Dann eben digital!

Virtuelle Sommerausstellung zeigt in der Isolation entstandene Werke

Angelehnt an das berühmte Porträt von Leonardo da Vinci ist die „Corolisa“ von Astrid Napp – mit Mundschutz. Humor darf in diesen Zeiten in der Kunst nicht fehlen.

Sich gegenseitig austauschen bei Künstlertreff, Stammtisch, aber auch gemeinsamen Museumsbesuche und Studienfahrten – das gehört zum Vereinsleben im Egelsbacher Kunstverein. Momentan ist das wegen der Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus nicht möglich.

Egelsbach –  Genauso wie gemeinsame Ausstellungen. Trotzdem lässt sich der Kunstverein nicht lumpen und findet neue Wege, um einige der Aktivitäten ersatzweise aufrechtzuerhalten.

So mussten die Egelsbacher Künstler neben allen internen Veranstaltungen auch ihre traditionelle Frühjahrsausstellung absagen. „Wir bedauern das außerordentlich, aber angesichts der Umstände blieb uns keine andere Wahl“, sagt der Vereinsvorsitzende Kostadin Poleganov. „Gleichwohl wollten wir nicht den Kopf in den Sand stecken und haben uns deswegen überlegt, wie wir auch in diesen schwierigen Zeiten Kunst in einem neuen Format in die Öffentlichkeit bringen können.“

So entstand die Idee, eine virtuelle Sommerausstellung zu gestalten. „Schließlich sind unsere Künstler und Künstlerinnen auch in Zeiten häuslicher Quarantäne weiterhin kreativ und können ihre Empfindungen und Träume in neuen Bildern ausdrücken“, sagt Poleganov. So wurden die Mitglieder gebeten, unter dem Titel „Künstler*Innen – kreativ in Quarantäne“ Fotos ihrer neuen Werke an den Verein zu schicken, die auf der Homepage abgebildet werden.

Die Idee fand nach Poleganovs Worten eine schnelle und positive Resonanz: Innerhalb weniger Tage wurden 27 Fotos eingesandt. „Sie geben einen schönen Einblick, wie die emotionalen Folgen der Pandemie durch jeden Einzelnen von uns künstlerisch ausgedrückt wurden“, sagt der Vereinsvorsitzende. Da finden sich Schwäne, die in die Ferne fliegen, die Mona Lisa – als „Corolisa“ mit Mundschutz – und Impressionen der Einsamkeit, aber auch die Schönheit von Objekten oder Blumen. „Es ist ein bunter Strauß unterschiedlichster Werke, die eben doch auch vieles gemeinsam haben“, sagt Poleganov über die Bilder, die sich jeder online in Ruhe anschauen kann.

Und das Schöne an der virtuellen Ausstellung sei, dass das Projekt noch nicht abgeschlossen ist. „Auch weiterhin sind die Vereinsmitglieder gebeten, Bilder einzusenden, sodass unsere Sommerausstellung weiter wachsen wird“, sagt Poleganov, der gespannt ist, wie die Idee bei den Kunstfreunden ankommt, die normalerweise die Ausstellungen in der Kulturscheuer von Rüdiger Luchmann besuchen.

„Natürlich würden wir alle liebend gerne wieder zu unseren regelmäßigen Ausstellungen in der Kulturscheuer zurückkehren – schließlich ist die Atmosphäre mit einem Glas Wein in der Hand und gemeinsamen Gesprächen nicht virtuell zu ersetzen“, betont Luchmann. „Aber wir müssen realistisch sein, denn die geforderten Mindestabstände dürften in der Scheune nur schwerlich umzusetzen sein“. Und so setzen die Macher des Vereins auf das neue Format im Internet und die kreative Unruhe ihrer Mitglieder. „Wir sehen diese Veränderungen als eine Chance und nicht nur als Beschränkung“, sagen die Organisatoren – obwohl sie sich natürlich darauf freuen, wenn Kunstfreunde wieder in gemütlicher Runde zusammenkommen können.  jrd

Virtuelle Ausstellung

Die Kunstschau kann unter kunstverein-egelsbach.de in der Rubrik Veranstaltungsfotos 2020 angesehen werden. Kommentare und Anregungen nimmt der Verein gerne unter info@kunstverein-egelsbach.de entgegen.

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