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„Sie können nicht mehr laufen“: Welle der Hilfsbereitschaft für kranke Pferde

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Von: Manuel Schubert

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1 000 Euro für die Behandlung der erkrankten Haflinger – hier im Bild der 18 Jahre alte Attila – überbrachte Michaela Völkel im Namen des Rewe-Centers (links) an die beiden Ranch-Besitzer Christine Lauer-Henrich und Stefan Henrich.
1 000 Euro für die Behandlung der erkrankten Haflinger – hier im Bild der 18 Jahre alte Attila – überbrachte Michaela Völkel im Namen des Rewe-Centers (links) an die beiden Ranch-Besitzer Christine Lauer-Henrich und Stefan Henrich. © Strohfeldt

Große Solidarität mit den kranken Pferden der Haflinger Ranch in Egelsbach: Bereits 6 000 Euro an Spenden sind zusammen gekommen.

Egelsbach – Attila und Sultan geht es nicht gut. Die beiden stolzen Hengste der Haflinger Ranch, mit 18 und 19 Jahren eigentlich im besten Pferdealter, sind an der Hufrehe erkrankt, einer schmerzhaften Entzündung im Bein. „Sie können nicht mehr laufen“, sagt ihr Besitzer Stefan Henrich. Und erst recht keine Kutsche ziehen.

Stattdessen bleiben Attila und Sultan im Stall, zweimal die Woche kommt eine Tierärztin aus Babenhausen vorbei, um nach ihnen zu sehen. Eine kostspielige Angelegenheit für die kleine Ranch. „Wir können das allein nicht stemmen“, sagt Henrich. Zumal in zwei Jahren Corona-Pandemie fast alle Einnahmen weggebrochen sind. Normalerweise können die Haflinger-Pferde für Kutsch- und Planwagenfahrten gebucht werden, vom Kindergeburtstag übers Whisky-Tasting bis hin zur Hochzeit. Zuletzt war das kaum möglich. Hunger haben die Pferde natürlich trotzdem. „Auf den Futterkosten bleiben wir gerade sitzen, das sind im Monat 500 bis 600 Euro“, meint Ranch-Inhaber Henrich. Und nun kommen noch die Ausgaben für die teure medizinische Behandlung hinzu.

„Die Solidarität ist sehr groß“: Spende für kranke Pferde in Egelsbach

Deswegen hatte der Egelsbacher Kulturverein (EKU) vor zwei Wochen einen Aufruf gestartet und – auch über unsere Zeitung – um Spenden für die Haflinger Ranch gebeten. Mit überwältigender Resonanz: Bereits 6 000 Euro sind laut Henrich zusammengekommen. „Die Solidarität ist sehr groß“, freut er sich, das gibt uns auf jeden Fall Hoffnung.“ Eine Privatperson habe satte 1 000 Euro gespendet, viele EKU-Mitglieder und auch zahlreiche weitere Bürger gaben etwas dazu, aus Egelsbach und Langen, zum Teil sogar aus Darmstadt. „Das hat hohe Wellen geschlagen“, sagt Henrich. Auch das Rewe-Center stiftete 1 000 Euro. „Die Ranch gehört zur Egelsbacher Tradition und muss unterstützt werden“, betonte Rewe-Eventmanagerin Michaela Völkel bei der Übergabe des Spendenschecks.

Stefan Henrich, seine Frau Christine Lauer-Henrich und ihre Pferde werden auch in den kommenden Monaten auf Hilfe angewiesen sein. Denn wie es mit Attila und Sultan weitergeht, ist ungewiss. Die Hufrehe, eine Entzündung der Huflederhaut, die das Bein mit der Hornkapsel verbindet, kann im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass die Blutzirkulation im Huf gestört wird. Auch die anderen beiden Pferde der Ranch, der 14-jährige Carolus und die ein Jahr ältere Helena, sind zurzeit an der Hufrehe erkrankt, wenngleich sich beide schon auf dem Weg der Besserung befinden. Trotzdem sei das für die Haflinger Ranch „eine ganz barbarische Situation“, klagt Stefan Henrich. „Alle vier werden dieses Jahr keine Kutsche mehr ziehen können.“

Spendenkonto

IBAN: DE16 5019 0000 6202 0463 70, Verwendungszweck „Attila“.

Vier Pferde in Egelsbach krank

Es ist mehr als auffällig, dass die vier Pferde zur gleichen Zeit von derselben Krankheit heimgesucht werden. Henrich möchte das nicht öffentlich kommentieren. Laut diverser Internetseiten von Pferdekliniken ist eine häufige Ursache für die Hufrehe jedoch das unsachgemäße Füttern durch Fremde, etwa mit Gras, Brot oder Karotten.

So oder so sind die vier Haflinger erst einmal außer Gefecht gesetzt. Das trifft die Ranch doppelt hart, da es 2022 – nach zwei von Corona gebeutelten Jahren – eigentlich wieder so richtig losgehen sollte mit den Kutsch- und Planwagenfahrten. „Unsere Bücher waren voll bis September, das mussten wir jetzt alles absagen“, seufzt Stefan Henrich. Doch er und seine Frau Christine glauben daran, dass es irgendwie weitergeht. „Die Leute stehen hinter uns“, sagt Stefan Henrich. „Viele wissen, was sie an der Haflinger Ranch haben.“ (Manuel Schubert)

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