Harte Nuss fürs Zweckbündnis der Heiler

Eigenheim: Drastische Worte unter Pfadsuchern im Ausschuss

Egelsbach -   Wie kann der Karren der Eigenheim-Sanierung wieder aus dem Dreck gezogen werden? Die hoch spannende Frage und harte Nuss schlechthin zur ersten Sitzungsrunde der Gemeindevertretung nach der Sommerpause. Von Holger Borchard

Eröffnet hat diese am Dienstagabend der Bauausschuss – in zum Teil knallharter Tonart und letztlich mit der Empfehlung, den vom Gemeindevorstand gewiesenen Pfad der „Heilung“ zu beschreiten.
Was muss passieren, damit das Eigenheim wieder ins gewünschte Fahrwasser, sprich das Ziel „Wiedereröffnung der Veranstaltungsstätte“ in realistische Reichweite kommt und die fest eingeplanten Fördermittel des Landes nicht flöten gehen? Die harte Nuss haben die Kommunalpolitiker nun zu knacken – und das so schnell wie möglich, daran lässt Bürgermeister Tobias Wilbrands einleitende Erklärung zum Stand der Dinge keinen Zweifel. „Wir müssen bis Ende des Jahres auf Basis eines neuen Förderantrags die Mittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm sichern oder auf sie verzichten.“

Ohne die 360.000 Euro klafft ein dickes Loch im Eigenheim-Budget. Schlimmstes anzunehmendes Szenario für die Bürger wäre der finanzielle Ausgleich über eine weitere Grundsteuererhöhung. Soweit wollen Bürgermeister und Gemeindevorstand es freilich nicht kommen lassen. Im Bemühen um „Heilung“ hat der Gemeindevorstand die aus seiner Sicht nun unausweichlichen Beschlüsse und Reaktionen in einen Antrag gepackt, der den Gemeindevertretern dringendst zur Zustimmung angeraten ist.

„Ja, es ist allerhand schiefgelaufen und nein, ich halte es absolut nicht für angezeigt, jetzt episch die Schuldfrage zu debattieren“, eröffnet der Bürgermeister die Aussprache. Was man nun brauche? „Wir müssen nicht durch Beschlüsse Gedecktes durch Beschlüsse heilen.“ Zugleich hebt Wilbrand den Zeigefinger: „Niemand kann sagen, er habe nichts vom Ablauf der Arbeiten gewusst – das wurde alles hier im Saal angekündigt.“

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Wilbrands Ansage: Nach einer Eigenheim-Begehung am Montag mit den benötigten externen Fachleuten – „Projektsteuerer, Brandschutzexperte und Architekt“ – sowie Hans-Jürgen Rüster vom Verein Pro Saalbau lassen sich die nun fälligen baurechtlichen und weitere Schritte benennen und müssen angegangen werden. „Ich habe vereinbart, dass wir bis Mitte Oktober an das gesamte Projekt ein Preisschild dranhängen können“, stellt Wilbrand in Aussicht. „Was wir jetzt auf alle Fälle brauchen, ist Geld, um die externen Fachleute überhaupt beauftragen zu können.“

Dieses Budget taxiert der Gemeindevorstands-Antrag auf bis zu 50.000 Euro. Weitere Kernpunkte des Antrags: Die Gemeindevertreter bewilligen nachträglich die bereits erfolgte Renovierung der Gaststätte und des Kollegs inklusive Foyer und Toiletten, der Gemeindevorstand verhandelt parallel mit dem Regierungspräsidium Kassel über die Landesförderung und die Frage, wie der Verein Pro Saalbau am Betrieb der Versammlungsstätte beteiligt werden kann.

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Ehe SPD, Wahlgemeinschaft, Grüne und FDP bei Enthaltung der CDU den Antrag letztlich zur Annahme empfehlen, gibt’s in der Diskussion freilich noch reichlich Gegenwind. Dafür zeichnet zunächst Wolfgang Klein (Linke) verantwortlich. Im Ausschuss ohne Stimmrecht, hat er einen Gegenantrag formuliert, der unter anderem auf die Auflösung des Vertrags zwischen Gemeinde und Eigenheim-Vereins abzielt, jedoch auf null Gegenliebe stößt. Kleins Standpunkt: „Ich habe absolut kein Interesse, nachträglich etwas zu heilen, was dieses Gremium definitiv nie beschlossen hat“ – das Vertragskonstrukt mit dem Verein sei schlicht nicht zielführend.

„Jetzt ist der falsche Zeitpunkt, Schuldige zu benennen – die Betonung liegt auf jetzt“, merkt Georg Dinca (WGE) an. „Wenn ich Eigenheim höre, kommen mir die Tränen“, stellt Bernhard Kurpiela sarkastisch fest und setzt noch eins drauf: „Was da gelaufen ist, ist der größte Skandal in der Geschichte Egelsbachs. Da ist so viel Geld verschoben und versenkt worden – unfassbar!“ Axel Vogt (FDP) hingegen betont: „Unser Problem sind die aus dem Ruder gelaufenen Kosten. Und weder für die noch für die fehlgeleitete Projektsteuerung trifft den Verein die Schuld. Die Beteiligung ehrenamtlichen Engagements ist unerlässlich.“

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Heute debattiert der Sozial- und Kultur-, am Donnerstag (13.) der Haupt- und Finanzausschuss über das große Aufräumen rund ums Eigenheim.

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