Bürger-Politiker-„Speeddating“

„Speeddating findet nicht statt“: Zu wenig Bürger wollen sich beteiligen

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Das Bürger-Politiker-„Speeddating“ in Egelsbach wurde mangels Interesse abgesagt (Symbolbild).

Es war so eine hübsche Idee, den seit gut einem Jahr laufenden Leitbild-Prozess über eine Art „Speeddating“ zwischen Einwohnern und Entscheidern weiter zu befruchten. Die Realität ist ernüchternd – es mangelt gravierend an Egelsbachern, die teilnehmen wollen.

Egelsbach - „Das Politiker-Speeddating am 3. März findet nicht statt.“ Die lapidare Mitteilung – auf der Homepage der Gemeindeverwaltung obendrein gut versteckt – hat gleich mal die Gerüchteküche befeuert: Ist das Corona Virus der Grund? Mit dieser Hysterie hat die Absage mal gar nix zu tun, das ist die gute Nachricht. Dass freilich bloß eine Handvoll Egelsbacher Interesse an Information und Austausch über Leitbilder und Visionen für ihren Ort haben, muss durchaus als schlechte Nachricht gewertet werten. „Es sind gerade mal Anmeldungen von fünf Personen eingegangen“, berichtet Bürgermeister Tobias Wilbrand. Dieses Quintett hätte im Speeddating-Karussell dem Rathaus-Chef und sechs weiteren Kommunalpolitikern gegenüber gesessen – was zwangsläufig für Däumchendrehphasen auf der Politseite gesorgt hätte. Unterm Strich war die Resonanz viel zu mau, deshalb der Rückzieher.

Trotzdem: Von einem Rückschlag zu sprechen, hält Wilbrand für übertrieben. „Wir gehen jetzt erst mal ein wenig in die Ursachenforschung“, verrät er. „Liegt’s daran, dass alle noch vom Karneval geschlaucht sind? Haben wir die Infoveranstaltung einfach nur zu wenig beworben? Hängt es vielleicht damit zusammen, dass die Leitbild-Ideen der sieben Arbeitsgruppen noch nicht endgültig ausformuliert sind?“

Abgesehen davon haben laut Wilbrand die sieben Arbeitsgruppen (Werte: Wie wollen wir miteinander leben? / Wohnraum / Umwelt- und Klimaziele / Demografischer Wandel und seine Folgen / Gewerbeansiedlung / Mobilität und Verkehr / Sport- und Freizeit) gerade erst vorige Woche an einem Tisch gesessen, um das Leitbild weiter mit Inhalten zu füllen. „Im Prinzip haben wir aus viereinhalb Gruppen schon abgestimmte Leitbilder; der Arbeitskreis Sport und Freizeit hat sich in eben diese beiden Schwerpunkte aufgeteilt und die Arbeitsgruppe Demografischer Wandel fehlt noch“, fasst Wilbrand den Stand zusammen. „Beim nächsten Arbeitskreistreffen am 6. April wollen wir dann auch diese Gruppen unter den Hut bringen.“

Ist Letzteres erfolgt, gilt es „nur“ noch, das Leitbild als lesbares Ganzes auszuformulieren. „Das wird das Kunststück sein“, stellt der Rathaus-Chef fest. „Wir wollen im Prinzip eine vorgeschaltete, übergreifende Präambel haben, aus der heraus unser Leitbild in der Tat Leitplanken setzt, innerhalb derer sich gemeindliches Handeln bewegen soll.“ Auf längerfristige Perspektive ausgelegt, solle das Leitbild Grundsätze, Ziele, Aufgaben und Wünsche subsumieren, auf dass sich aus diesen heraus konkrete Maßnahmen ableiten und beschließen lassen.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Gemeindevertretung das ausformulierte Leitbild – dem Bürgermeister zufolge sollte es nicht mehr als zehn Seiten umfassen – entweder in der letzten Sitzung vor den Sommerferien oder in der ersten nach der Sommerpause vorgelegt bekommt. Im Anschluss sei ein erneuter Anlauf für ein Date zwischen Bürgern und Kommunalpolitikern – „ob mit oder ohne Speed“ – recht gut denkbar, blickt Wilbrand voraus.

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