„Hoecks Hof“

Eigener Strom aus dem Keller: Gästehaus in Egelsbach setzt auf Nano-Blockheizkraftwerk

Bernfried Kleinsorge, Inhaber von „Hoecks Hof“
+
Schritt aus Überzeugung: Bernfried Kleinsorge in seinem Keller, wo das Brennstoffzellen-Nano-Blockheizkraftwerk steht.

Wie selbstverständlich steht in Deutschland rund um die Uhr Strom zur Verfügung – zur Beleuchtung, zum Laden des Handys und für den Kühlschrank. Woher dieser Strom kommt, beschäftigt vermutlich nicht jeden Nutzer.

Egelsbach – Bernfried Kleinsorge aus Egelsbach hat sich entschieden, unabhängiger vom deutschen Stromnetz zu werden und ist symbolisch quasi auf die einsame Insel ausgewandert: Denn mit einem Brennstoffzellen-Nano-Blockheizkraftwerk in seinem Keller betreibt er sein eignes Inselnetz zur Stromversorgung seines Grundstücks.

Das Doppelhaus, bestehend aus dem Gäste- und Boardinghaus „Hoecks Hof“ sowie dem Privathaus von ihm und seiner Ehefrau Annkatrin Hoeck in der Weedstraße 10, ist zwar für Notfälle noch mit dem Netz von der Straße verbunden, muss aber nicht mehr täglich darauf zugreifen. Im Gegenteil wird der Überschuss an Leistung, die Hoecks Hof nicht selbst benötigt (ungefähr 8000 Kilowattstunden pro Jahr) in das öffentliche Netz eingespeist. Auf die Wirtschaftlichkeit dieses Schrittes kommt es ihm nur zweitrangig an.

Seit Januar 2020 hat Kleinsorge diesen Moment vorbereitet. Die Corona-Pandemie habe den ein oder anderen Termin mit Handwerkern etwas nach hinten geschoben, aber das stört Kleinsorge nicht. „Ich hatte keinen Zeitdruck. Unser Gästehaus ist kein Hotel, sondern wir bieten temporäres Wohnen. Wir hatten durchgängig geöffnet.“ Mit der Technologie habe er sich bereits vor zehn Jahren bei der Renovierung seiner Häuser beschäftigt. Damals habe es noch nicht das passende Modell gegeben. Nun wurde die Größe „Nano“ in das Angebot der Hersteller aufgenommen – genau das Richtige für Privathaushalte oder Kleingewerbe.

Dem kleinen Blockheizkraftwerk (BHKW) – es ist etwas größer als eine Spülmaschine – wird Erdgas zugeführt, das in den Brennstoffzellen bei circa 700 Grad Arbeitstemperatur in Wasserstoff umgewandelt wird, woraus Strom gewonnen werden kann. Den Strom speichert Kleinsorge in einer Lithium-Batterie mit 6,5 Kilowattstunden Kapazität. Pro Stunde erzeugt das BHKW 1,5 Kilowatt Energie. Bemerkenswert dabei ist in diesem Fall die Effizienz des Prozesses, der Kraft-Wärme-Kopplung genannt wird. Kleinsorge erklärt: „Bei der normalen Stromproduktion können circa 40 Prozent der Energie genutzt werden. Bei mir liegt die effektive Nutzung des Brennstoffs bei 80 bis 85 Prozent, weil die bei der Stromproduktion entstehende Wärme für die Heizung genutzt wird.“

Allerdings handelt es sich nicht um erneuerbare Energien, da bei der chemischen Reaktion zu Wasserstoff Kohlenstoffdioxid (CO2) entsteht. Kleinsorge sieht es als Übergangslösung: „Technologie, genügend Platz und die finanziellen Mittel: Alles steht mir zur Verfügung. Ich habe das BHKW aus politischer Überzeugung einbauen lassen. Es ist meine aktive Unterstützung zur Energiewende.“ Gefördert wird das BHKW als energieeffizientes und umweltfreundliches Heizsystem auch vom Staat: 26 000 Euro kostet das Modell, 16 000 Euro haben KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und BAfA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) übernommen. Hinzu kommen noch Kosten für die Installation, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, und eventuell für einen Stromspeicher.

Allerdings sind reine Ersparnisse für Kleinsorge, der zusammen mit Annkatrin Hoeck ein nachhaltiges und umweltfreundliches Gästehaus betreibt, zweitrangig. Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass bei Heizsystemen immer nach der Wirtschaftlichkeit gefragt wird: „Bei einem Auto geben die Menschen 50 000 Euro aus und keiner fragt danach, ob die Investition wirtschaftlich ist. Das ist sie nicht, nach nur einem Jahr verliert das Auto bestimmt die Hälfte seines Wertes. Ich wünsche mir, dass wir bei der Umstellung auf erneuerbare und energieeffiziente Technologien wegkommen vom ausschließlich wirtschaftlichen Denken. Wer einen Anstoß oder Tipps für sein Haus braucht, kann mich gerne ansprechen.“ (Von Theresa Ricke)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare