Egelsbach/Erzhausen

Erste Heilige Messe im Hinterzimmer - Vor 100 Jahren hat Pfarrei St. Josef den ersten katholischen Gottesdienst gefeiert

1947 feiert die katholische Gemeinde die erste Kommunion von 20 Kindern. Sie ziehen auch bei der ersten Fronleichnamsprozession mit den Gemeindemitgliedern durch den Ort.
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1947 feiert die katholische Gemeinde die erste Kommunion von 20 Kindern. Sie ziehen auch bei der ersten Fronleichnamsprozession mit den Gemeindemitgliedern durch den Ort.

Die Pfarrei St. Josef Egelsbach/Erzhausen feiert am morgigen Sonntag, 6. September, ein besonderes Jubiläum: Vor fast genau 100 Jahren gab es in der Klammernschnitzergemeinde den ersten katholischen Gottesdienst. Aus diesem Anlass predigt Pfarrer Ullrich Neff um 10 Uhr in der Kirche in der Mainzer Straße 19.

Egelsbach – Am 12. September 1920 beten die Egelsbacher Katholiken zum ersten Mal gemeinsam – an einem ungewöhnlichen Ort: Pfarrer Johannes Hoffmann aus Langen feiert in einem Hinterzimmer der Bahnhofsapotheke in der Bahnstraße eine Heilige Messe. Die Gläubigen müssen noch einige Jahre warten, bis sie einen geeigneten Raum bekommen: 1932 wird aus einer ehemaligen Schreinerwerkstatt auf dem Grundstück der heutigen Kirche in Eigenbau der erste Kirchenraum. In der Chronik schreibt Pfarrer Hoffmann damals: „Diese Notkapelle gleicht dem armen Stall von Bethlehem.“

Am 1. November 1946 wird der Gemeinde der erste Geistliche zugewiesen: Josef Wirtz wird Lokal-Kaplan in Egelsbach. Nur ein Jahr später feiern die Katholiken ihre erste Kommunion mit 20 Kindern. Sie dürfen auch am 5. Juni 1947 bei der ersten Fronleichnamsprozession mit den Gemeindemitgliedern durch den Ort ziehen. 1948 folgt die erste Firmung durch Bischof Albert Stohr. 1952 wird die Lokal-Kaplanei zur Pfarrei erhoben und Josef Wirtz wird der erste katholische Pfarrer in Egelsbach.

In einem Hinterzimmer der Bahnhofsapotheke wird der erste katholische Gottesdienst in Egelsbach gefeiert.

Die Gemeinde wächst rasch, 1955 ist sie bereits so groß geworden, dass die alte Kapelle zu eng ist. Im Februar 1955 wird die Baracken-Notkirche abgerissen. Am 30. Mai 1955 feiert St. Josef die Grundsteinlegung der neuen Kirche. „Seit den Tagen der Reformation war das ewige Licht in Egelsbach erloschen“, beginnt der Text der Grundsteins-Urkunde. Während des Neubaus beten die Katholiken in der evangelischen Kirche – die ökumenische Verbindung wird immer intensiver. Am 1. Mai 1956 wird die Kirche von St. Josef geweiht.

1960 feiert Wirtz sein silbernes Priesterjubiläum. Sein Nachfolger ist Pfarrer Hyazinth Glinka, auf ihn folgt nach dessen Tod 1965 Pfarrer Franz Peter Feige. 1974 kommt Karl-Heinz Novotny als neuer Pfarrer nach Egelsbach – und mit ihm eine lange Konstanz in die Gemeinde. Erst 2008 verlässt er sie auf eigenen Wunsch und legt danach sein Priesteramt nieder. Aber er erlebt in den über 30 Jahren in St. Josef einiges: Nach sieben Jahren Spendensammlung wird am 16. Oktober 1983 die neue „Elektronenorgel“ feierlich in St. Josef geweiht und mit einem Orgel-Konzert vorgestellt. 1987 wird die Kirche renoviert und Bischoff Karl Lehmann weiht den Altar. Im Juli 1993 wird das alte Pfarrheim abgerissen und das neue Gemeindezentrum am 13. November mit einer Festwoche eingeweiht.

Echte Glocken und eine neue Orgel

2001 bekommt die Kirche echte Glocken und beendet das Lautsprecherprovisorium. Am 1. August 2008 übernimmt Pfarrer Tobias Geeb die Leitung der Pfarrgemeinde St. Josef Egelsbach/Erzhausen, er wird für zehn Jahre bleiben. 2009 wird das marode, alte Pfarrhaus abgerissen, seit 2011 gibt es ein neues. Mittlerweile ist die in die Jahre gekommene Ahlborn-Orgel aus dem Jahre 1983 ein Sorgenkind von St. Josef. Nach rund zwei Jahren Spendensammlung gelingt es 2017, eine neue Digital-Orgel anzuschaffen. Sie erklingt erstmals zum Patronatsfest der Kirche am 19. März.

Nach zehn Jahren in der Pfarrei St. Josef verlässt Pfarrer Geeb die Gemeinde und wechselt nach Mainz. Die Katholiken in Egelsbach verlieren so ihren „eigenen Pfarrer“: Zum 1. November 2018 wird der Pfarreienverbund St. Josef Egelsbach/Erzhausen und St. Jakobus Langen in eine Pfarrgruppe umgewandelt – mit Ulrich Neff als leitendem Pfarrer, der die Gemeinden betreut. Er wird mit den Egelsbachern jetzt am Sonntag auch das besondere Jubiläum feiern. Im Rahmen des Festgottesdienstes wird auch die neue Pfarrsekretärin von Egelsbach, Marcia do Carmo Quintal Pereira Schäfer, offiziell eingeführt, die bereits seit dem 1. Juni im Dienst ist. (Von Nicole Jost)

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