge Geschichte aufarbeiten müssen und viel gelernt. „Man versteht dann die Motivation der Schotten besser, ihre Heimat zu verlassen“, sagt er. Und das ist trotz aller Historie ein brandaktuelles Thema. (jrd)

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Das Buch „von Leslie – Schottischer Adel in Deutschland und Österreich“ von Rainer Bunz (256 Seiten, 19,99 Euro) ist beim Verlag BoD – Books on Demand als Paperback erschienen. Eine E-Book-Version folgt.

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