Egelsbach

Teenager konzipieren Online-Hilfsbörse

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Helfer und Hilfsbedürftige zusammenbringen: Die Geschwister Annalena (14) und Niclas (18) Bauder aus Egelsbach haben eine Internetplattform entwickelt, die bundesweit nutzbar ist.

Nicht erst seit der Coronakrise sind Menschen auf die Hilfe anderer angewiesen. Das Online-Plattform „Platz für Hilfe“ von Geschwistern aus Egelsbach will Hilfesuchende mit Helfenden vernetzen.

  • Teenager aus Egelsbach haben die Online-Hilfsbörs e „Platz für Hilfe“ gegründet
  • Die Plattform ist kostenlos und kann auch in Österreich und der Schweiz genutzt werden
  • „Platz für Hilfe“ soll Hilfesuchende mit Helfenden vernetzen

Egelsbach – Nachbarschaftshilfe – in diesen Tagen ist sie wichtiger denn je. Um möglichst viele Hilfsbedürftige und Helfer zu vernetzen, haben die Geschwister Niclas (18) und Annalena (14) Bauder aus Egelsbach eine Internet-Plattform ins Leben gerufen. Auf der Seite „Platz für Hilfe“ lässt sich ganz unkompliziert Kontakt herstellen, der vom Lebensmitteleinkauf über Gassi gehen bis hin zu Hilfsleistungen aller Art sämtliche Lebensbereiche abzudecken vermag. 

Konsequenterweise nutzt die Plattform die ganze Reichweite des Internets und ist somit weit über den lokalen Tellerrand nutzbar – „nämlich im gesamten deutschsprachigen Raum inklusive Österreich und der Schweiz“, wie Niclas betont.

Egelsbach: Hilfsbörse kostenlos

„Unsere Website will Menschen unterstützen, die nicht in der Lage sind, ihren Alltag allein zu bewältigen“, erläutert Annalena Bauder. „Die einen können ihre Hilferufe einstellen, die anderen bieten ihre Unterstützung an.“ Primär habe man die sogenannten Risikogruppen im Auge – „Ältere, Leute in Quarantäne oder mit einer Immunschwäche“ – aber grundsätzlich stehe die Online-Börse jedermann zum Nulltarif zur Nutzung frei.

„Jeder kann wählen, ob er sich als Helfer, Verein, Firma oder Organisation anmelden möchte, da sind wir grundsätzlich offen“, erklärt Niclas. Das Prozedere haben er und seine Schwester so einfach wie möglich gehalten. „Man geht auf die Seite, meldet sich an und bekommt umgehend eine Bestätigungsmail mit einem Link“, erläutert Niclas. 

Diesen Link klickt man an, um sich als User zu autorisieren, dann gibt man sich einen Usernamen und ein Passwort und schafft sich so seinen persönlichen Bereich. In diesem stellt man ,Angebot’ oder ,Gesuch’ ein, außerdem kann man festlegen, welche Daten in dem Eintrag zu lesen sein sollen, der nach Freigabe sofort online geht und von allen anderen Usern eingesehen werden kann.“

Idee zur Hilfsbörse aus Egelsbach kam durch die Oma

Auf die Idee zur Erstellung einer solchen Onlineplattform gekommen sind die Geschwister durch ihre Oma, wie Annalena verrät. „Wir wussten ja, dass unsere Oma Rosi zur Risikogruppe zählt und haben deshalb damit begonnen, für sie ihre Alltagserledigungen zu übernehmen. Und dabei ist uns dann natürlich auch schnell aufgegangen, dass es andere Leute gibt, die Hilfe brauchen, die aber eben keine Helfer rasch zur Hand haben.“

Also ging man daran, eine Internetseite zu erstellen. „Dabei hat uns unser Vater mit seiner Firma auf der technischen Seite maßgeblich unterstützt“, sagt Niclas. Gut zweieinhalb Tage habe der Vorlauf gebraucht – „ausgehend von unserer Idee am Küchentisch am Sonntag vor einer Woche“. 

Hilfsbörse aus Egelsbach: Teenager haben noch weitere Ideen

Sämtliche Inhalte vom Logo bis zu den Texten stammen von den Geschwistern. „Wir haben uns gefragt, welche Dinge für die Leute am wichtigsten und interessantesten sein dürften und sind so auf die aktuell zu findenden Kategorien gekommen“, schildert Niclas. Das müsse aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Er selbst kann sich gut vorstellen, dass „zum Beispiel noch eine Rubrik hinzukommt, in der Menschen sich einfach zum Unterhalten verabreden – auch das ist Lebensqualität“.

Seit vergangener Woche rühren die Bauders auf allen Onlinekanälen, vor allem aber auf Facebook die Werbetrommel für ihr Projekt. Vor drei Tagen konnten sie es sogar live in der hr3-Radiosendung „Sonntagstalk“ mit Bärbel Schäfer vorstellen.

Egelsbach: Hilfsbörse erntet Lob

„Ich glaube, öffentlich einzugestehen, dass man auf fremde Hilfe angewiesen ist, fällt vielen schwer. Aber das muss nicht sein“, nennt Niclas eine zusätzliche Motivation, warum er und seine Schwester in der nun zweiten Woche den größten Teil ihrer Zeit mit dem Betreuen ihrer Homepage verbringen. 

Immerhin ist das Feedback Motivation pur: „Wir bekommen viel Lob und Dank, aber das ist Nebensache“, stellt Annalena fest. Der tatsächliche Erfolg geht kurioserweise weitgehend an den Machern vorbei: „Die Leute vereinbaren sich ja untereinander, die eigentlichen Matches bekommen wir also gar nicht mit“, erläutert Niclas.

Hilfsbörse aus Egelsbach: mehrere tausend Klicks am Tag

Wie es im Optimalfall läuft und was die Plattform zu leisten imstande ist, verdeutlicht ein Beispiel: „Wir haben eine E-Mail von einer Frau aus dem Westerwald erhalten, die Unterstützung für ihre Eltern in Egelsbach suchte. Jetzt kauft ein junger Mann hier aus dem Ort regelmäßig für die Eltern ein.“

Das Schöne ist, dass die Plattform in jeder Hinsicht wachsen kann, um mehr Teilnehmer, weitere Kategorien, neue Akteure, etwa Vereine oder auch Pflegedienste mit freien Kapazitäten. „Wir verzeichnen aktuell mehrere tausend Zugriffe am Tag“, verrät Niclas, der die Seite mittlerweile um einen News- und Blogbereich erweitert hat. „Das Beste ist, dass man die Seite später mal, wenn das Leben wieder normal läuft, durchaus in irgendeiner Weise als Gemeinschaftsplattform nutzen kann. Für diesen Zweck würden wir sie dann verschenken.

Von Holger Borchard

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