Virtuelle Verbrecherjagd

Egelsbacherin schauspielert in interaktivem Online-Krimi

Das Theaterensemble „Für Garderobe keine Haftung“, bestehend aus Silke Siegel (rechts), Claudia Stump (links), Tamara Bögle und Nick Leusel.
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Lädt zur virtuellen Verbrecherjagd ein: Das Theaterensemble, bestehend aus Silke Siegel (rechts), Claudia Stump (links), Tamara Bögle und Nick Leusel geht neue Wege.

Eine entführte Weinkönigin, vier Zeugen und zwei Stunden Zeit, um den Fall zu lösen. Im Online-Krimi-Spiel „Rettet die Weinkönigin“ der Theatergruppe „Für Garderobe keine Haftung“ um die Egelsbacherin Silke Siegel ermitteln nicht die Schauspieler, sondern die Zuschauer. Ob Entführte und Entführer rechtzeitig gefunden werden, hängt vom Geschick der Ratenden ab.

Egelsbach – „Die Idee zu dem Spiel ist aus der Not heraus geboren“, sagt Silke Siegel. Da Theater und Kinos aufgrund des abermaligen Lockdowns geschlossen sind, hat sich die Egelsbacherin mit ihrer Theatergruppe etwas Neues einfallen lassen müssen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. „Es ist für uns alle eine schwierige Situation“, berichtet Siegel, seit 18 Jahren Mitglied bei „Für Garderobe keine Haftung“. Die Impro-Theatergruppe war auch schon mehrere Male live in Egelsbach zu sehen.

Mit der Schauspielerei wegen der Pandemie aufzuhören, kam für Siegel und ihre Kollegen nicht in Frage. Stattdessen suchte das Ensemble einen Weg, Theater und Kontaktbeschränkungen zu vereinbaren. Da die Stücke der Gruppe schon vor dem Lockdown aus Interaktion mit dem Publikum bestanden, sollte dies in ihrem neuen Projekt ebenfalls möglich sein. Nur, in welcher Form konnte das gelingen?

Als Vorbild haben den Schauspielern virtuelle „Escape-Rooms“ gedient – also Online-Spiele, bei denen sich die Teilnehmenden mittels Rätseln aus Räumen befreien müssen. „Die sind momentan sehr beliebt“, meint Siegel. Dieses Element hat die Gruppe mit dem Zusammenspiel von Schauspielern und Publikum verbunden, die jeweils zu Hause vor ihrem Rechner sitzen. Herausgekommen ist der virtuelle Krimi „Rettet die Weinkönigin“, bei dem die Zuschauer selbst ermitteln müssen, wer die Weinkönigin Juliette Glockner entführt hat und wo sie versteckt gehalten wird.

Um den Fall zu lösen, suchen alle Mitspieler in Videos, Audio-Dateien und auf Webseiten nach Hinweisen. Die Mitglieder der Theatergruppe treten als Zeugen auf – und schauspielern live. Siegel erläutert: „Die Zuschauer können unsere Akteure befragen und anhand deren Antworten weiter ermitteln.“ Nach zwei Stunden soll der Täter gefasst und die Weinkönigin gerettet sein. Manchmal bekämen die Teilnehmer aber auch etwas mehr Zeit, um den Fall zu lösen.

Und das Spiel kommt offenbar gut an. Allein im Dezember haben Siegel und ihre Kollegen 84 Online-Krimi-Vorstellungen gespielt. „Viele Firmen ersetzten mit unserem Spiel ihre Weihnachtsfeier“, berichtet die Egelsbacherin. An manchen Tagen trat das Ensemble fünfmal auf.

Anders als ein Teil ihrer Kollegen verdient Siegel aber ihren Lebensunterhalt nicht allein mit der Schauspielerei, sondern als Eventmanagerin. Die Sorgen der Schauspieler, die durch den erneuten Lockdown vor finanziellen Problemen stehen, kennt die Egelsbacherin dennoch. Viele kehrten mangels Aufträgen zurück in ihre alten Berufe oder nehmen Hörbücher auf, um das fehlende Einkommenden auszugleichen, sagt sie. Vom Staat fühlten sich viele Künstler alleingelassen. Zwar könnten auch Schauspieler Fördergelder beantragen, doch dass Theater und Kinos überhaupt schließen mussten, ist für Siegel unverständlich: „Die Theater haben die Vorgaben adäquat umgesetzt.“

Wer die Weinkönigin aus den Fängen des Entführers befreien möchte, benötigt ein Computer mit Webcam, eine stabile Internetverbindung sowie das Programm Zoom. Tickets kosten 24,95 Euro pro Person, für Gruppen (maximal zehn Teilnehmer) gibt es Sonderpreise. (Von Joshua Bär)

Weitere Infos auf online-krimi-spiel.de.

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