U 17-Bundesliga

Lehrjahr mit dem Adler auf der Brust

+
Jederzeit fangbereit: Wer wie Svenja Rode beim Nachwuchs eines Bundesligisten das Tor hütet, darf sich schon mal Gedanken über eine Fußballkarriere machen. Gleichwohl hat die Egelsbacherin ihren „Plan B“ bereits im Kopf.

Egelsbach - Den Sprung zu einem großen Fußballverein schaffen – diesen Traum träumen in Deutschland Millionen Jungs, die die Fußballplätze der Republik bevölkern. Doch auch immer mehr Mädchen sind in den Vereinen aktiv und wollen hoch hinaus. Von Daniel Untch

Auf dem besten Weg dazu ist Svenja Rode aus Egelsbach.

Die 17-Jährige spielt seit fast sieben Jahren Fußball und war von Anfang an in der Mädchenmannschaft der SG Egelsbach dabei. Jetzt teilt sie sich mit einer Konkurrentin den Platz im Tor der U 17 der Frankfurter Eintracht. „Zu kicken war für mich lange Zeit kein Thema. Dann habe ich aber vom Probetraining für Egelsbacher Mädchen erfahren und bin aus Neugierde einfach mal hingegangen“, erinnert Svenja sich an ihre Anfänge. Auch die Lieblingsposition war schnell klar: Das Tor sollte es sein. „Es klingt etwas kitschig, aber ich hab’ damals die Filme der Wilden Kerle gesehen. Was der Torwart da macht, hat mich beeindruckt und das wollte ich auch machen“, begründet sie die Entscheidung für die Position zwischen den Pfosten.

Umfeld und Philosophie besser gefallen

Über die Regionalauswahl führte Svenja Rodes Weg im Sommer 2012 zu den Adlerträgern nach Frankfurt. Ein Angebot des FFC Frankfurt – hessische wie deutsche Topadresse im Frauenfußball – schlug sie seinerzeit aus. „Mir haben Umfeld und Philosophie bei der Eintracht besser gefallen. Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung, denn hier habe ich ein tolles Trainerteam und eine super Mannschaft gefunden“, lässt sie die vergangenen Monate Revue passieren.

Gleichwohl empfindet Rode die Saison 2012/13 mit den wechselnden Einsätzen im Tor als Lehrjahr. Warfen Schleimbeutelentzündungen an Knie und Ellenbogen sie zunächst zurück, ist sie seit der Winterpause zwar wieder fit, doch wenige Spieltage vor Saisonende ist der Abstieg des Teams von der Bundes- in die Hessenliga bereits besiegelt. Dorthin wird Rodes Weg allerdings nicht führen – sie wechselt im Sommer zu den Damen, deren erstes von zwei Teams in der Regionalliga antritt. Wie und wo ihre Fußball-Karriere weitergeht, lässt sich demnach nicht absehen, doch das Nachwuchstalent weiß, was es will. „Es soll so weit nach oben gehen wie möglich und dafür bin ich mindestens noch ein Jahr lang bereit, alle Energie zu investieren.“ Den Blick für die Realitäten verliert die Gymnasiastin dennoch nicht: „Du brauchst ein zweites Standbein, einen Plan B.“ Wie der aussehen soll, weiß sie auch schon: „Ich möchte Musiklehrerin werden.“

Zeit am Klavier entspannt

Damit sind die weiteren Felder benannt, die Rodes Alltag neben dem Fußball prägen: Schule und Musik. Über die Reihenfolge lässt sich freilich streiten. „Im Verein wird geguckt, dass wir in der Schule klarkommen, da ist es nicht schlimm, wenn man mal ein Training verpasst“, erzählt sie. Gerade im Hinblick aufs Abitur, das im Frühjahr 2014 ansteht, ist das natürlich ein wichtiger Kompromiss. Musik ist der Torfrau ebenfalls sehr wichtig: „Nichts ist entspannender für mich als Zeit am Klavier.“

US-Frauen-Team trainiert in Offenbach

Drei bis vier Trainingseinheiten die Woche stehen auf dem Programm und am Wochenende wird natürlich gespielt. „Die U 17-Bundesliga ist die höchste Spielklasse unserer Altersklasse – da stehen schon mal Auswärtsfahrten bis nach Freiburg oder nach München zum FC Bayern auf dem Programm“, erzählt Rode. „Normalerweise fahren wir mit Kleinbussen zu den Spielen. Wenn es sehr weit weg geht, stellt der Verein aber einen Reisebus und wir übernachten am Spielort.“ Auch bei Schuhen, Trikots und Torwarthandschuhen unterstützt die Eintracht ihre Spielerinnen, ansonsten wäre der Spaß auf Dauer ziemlich teuer. Gehalt oder gar ein Fußballinternat, wie beim männlichen Nachwuchs üblich, gibt’s bei den Damen nicht: „Manchmal wünscht man sich natürlich schon etwas mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Publikum. Wenn man dann aber Fanausschreitungen wie in Leverkusen sieht, ist man eigentlich froh, dass es bei uns ruhiger zugeht“, räumt Rode ein.

Auch wenn Fußball vielen immer noch als Männersache gilt: Dumme Sprüche von Jungs muss Rode sich als Fußballerin nicht mehr anhören. „Gerade bei uns in der Gegend hat sich Frauenfußball durch Teams in Langen und Egelsbach etabliert.“

So schön ist der Frauenfußball

So schön ist der Frauenfußball

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare