Heizungsanlage löst Ärger aus

Egelsbacher sind genervt von Qualm und Gestank

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Die Rauchwolke sieht dramatisch aus - der Schornstein ist inzwischen aber deutlich kürzer und die Heizung mit einer Abgasanlage versehen.

Egelsbach – Was ein Egelsbacher Schreiner in seinem Ofen verfeuert, sorgt für Qualm und Gestank. Die Nachbarn sind sauer. Doch rechtlich gibt es nichts zu beanstanden. Von Nicole Jost

Die Anwohner rund um die Egelsbacher Woogstraße fühlen sich seit Monaten von Rauch und Gestank aus dem Schornstein der Werkstatt von Krzysztof Jarmuszczak belästigt. Der Schreinermeister ist sich allerdings keiner Schuld bewusst und auch die zuständigen Behörden sehen derzeit keinen Handlungsbedarf.

Die Fotografie sieht dramatisch aus: Eine dicke, schwarze Rauchschwade wabert aus dem Schornstein der ehemaligen Schreinerei Seng gen Himmel. Jürgen Reichert stinkt’s – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Anwohner der Leipziger Straße hat die Fotografie als Beweis gesichert. Er beschwert sich schon seit Monaten über „tiefschwarzen Rauch und vor allem über die Geruchsbelästigung“. Und er steht nicht alleine da.

„Mich stört es, dass der Qualm die Leipziger Straße entlang zieht. Und ich gehe auch davon aus, dass diese Partikel, die manchmal so bestialisch stinken, dass wir im Hochsommer das Fenster nachts schließen mussten, nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit sind“, sagt der Nachbar.

Der Stein des Anstoßes: Schreinermeister Krzysztof Jarmuszczak und die Heizungsanlage, die ihm so viele Probleme bereitet.

Seine Beschwerde richtet sich an Krzysztof Jarmuszczak. Der Schreinermeister hat die Werkstatt der Firma Seng im Dezember 2016 für sein Unternehmen K1 Konzept 24 gekauft und so lange betreibt er auch den Ofen des Firmengebäudes. „Wir sehen andere Unternehmen anfahren und Holz ausladen, das offensichtlich auch dort verbrannt wird. Aber so wie das riecht, kann es unmöglich ausschließlich Holz sein. Das ist entweder Laminat oder Holz mit vielen Lack- oder Kleberresten“, vermutet Jürgen Reichert. Er betont, dass er nicht der Einzige sei, der sich über die Rauch- und Geruchsbelästigung beschwert. Isabella Jordan, 15-jährige Schülerin, lebt mit ihrer Familie in unmittelbarer Nachbarschaft. „Ich stehe jeden Morgen an der Bushaltestelle im Rauch. Manchmal ist der Qualm sogar grün. Es stinkt wirklich ganz fies“, erzählt das Mädchen. Sogar ihre Oma, die in der weiter entfernten Schulstraße wohne, nehme den Geruch war. „Alle Nachbarn sind wütend, dass niemand etwas unternimmt“, sagt Isabella.

Reichert hat mit seinen Mitstreitern inzwischen 40 Unterschriften gesammelt und sich an die Gemeinde und das Gesundheits- und Umweltamt des Kreises Offenbach gewandt. „Es wurde auch eine Probe genommen, aber die wurde nicht ausgewertet“, erhofft sich Reichert noch mehr Unterstützung von den Behörden.

Vom Kreis Offenbach gibt es indes Nachrichten, die die Anwohner nicht erfreuen wird: „Die Fachleute aus unserer Gesundheitsbehörde waren mehrfach vor Ort und haben sich den Ofen angesehen. Das ist eine sehr moderne Anlage, mit einem sehr kooperativen Firmeneigentümer, der uns alle notwendigen Informationen gegeben hat“, sagt Ursula Luh, Pressesprecherin des Kreises.

Die vollautomatische Anlage ziehe das gehäckselte Holz selbstständig aus einem Silo in den Ofen ein. „Bedienfehler sind eigentlich ausgeschlossen, weil alles computergesteuert ist. Die genommenen Proben wurden gesichert, aber das Ausgangsmaterial gab keinen Anlass zur weiteren Auswertung“, betont Luh.

Krzysztof Jarmuszczak ist schon etwas genervt von den anhaltenden Beschwerden, den unangekündigten Besuchen der Nachbarn und dem zum Teil – wie er sagt – „frechen Auftreten“ von Leuten, die einfach auf der Matte stehen. Auch ausgestreckte Mittelfinger habe er sich schon anschauen müssen.

Er räumt ein, dass es anfangs tatsächlich Schwierigkeiten gegeben habe. „Alle sprechen immer von einem Ofen. Ja, das ist ein Ofen, aber letztlich ist es die Heizung, die die Wärme und das heiße Wasser für die zwei Wohnungen und die Werkstatt liefern muss“, erläutert der Schreinermeister. Er habe im März vergangenen Jahres eine hochmoderne und sehr, sehr teure Abgasanlage einbauen lassen. „Dabei hat die Firma einen Ventilator aus der Heizung ausgebaut. Erst daraufhin hatten wir eine immense schwarze Rauchentwicklung und es hat gestunken wie die Pest“, räumt der Handwerker ein. Bis entdeckt worden sei, dass dies am fehlenden Ventilator liege, seien drei Monate ins Land gegangen. Seit die Technik wieder komplett ist, sei dieses Problem aber behoben. „Natürlich bemerke ich auch, dass es manchmal etwas mehr Rauchentwicklung gibt. Das kann aber nur an zu viel Feuchtigkeit im Holz liegen. Ich kontrolliere das schon vermehrt, lasse es länger zum Trocknen liegen, weil ich ja um die Beschwerden weiß. Ich will hier natürlich auch keinen Ärger“, sagt Krzysztof Jarmuszczak.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Laminat, so schwört der Handwerker, wandere niemals in den Ofen. Da er selbst gar nicht genug Holzabfälle produziere, um die Heizung Tag und Nacht am Laufen zu halten, lasse er sich tatsächlich Reste von anderen Unternehmern anliefern. „Da sind auch mal Spanplatten dabei und Furnierplatten, die kleine Kunststoffkanten haben können. Das ist aber ein minimaler Anteil und mit der Betriebserlaubnis gestattet.“

Der Unternehmer, der sein Geld hauptsächlich mit dem Verlegen von Parkett verdient, hat inzwischen selbst genug von dieser besonderen Heizungsanlage, die ihm so viel Ärger, Kosten und vor allem Arbeit mit ausreichend Holznachschub bereitet, um sie überhaupt am Laufen zu halten. In seinem Heizungsraum hat er schon mit dem Einbau einer modernen Gasheizung begonnen. „Damit wollen wir die Wohnungen in Zukunft heizen. Der große Holzofen soll uns dann nur noch im Winter als Wärmequelle für die Werkstatt dienen“, kündigt Krzysztof Jarmuszczak an.

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