Der Weg zum Traumkleid

Beratung mit Gänsehautfaktor: Der Weg zum Traumkleid

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Geht in ihrem Job voll auf: Meike Buschening-Kaffenberger kam über Umwege zu ihrem Brautmodenladen in Egelsbach. Mit viel Herzblut sucht sie mit jeder Braut ihr Traumkleid aus – auch in einer Fernsehshow.

Sie hat schon vielen Bräuten zum Traumkleid verholfen: Meike Buschening-Kaffenberger führt nicht nur seit zehn Jahren ihren „Brautladen“ in Egelsbach, sondern ist auch Beraterin in der Fernsehshow „Zwischen Tüll und Tränen“.

Egelsbach - Im TV wie im Laden glaubt sie: Für jede Frau gibt es das passende Hochzeitskleid.

Egelsbach – Dass Frauen „den ganzen Laden kaufen“, sagt so mancher Gatte mal überzogen, wenn die Liebste in einen Shoppingrausch verfallen ist. Bei Buschening-Kaffenberger war es tatsächlich so. Vor 14 Jahren heiratete sie ihren Mann Jens und begab sich dafür auf die Suche nach dem passenden Hochzeitsoutfit. „Ich habe zuerst ein Kleid gekauft, dann ein zweites und dann den ganzen Laden“, sagt die 48-Jährige lachend. So kam sie zu ihrem Geschäft in Frankfurt. Früher hat sie in Fünf-Sterne-Hotels VIPs betreut, bei der Lufthansa und als Animateurin gearbeitet – aber mit ihrem Brautladen hat Buschening-Kaffenberger ihre Berufung gefunden. „Ich habe nur ein Ziel: dass die Braut toll aussieht“, schwärmt sie.

Im Januar 2010 eröffnete sie den Brautladen in der Egelsbacher Bahnstraße. Hier ist das Outlet angesiedelt. Es gibt Modelle aus früheren Kollektionen, die ein wenig günstiger sind. Auch das firmeneigene Schneideratelier mit drei Näherinnen ist im Hinterzimmer des Verkaufsraums angegliedert. Ob nun aber der neueste Schrei aus aufwendiger Spitze oder ein schlichteres Modell aus einer vergangenen Kollektion: Das Kleid muss zur Braut passen – das ist oberstes Gebot. „Es darf die Frau nicht verkleiden, es soll nur unterstützen“, lautet Buschening-Kaffenbergers Devise. Es sei die Kunst des Brautmodenverkäufers, die jeweiligen Vorzüge in Szene zu setzen.

Die Geschäftsführerin legt Wert darauf, dass alle Kundinnen individuell beraten werden. „Ich hab zwar ein großes Sortiment, aber wenn es gar nicht geht, sage ich auch ganz klar: ,Ich habe nicht, was du suchst‘“, betont die Egelsbacherin. Ein Kleid wandere bei ihr nur über den Tresen, wenn es „eine runde Sache“ sei – nicht um jeden Preis. Die Expertise hat sie sich angeeignet. „Ich bin eigentlich nicht modeaffin“, sagt die große, burschikose Blondine mit Kurzhaarschnitt. Sie hat viel über Stoffe gelernt, sich in die Materie eingelesen, Stunden bei den Schneiderinnen verbracht. „Ich habe über die Jahre in meinen alten Jobs eine gute Menschenkenntnis aufgebaut, das hilft mir sehr“, sagt Buschening-Kaffenberger.

Dass die Quereinsteigerin im Brautmoden-Business durch ihre Optik und ihre direkte Art aus dem Raster fällt, mag ein Grund für ihren Erfolg bei der TV-Dokusoap „Zwischen Tüll und Tränen“ sein. „Ich bin eben nicht typisch für den Beruf“, sagt sie lachend. 2017 hatte der Fernsehsender VOX sie gefragt, ob sie Teil einer Brautmoden-Sendung werden wolle. Doch im Ursprungskonzept sollte ihr zu viel Privates über die Brautberater hinein, so die zweifache Mutter. Der Sender ließ aber nicht locker. „Die wollten mich unbedingt!“

In rund 60 Sendungen hat Buschening-Kaffenberger seit September 2017 Bräuten geholfen, das perfekte Kleid für sie zu finden. Das sei nicht immer leicht: Oft kämen Frauen mit Vorstellungen, die sie korrigieren müsse, erzählt sie. Manche schätzen ihre Kleidergröße ganz falsch ein, andere wollen ein Kleid, das nicht zu ihrer Figur passt. Ein weiteres Problem: „Der Perfektionismus nimmt zunehmend überhand. Hochzeiten werden zum Hype und das Wesentliche gerät aus dem Fokus.“. Es sehe nun mal nicht jeder vorm Traualtar aus wie ein Hollywoodstar. „Aber für jede Frau gibt es ein Kleid“, ist die Expertin überzeugt.

Auch die Fernsehshow lockt Kundinnen an. Durch ihre Auftritte kommt das kleine Egelsbach zu TV-Berühmtheit: Kundschaft aus Kiel, München oder Österreich hatte sie schon im Laden. „Neulich kam ein Pärchen aus der Schweiz, das eines meiner Kleider in der Sendung gesehen hat“, erzählt Buschening-Kaffenberger. Die angehende Braut war sicher, dass sie bei der Expertin ihr Kleid finden würde. Das ersehnte Original war zwar nicht mehr da, aber der Nachfolger – und der passte. Für die Schneiderarbeiten – „das Feintuning“ – und die erneute Anprobe mietete sich das Paar in Langen ein. „Der Weg hat sich gelohnt“, sagt Buschening-Kaffenberger lächelnd.

In „30 Semestern Braut-Psychologie“, wie sie scherzt, hat sie schon Kurioses erlebt: Einmal kam ein Mädchen in ihr Geschäft und suchte ein Kleid für seine Mutter. Auf die Frage, wann die Hochzeit sei, antwortete die 14-Jährige: heute. „Da sagte ich: Dann soll die Mama schnell herkommen“, erinnert sich Buschening-Kaffenberger lachend. In nur zweieinhalb Stunden hatte sie für die „schnellste Braut“ ein Kleid, Schuhe und Accessoires herausgesucht. Die Not war übrigens so groß, weil das im Internet bestellte Brautkleid nicht rechtzeitig ankam. Auch auf Brautkleider hat sich Onlineshopping schon ausgedehnt, bedauert die Geschäftsfrau.

Für sie ist das Schönste an ihrem Job immer noch der Moment, wenn sie das passende Kleid für die Braut gefunden hat – und diese sich im Spiegel darin bewundert. „Wenn ich sehe, wie glücklich sie sind, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut“, betont sie. Egal ob eine Fernsehkamera dabei ist oder nicht.

VON JULIA RADGEN

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