Vereint gegen Rechtspopulismus

Egelsbach steht für Vielfalt ein

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Bürgermeister Tobias Wilbrand war neben Pfarrer Martin Diehl Redner bei der Protestaktion „#Egelsbach ist mehr“ auf dem Kirchplatz. 

Egelsbach - Aufstehen gegen den Rechtspopulismus – dazu haben sich am Samstagvormittag mehrere hundert Menschen auf dem Kirchplatz versammelt. Aufgerufen dazu hatten Parteien, Kirchen und Vereine. Von Vanessa Kokoschka

„#Egelsbach ist mehr“ prangt in schwarzen Lettern auf der Regenbogenfahne, auf dem nächsten Transparent steht „Nazis – Nein Danke“. Auf Luftballons ist die Friedenstaube zu sehen, am Fahnenmast flattert die Flagge der Europäischen Union. Mit der Protestaktion „#Egelsbach ist mehr“ haben viele Bürger ein Zeichen gegen Rechts gesetzt und sich zu liberalen Werten und einer pluralistischen Gesellschaft bekannt. Zur Demonstration aufgerufen hat ein überparteiliches Bündnis aus allen in der Gemeindevertretung vertretenen Parteien sowie Vereine und Organisationen wie Naturfreunde, SG Egelsbach (SGE), Elschbächer Kerbgemeinschaft oder Christliche Flüchtlingshilfe. „Alle waren sofort dabei, da herrscht bei den Parteien und Vereinen Konsens“, lobt Harald Eßer, Ortsvorsitzender der Grünen. Und er betont: „Wir richten uns ausdrücklich nicht gegen eine Partei, sondern gegen den Rechtspopulismus im Allgemeinen.“

Dabei setzten die Besucher ein Zeichen für eine weltoffene Gesellschaft und machten klar, dass sie sich den Rechtspopulisten entgegenstellen wollen.

Den Anlass zu der friedlichen Kundgebung lieferte allerdings die Alternative für Deutschland (AfD): Die Partei habe eine Wahlkampfveranstaltung in der Gemeinde angekündigt, diese jedoch später abgesagt, teilt Eßer mit. Kein Grund für die Initiatoren, ihre Aktion abzusagen: „Wir haben Flugblätter erstellt und wussten von vielen Leuten, die ihr Kommen zugesagt und für die Veranstaltung geworben haben“, sagt Eßer.

Unter ihnen auch Günther Lange. Noch im Italienurlaub habe er von der Aktion mitbekommen. „Wenn wir bei so was nicht dabei sind, wer sonst?“, fragt der zweite Vorsitzende der Naturfreunde. Den Rechten dürfe das Feld nicht überlassen werden, meint der 69-Jährige. „Ich stehe auf bunt und nicht auf braun.“

Mit dieser Ansicht steht Lange nicht alleine da. Der Slogan ist an die Vorfälle in Chemnitz und die darauf folgenden Demonstrationen unter dem Motto „Wir sind mehr“ angelehnt. „Wir sind gegen Fremdenhass, Nationalismus und Rassismus“, sagt Thomas Geiß, „wir sind überparteilich, aber trotzdem politisch.“ Der 51-Jährige ist ein Vereinsmensch und engagiert sich vielseitig in der Gemeinde, unter anderem in der SGE. „Das steht auch so schon in unserer Satzung: Wir bieten Sport für alle“, erklärt Geiß. Ihm ist es wichtig, Einigkeit zu zeigen und als Demokrat Vielfalt offen zu leben. Da er diese Ansicht mit seinen Vereinskollegen teilt, haben sie gemeinsam ein T-Shirt entworfen: Auf der Brust prangt eine Eiswaffel mit einer Weltkugel. „Wir versorgen die Besucher an einem Stand mit Waffeln und somit passt das total gut mit unserer weltoffenen Einstellung“, meint Geiß.

Kraftvolles Zeichen gegen Rechts: Protestzug in Berlin

Neben Ständen mit Essen und Trinken haben auch die Parteien Tische mit Informationsmaterial aufgebaut. An einer Pinnwand hängen unter dem Titel „Sag am Ende nicht, du hast nichts davon gewusst“ Zitate von AfD-Mitgliedern. „Das ist alles gut recherchiert. Die Zitate sind teilweise so unglaublich, dass die Besucher sie nicht glauben können“, berichtet Eßer. Neben dem bekannten und umstrittenen „Vogelschiss“-Zitat Alexander Gaulands füllen noch viele weitere die Wand. Die Aktion zum Wahlkampf nutzen wolle keine der Parteien, betont Eßer. „Wir haben uns alle dazu entschlossen, uns allein mit dem Rechtspopulismus auseinanderzusetzen. Und das honorieren die Leute auch.“ Nur Martin Diehl, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, und Bürgermeister Tobias Wilbrand halten Reden. Beide betonen die demokratischen Werte in der Gesellschaft. „Es ist total faszinierend, ich bin total geflasht und stolz, Bürgermeister von Egelsbach zu sein“, sagt Wilbrand angesichts der vielen Teilnehmer.

Ihre Solidarität zeigen viele von ihnen zusätzlich mit Aufklebern und Buttons, auf denen der Slogan der Aktion steht. Einige Teilnehmer bringen sogar eigene Protestschilder mit, wie Bernfried Kleinsorge. „Kein Ort für Neonazis“ steht dort. Rechtslastiges Gedankengut habe es schon immer gegeben. „Hier im Egelsbacher Alltag spürt man davon glücklicherweise wenig. Es gibt wenig Plakatierungen und keine rechten Demonstrationen. Hier halten sie sich zurück“, stellt Kleinsorge fest.

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