Zusammenarbeit zwischen Rathäusern soll modernen Verwaltungsapparat formen

Egelsbach reicht Erzhausen die Hand

Egelsbach - Raus aus der teuer zu bezahlenden kommunalen Kleinteiligkeit, hin zu einer ortsübergreifenden und effizienteren Verwaltungsstruktur: Unter diesem Motto reicht Egelsbach die Hand in Richtung Erzhausen – Interkommunale Zusammenarbeit der Rathäuser ist das Ziel. Von Holger Borchard 

Interkommunale Zusammenarbeit: Wie oft schon mussten diese zwei Worte herhalten, wenn Politiker verzweifelt Etats auf Sparpotenzial abgeklopft haben? Nun startet Egelsbach einen neuen Anlauf zur Kooperation – mit Erzhausen. Was die Sache aussichtsreicher erscheinen lässt als bisherige Ansätze (etwa in Richtung Langen): Laut Parlamentsvorlage wird nicht der Rotstift den Takt vorgeben, vielmehr soll eine Verwaltungseinheit entstehen, die die Einwohner beider Orte schneller und besser bedienen kann. „Das Ganze fällt nicht vom Himmel“, unterstreicht Bürgermeister Jürgen Sieling: „Unsere Gemeinden befassen sich seit Längerem mit dem Thema, ich hab’s mehrfach mit meinem Amtskollegen Rainer Seibold besprochen und beraten und begleiten lassen wir uns vom Kompetenzzentrum für interkommunale Zusammenarbeit des Landes Hessen.“ Die Egelsbacher Gemeindevertreter haben in der letzten Sitzung des alten Jahres einstimmig die Weichen gestellt, dass der Gemeindevorstand den Ball in Richtung Erzhausen spielt und prüft, welche Aufgabenfelder für die Zusammenarbeit geeignet sind. Ganz oben auf der Liste: der Bereich Ordnungswesen.

In der Erzhausener Gemeindevertretung steht die interkommunale Zusammenarbeit erst im Februar auf der Tagesordnung. Rainer Seibold lässt aber schon jetzt keinen Zweifel daran, dass das Egelsbacher Ansinnen auf Gegenliebe stößt: „Die Fachbereichsleiter unserer beiden Rathäuser haben sich darüber ja auch schon bei mehreren Gelegenheiten ausgetauscht und durchaus interessante Ansätze benannt.“ Nicht ganz unwichtig in diesem Zusammenhang: „Vom Leiter des Kompetenzzentrums für interkommunale Zusammenarbeit, Claus Spandau, haben wir bei einer Informationsveranstaltung Mitte September in Egelsbach ohne Wenn und Aber das positive Signal bekommen, dass die Kreisgrenze zwischen Egelsbach und Erzhausen kein Hindernis für jegliche Kooperationsbestrebungen sein wird“, berichtet Seibold.

Der Charme der Pläne liegt nicht zuletzt darin, dass keine der beiden Kommunen ihre Eigenständigkeit verlieren würde. „Wir sprechen von einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, betont Jürgen Sieling. „Der Unterschied bei der Einwohnerzahl zwischen knapp 7 800 Erzhäusern und knapp 11 500 Egelsbachern ist nicht zu krass, wir arbeiten schon heute mit den gleichen Verwaltungsprogrammen und es kann nur von Vorteil sein, wenn wir es hinkriegen, einen modernen Verwaltungsapparat zu formen, der unter dem Strich die Bürger beider Ort schnell und gut bedient.“

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Gegenwärtig laufe vieles bei kommunalen Aufgaben wie öffentlicher Ordnung, Verkehrs- und Gefahrgutüberwachung, Personalwesen, Bürgerbüro oder Steuern parallel. „Das heißt, dass in beiden Verwaltungen in etlichen Aufgabenbereichen nur ein Mitarbeiter das Wissen hat, um bestimmte Aufgaben wahrzunehmen“, so Sieling. „Die Kooperation zielt darauf ab, zu verhindern, dass im Falle von Vakanzen Vorgänge liegen bleiben. Zwei Kommunen tun sich einfach leichter, die immer weiter spezialisierten Verwaltungsanforderungen abzudecken. Die einzelne Verwaltung wäre nicht gezwungen, Sachkosten und letzten Endes Personal für alle Bereiche vorzuhalten. Auch Kosten, die die Beauftragung externer Dienstleister verursacht, ließen sich durch Absprache, gezielte Mitarbeiter-Qualifikation und partielle Übernahme von Aufgaben reduzieren.“

Zustimmung aus Erzhausen vorausgesetzt, gingen beide Verwaltungen mit Prüfaufträgen ins Frühjahr. Erste Tendenzen und Vorschläge könnten zum Jahreswechsel auf den Tisch kommen, das letzte Wort haben stets die Gemeindevertretungen.

Rubriklistenbild: © dpa

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