Irma Velasco hat eine Vorliebe für kräftige Farben

Ersatzsonne bei tristem Wetter

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Die Öl- und Acrylmalerei haben es Art People Irma Velasco angetan, wie bei diesem Porträt der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Bei Aquarellen seien ihr hingegen die Farben zu blass.

Egelsbach - In unserer Sommerserie stellen wir nach und nach die Langener Art People vor – einen „bunten Haufen“ aus 18 Künstlern aus sieben Nationen. Von Sina Beck

Die in Egelsbach wohnende Künstlerin Irma Velasco ist sehr weit von ihrer Heimat entfernt: Fast 9000 Kilometer Luftlinie trennen sie von ihrer Heimatstadt Bucaramanga. Eigentlich hatte die Kolumbianerin ihr Land verlassen, um nach Spanien auswandern, aber das sollte nur ein kurzer Zwischenstopp bleiben.

Denn wie das Leben so spielt, kam es anders als gedacht. Und wer ohnehin den Atlantik überquert hat, um nach Europa zu gehen, der kann für die Liebe auch noch den Katzensprung nach Deutschland wagen. Dass Velasco heute Teil der Künstlergruppe ist, ist genau genommen amourösen Umständen zu verdanken. Mit dem Ziel, die Lebensqualität für sich und ihren erstgeborenen Sohn zu verbessern und eine feste Arbeitsstelle zu finden, hatte die gelernte Sekretärin ihre Auswanderung nach Europa geplant – aber nicht Deutschland im Sinn. Die Papiere für Spanien waren bereits beantragt, als sie 2004 noch in Kolumbien Francisco kennenlernte. Von einem Urlaubsflirt kann keine Rede sein, vielmehr war es „Liebe auf den ersten Blick“, wie das Paar erzählt. Und dann ging es Schlag auf Schlag: Im März 2005 kam Velasco – zunächst ohne Familie – nach Spanien, zog drei Monate später weiter nach Deutschland und im November feierten die beiden dort schon Hochzeit.

Ihr sonniges Gemüt hat Velasco unbestreitbar mit in ihre Wahlheimat Egelsbach gebracht. Die Gemälde, die in ihrer Wohnung hängen, sprechen Bände: Fröhliche und intensive Farben, wohin das Auge blickt. „Ich mag starke Farben“, bestätigt die dreifache Mutter, die seit Kindergartentagen eine Schwäche fürs Malen hat. Sehr zum damaligen Leidwesen ihrer Erzieher, wie sie lächelnd zugibt: „Ich habe im Unterricht immer gemalt und damit die Lehrer verärgert.“ Während sie in Kolumbien Tinte und Feder als Werkzeuge zur Hand nahm, hat sie in Deutschland die Ölmalerei für sich entdeckt – bevor sie 2013 Mitglied der Art People wurde.

Die erste Zeit nach ihrer Ankunft in Deutschland war für die Kolumbianerin in so mancher Hinsicht ein Kulturschock. „Es war eine fremde Kultur mit einer fremden Sprache und mir hat die familiäre Wärme sehr gefehlt“, erinnert sie sich. Auch das „Temperament“ der Deutschen war gewöhnungsbedürftig: „Die Leute hier sind viel strikter und organisierter. Bei uns sind die Kinder einfach raus zum Spielen gegangen, aber hier muss man erst die Terminpläne miteinander abstimmen“, sagt sie lachend. Zudem hat Velasco zu Beginn ihre Familie sehr vermisst, denn erst 2009 kamen ihr Sohn und ihre Mutter nach.

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Heute hat sich Velasco eingelebt und gelernt, sich mit dem Wetter zu arrangieren. Wenn der deutsche Winter trist und graue Einzug hält, wirkt die Künstlerin entgegen: „Ich brauche meine Sonne.“ Die holt sie sich mit ihren bunten Gemälden in die Wohnung. Rund 30 Bilder im Stile des Pointillismus hat sie bereits gemalt, seit sie in Deutschland ist. Bis zu einem Monat kann es dauern, bis sie ein Kunstwerk abgeschlossen hat, denn zum Malen kommt sie nur abends, wenn die drei Kinder – in Deutschland hat sich die Familie um ihren zehnjährigen Sohn und die fünfjährige Tochter vergrößert – im Bett sind. Diese Ruhezeit ist Velascos Kreativzeit, dann steht sie bis zu vier Stunden lang an der Staffelei.

Porträts, Stillleben oder bunte Blumen: Bei der Motivwahl ist Velasco ebenso flexibel wie bei ihren Arbeitsgeräten. So verwendet sie schon mal Zahnstocher, um die gepunkteten Farbakzente zu setzen. Experimentierfreudig ist die Ölmalerin, derzeit probiert sie sich an Acryl. Der Versuch mit Aquarell war gescheitert: „Das war nicht so meins, weil mir die Farben zu blass sind.“ Das künstlerische Schaffen ist für Velasco ein Ausgleich zum Alltag, der Geduld erfordert, denn bis Ölfarbe trocknet, dauert es lange. „Aber Malen entspannt und macht mich glücklich“, sagt Velasco, die sich die Wartezeit vor der Staffelei gerne mit Musik vertreibt. Denn weitere Leidenschaften von ihr sind das Singen und Tanzen, wobei sie sich – man mag es ahnen – den Salsa-Rhythmen verschrieben hat. Das macht gute Laune, die sich in den fröhlichen Farben ihrer Bilder wiederfindet.

Ihre Lebensfreude überträgt die Künstlerin auf die Leinwand. Nachdem sie im vergangenen Jahr mit Kind und Kegel einen vierwöchigen Urlaub unter kolumbianische Sonne verbracht hat, konnte sie diese wieder mit in die neue Heimat bringen.

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