Egelsbacher Freibad

Vom Schlimmsten geht keiner aus

+
Ein Schwimmmeister hat auch im Winter genug zu tun. „Fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, springen diese Konstruktionen an und halten das Beckenwasser in Bewegung, um ein Einfrieren möglichst zu verhindern“, erklärt Hans-Jürgen Hoffmann.

Egelsbach - Still und starr – wie der See im Weihnachtslied – ruht das Freibad um diese Jahreszeit. Das heißt aber nicht, dass der leitende Schwimmmeister Hans-Jürgen Hoffmann und seine Kollegen nix zu tun haben. Von Holger Borchard

Der Förderverein tüftelt derweil an altbekannten Änderungen, um die Betriebskosten zu senken. Und während Verein und Gemeinde wieder versöhnt sind, schwebt doch über allem die Zukunftsfrage.

Wenn Hans-Jürgen Hoffmann derzeit seine Runde im Freibad macht, gilt seine Aufmerksamkeit den „Schwimmern“. Natürlich nicht realen, sondern jenen Konstruktionen, die anspringen, sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. „Sie halten das Beckenwasser in Bewegung, damit es nicht einfriert und die Fliesen beschädigt“, erklärt der Bademeister – gängige Winterschutz-Praxis in Freibädern landauf, landab.

„Arbeitsklima stimmt wieder“

Alles andere als gängig war das, was in den letzten beiden Amtsjahren von Rudi Moritz zwischen der Gemeinde und dem Förderverein Freibad (FVFE) abgelaufen ist. Die Fehde mit dem Ex-Bürgermeister haben Fördervereins-Vorsitzender Hans-Georg Knoop und seine Mitstreiter freilich endgültig abgehakt, was der Personalwechsel auf breiter Front im Rathaus umso leichter machte: „Neuer Bürgermeister, neuer Bauamtsleiter, neuer Schwimmmeister – und mit allen kann man vernünftig reden“, fasst Knoop schmunzelnd zusammen. „Ja, das Arbeitsklima stimmt wieder.“

Gut so, denn zu tun gibt es aus Sicht der Badförderer reichlich. Ganz oben auf ihrer Liste: zwei Maßnahmen, die schon vor Jahren beschlossen, aber nie umgesetzt wurden: „Jetzt sieht es wieder gut aus, dass die Sanierung des Notbrunnens auf dem Badgelände endlich in Angriff genommen werden kann“, berichtet Knoop. „Außerdem wollen wir einen neuen Anlauf unternehmen, das Winterbeckenwasser im Frühjahr in den angrenzenden Bach abzuleiten.“

Damit würde der „entsprechende Beschluss der Gemeindevertretung vom Dezember 2011 nach mehr als einem Jahr Verzögerung in die Tat umgesetzt“, merkt der Förderverein auf seiner Internet-Seite an. Auf dieser können Interessierte auch Kommentierungen zu Ablauf und Inhalt sämtlicher Arbeitssitzungen zum Schwimmbad nachlesen. Kurz vor dem Jahreswechsel hat sich im Übrigen eine neue „Arbeitsgruppe Schwimmbad“ konstituiert. Ihr gehören Bauamtsleiter Stephan Bierling, Umweltberater Wolfgang Höher und Schwimmmeister Hans-Jürgen Hoffmann seitens der Gemeinde sowie der Vorsitzende des Fördervereins Freibad, Hans-Georg Knoop an. „Als Erstes konzentriert die Gruppe sich auf die zwei genannten Vorhaben“, bestätigt Bürgermeister Jürgen Sieling, an dem das Ganze nicht vorbeiläuft.

Crux ist die Machbarkeit

Warum der Förderverein so darauf erpicht ist, beide Vorhaben schleunigst in die Tat umzusetzen, liegt angesichts der anstehenden Debatte um den Egelsbacher Beitritt zum kommunalen Rettungsschirm auf der Hand: „Wir könnten die Frisch- und Abwasserabrechnungen und damit das jährliche Bad-Defizit weiter senken“, betont Knoop. „Allein die jährlichen Kosten für den Trinkwasserverbrauch liegen bei zirka 35.000 Euro, ganz zu schweigen vom Strom für die Pumpenleistung. Da sollte eine Menge Geld für die Gemeinde drin sein, ich denke mal, so locker 20.000 Euro.“

Die Crux ist die Machbarkeit: „Im Juli 2008 ist schon einmal in einem dreitägigen Pumpversuch die Eignung des Brunnens festgestellt worden, allerdings wurden zu hohe Manganwerte ermittelt“, erinnert Knoop. Eine Brunnenreinigung, deren Finanzierung der Förderverein zusagte, sollte den Mangan-Gehalt auf Trinkwasserqualität reduzieren. „Aber dazu kam es nicht, weil Rudi Moritz in dieser Angelegenheit die Kooperation verweigerte.“ Zeitigen nach vier Jahren Stillstand die Pumpversuche am Notbrunnen und die Laboruntersuchung der Wasserproben Erfolg, könnte die Optimierung schon zur diesjährigen Badesaison über provisorische Leitungsverbindungen greifen. Dass die Aussichten auf die behördliche Genehmigung zur Ableitung des Winterbeckenwassers in den Bach diesmal recht gut stehen, legt unter anderem der Verzicht auf Algenvernichtungsmittel im Beckenwasser nahe, das Selbigem in früheren Jahren zugesetzt war.

Die Kosten für Behördengänge und Ausführung der Pläne wird der Bad-Förderverein übernehmen. „Das ist das, was immer unser Ziel war – der Gemeinde effizient zuzuarbeiten, um möglichst viel Geld im Badbetrieb einzusparen“, resümiert Knoop. Das müsse auch weiterhin der Weg sein, sind er und seine Vorstandskollegen sich einig. „Kostspielige Sanierungen sind bei der jetzigen Finanzlage doch glatte Utopie.“

Dass das drohende Einschnitt-Szenario umgekehrt so bitter werden könnte, dass der Verein und seine Sparideen überflüssig wären, wollen sich Knoop & Co. derzeit allerdings auch nicht ausmalen. „Für uns deutet derzeit nichts darauf hin, dass irgendeine Fraktion hergeht und sagt: ,Wir machen das Bad dicht’ – und vor allem, dass so ein Antrag eine Mehrheit findet“, erklärt der Vorsitzende. Objektiv spreche beispielsweise die Stellenausschreibung für einen Bad-Azubi eine andere Sprache. „Und subjektiv betrachtet wäre es ja geradezu unfair, uns grünes Licht für die genannten Vorhaben zu geben, wenn man uns morgen ,Ätschi’ sagen will.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare