Die Natur zum Spielzimmer machen

Egelsbach - Eine Gruppe von Bürgern hat vor ein paar Jahren den Verein „Waldkindergarten Egelsbach“ gegründet. Der Name ist Programm: Egelsbach soll einen Waldkindergarten erhalten. Ohne Geld von der Gemeinde ist das freilich nicht realisierbar. Von Holger Borchard

Gemeindevorstand und zuständiges Fachamt fahren indes eine klare Linie: „Ein schöner Wunsch, aber gegenwärtig unbezahlbar. “ Aventiure nennt sich die Waldkindergartengruppe für Zwei- bis Dreijährige, die der Verein bereits seit 2006 betreibt. Entstanden aus einer Privatinitiative von Dagmar Neudorf, entwickelte sich der Verein, der aktuell etwa ein Dutzend Eltern zählt. Diese möchten nun den nächsten Schritt tun: „Unser Wunsch ist die Einrichtung eines Waldkindergartens für Drei- bis Sechsjährige als Alternative zum Regelkindergarten“, schildert Dagmar Neudorf.

Einen Platz zur Errichtung des Waldkindergartens hat der Verein in Aussicht: „Es handelt sich um ein ziemlich genau 900 Quadratmeter großes Gartengrundstück in der Feldgemarkung jenseits der B 3 in Richtung Forsthaus Krause Buche“, sagt Gründungsmitglied Ines Bakó. Ein Privatmann verkaufe das Gelände im Bereich „Am großen Graben/Farrenwiese“, und in den vergangenen Monaten habe der Verein alle formalen Vorleistungen zur Erlangung der Betriebsgenehmigung erbracht. „Der Antrag auf Erlaubnis für den Betrieb einer Tageseinrichtung für Kinder ist gestellt, der Verein ist ins Vereinsregister eingetragen, seitens der Kreisbehörden haben wir prinzipiell grünes Licht für den Betrieb im sogenannten Außenbereich“, fasst Neudorf zusammen.

Das große Fragezeichen ist freilich die Finanzierung. Der Verein hat nicht die Mittel, um seine Idee Realität werden zu lassen, deshalb hat er einen Förderantrag an die Gemeinde gerichtet. Auf 46.000 Euro beziffern Neudorf & Co. die Summe, die sie aus der Rathauskasse benötigen, um den Garten sowie zwei ausgediente Bauwagen kaufen zu können. „Um den Betrieb einer Gruppe mit maximal 20 Kindern sicherzustellen, wollen wir zwei Bauwagen mit Öfen aufstellen, eine Biotoilette installieren, einen Sandkasten bauen und Spielgeräte und Schaukeln anbringen“, skizziert Ines Bakó die Pläne.

Abgesehen vom einmaligen Obolus zur Investition kalkuliert der Verein mit einem jährlichen Zuschuss von 51.000 Euro seitens der Gemeinde. „Da unsere Betriebskosten im Wald wesentlich geringer sind als in Einrichtungen der Gemeinde, sind wir in unserem auf fünf Jahre ausgelegten Haushaltsplan um zirka 200.000 Euro günstiger als eine gleichgroße Regelgruppe“, erklärt Neudorf. Insofern könne die Gemeinde das Finanzargument wohl kaum geltend machen – „sofern nur der Wille da ist, den Waldkindergarten zum Teil des gemeindlichen Angebots zu machen und Plätze zu uns zu verlagern“.

Just dies erscheint Gemeindevorstand und Fachamt aufgrund erfolgter Weichenstellungen nicht opportun: „Die Gemeinde errichtet 2013 unter anderem ein Familienzentrum. Es wird ab 2014 mit jährlichen zusätzlichen Betriebskosten von mehr als einer Million Euro gerechnet und nach Inbetriebnahme des Familienzentrums wird es aller Voraussicht nach keinen Bedarf an weiteren Tagesstättenplätzen für Drei- bis Sechsjährige geben“, heißt es in einer Stellungnahme. Abgesehen davon weise der vorgelegte Finanzplan des Vereins „trotz intensiver Beratung“ durch die zuständige Fachabteilung im Rathaus noch immer Lücken auf, und die Aufsichtsbehörde erteile nach aktuellem Stand keine Betriebserlaubnis. „Ein Grund: „Die ungeklärte Anforderung, ein Ausweichquartier für widrige Wetterlagen zur Verfügung zu stellen“, so die Anmerkung.

Die Grünen bringen den Waldkindergarten ins Parlament: Geht’s nach ihnen, werden die Gemeindevertretung und deren Ausschüsse den Förderantrag beraten und darüber abstimmen.

Infos im Internet: www.waldkindergarten-egelsbach.de

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