Zwei Vereine – eine starke Kampagne

Einstehen für die Werte der Demokratie

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Ein bleibendes Resultat der gemeinsamen Demokratie-Kampagne: Zur Fotowand mit der Überschrift „Ich stehe für …“ hatten viele Angesprochene etwas beizutragen.

Egelsbach - „Demokratie: Mach mit – du hast die Wahl!“ Unter diesem Motto haben die Sportgemeinschaft (SGE) und die Kerbgemeinschaft (EKG) im Vorfeld der Landtagswahl eine politische Werbe- und Aufklärungskampagne gestartet. Für beide Vereine war das absolutes Neuland – was ihre Erfahrungen umso spannender macht. Von Holger Borchard 

„Wir haben einfach gesagt: Wir müssen was machen – und wir wollen uns für die Werte stark machen, für die die Demokratie steht und die ja auch unser Vereinsleben ausmachen“, skizziert Thomas Geiß die grundsätzlichen Überlegungen, die zu der zweiteiligen Aktion über den Zeitraum von zwei Wochen geführt haben. Geiß ist Mitglied der SGE und der EKG und übernahm die Projektleitung der gemeinsamen Vereinsinitiative.

„Wichtig war uns, mit der Kampagne an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor die Parteien zum allgemeinen Schaulaufen ansetzen“, betont Geiß. „Deshalb waren wir schon knapp anderthalb Monate vor dem Wahltag 28. Oktober auf dem Wochenmarkt unterwegs.“

Den ersten Hebel haben die Vereine rund um die Kerb am dritten September-Wochenende angesetzt. Mit dem Leitsatz „Gemeinsam leben, gemeinsam feiern“ nutzte man die „Elschbächer Nationalfeiertage“ um beispielsweise mit Bierdeckeln auf die Landtagswahl aufmerksam zu machen. Feiernde konnten die „Schobbedeckel“ auch nutzen, um persönliche Botschaften abzugeben und diese samt eines Selfies an das Projektteam zu schicken. „Es gingen Botschaften wie ,Demokratie rockt’ oder ,Demokratie braucht Stimme’ ein; alle Botschaften sind auf unserer Vereinshomepage nachzulesen“, sagt SGE-Vorsitzender Wolfgang Schroth.

Auch der radelnde Pfarrer legte einen Stopp am Infostand ein – Martin Diehl im Gespräch mit SGE-Boss Wolfgang Schroth.

Des Weiteren konnten Besucher in den teilnehmenden Kerbhöfen Stempel und Buttons insgesamt sieben Sprachen sammeln. „Das Sammeln der Stempel und Buttons sollte die gesellschaftliche Vielfalt in unserer Gemeinde reflektieren, als Anreiz nahmen komplett abgestempelte Bierdeckel an einem Gewinnspiel teil“, resümiert Timo Kurth, Sprecher der Kerbgemeinschaft.

Am Wochenende nach der Kerb trug die Initiative ihr Motto „Mach mit – du hast die Wahl!“ auf den Wochenmarkt. „Darauf waren wir besonders gespannt“, verrät Geiß. Berichten könne er von durchweg positivem Echo auf das Vereinsengagement – „angereichert war es mit Prisen von Frust und Verärgerung und einer großen, großen Portion Unwissenheit“. So habe er ein ums andere Mal den Satz zu hören bekommen: „Dass es eine Verfassungsänderung gibt, wusste ich gar nicht.“

„Wir haben darauf mit jeder Menge Infomaterial zu den 15 abzustimmenden Verfassungsänderungen reagiert und die Leute haben es uns zum Beispiel damit gedankt, dass sie sich mehr Zeit nahmen als normalerweise beim einkaufen üblich“, konstatiert Geiß. „Es gab aber auch Reaktionen, dass das Wählen grundsätzlich sinnlos sei und man mehr für Egelsbach tue, wenn man hier ringsum den Müll aufsammelt. In diesen Fällen haben wir versucht, die abstrakte Politik ganz konkret in ihren Auswirkungen auf den Egelsbacher Lebensalltag herunterzubrechen.“

Generell habe sich der Aufwand gelohnt, sind Geiß & Co. überzeugt. „Wir sind wie erhofft mit richtig vielen Leuten ins Gespräch gekommen, es wurde hitzig und doch freundlich und offen diskutiert“, schildert Geiß. Ein sichtbares Zeichen der Aktivität ist die Fotowand mit der Überschrift „Ich stehe für …“. „Sie hat sich im Lauf des Vormittages mit individuellen Werten der Besucher gefüllt – Respekt, Gerechtigkeit, Solidarität, Integration, Gemeinschaft und vieles mehr steht da zu lesen – eben all das, wofür auch unsere Vereine mit ihren Leitbildern stehen“, bilanziert Geiß.

Wer sich lieber körperlich für die Demokratie einsetzen wollte, konnte für seine Werte an der Torwand kicken oder bei der SGE-Boxjugend professionell im Ring die Fäuste schwingen. So gab auch Bürgermeister Tobias Wilbrand den Sparringspartner und boxte in parteigrünen Handschuhen für Jugendrechte. Mit der detaillierten Auswertung der Kampagne sind die Vereine noch immer befasst – „wir treffen uns dazu wieder in der kommenden Woche“, verrät Thomas Geiß.

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