Luft ist nicht Nichts

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Richtig klasse fanden die Egelsbacher Grundschüler es, im Naturwissenschaftsraum der Reichwein-Schule mit Achtklässlern zu experimentieren.

Langen/Egelsbach - Naturwissenschaftlicher Unterricht kann schon in frühen Schuljahren auf locker-unterhaltsame Weise Erfolge zeitigen – eine nicht alltägliche Kooperation zwischen der Adolf-Reichwein-Gesamtschule und der Egelsbacher Wilhelm-Leuschner-Grundschule macht’s vor.

Luft ist nicht Nichts. Aber sie kann trotzdem spannende Zustände annehmen – und bewirken. Das wissen die Zweitklässler der Wilhelm-Leuschner-Schule (WLS) seit ihrem Besuch an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS). Die Idee, einen altersübergreifenden lehrreich-spannenden Naturwissenschaftstag auf die Beine zu stellen, hatte Esther von Estorff, Oberstudienrätin an der ARS. Sie ist Dozentin für Lehrerausbildung an der Technischen Universität Darmstadt und Mutter eines WLS-Zweitklässlers.

Abgesehen vom Ausprobieren spannender Experimente zum Thema Luft, die Schüler der Klassen 8aG und 8cG ausgetüftelt und vorbereitet hatten, erhielten die Egelsbacher Grundschüler eine leicht verdauliche Heranführung an wissenschaftliches Arbeiten. Dass sie sich dabei weder überfordert noch gelangweilt fühlten, konnten Lehrkräfte und ältere Schüler an der Neugierde und Begeisterung ablesen, mit denen die Zweitklässler Blütenstaub-Explosionen oder Brause-Raketenstarts und erst recht mit Flüssig-Stickstoff hergestelltes Erdbeereis genossen. Selbst eine komplette Lehrerin kann durch Luft getragen werden – das belegte das Luftmatratzen-Experiment eindrucksvoll.

Ein Knüller des Praxisteils: die Blütenstaub-Explosion.

„Auch den trockenen Teil der wissenschaftlichen Arbeit, wie das Schreiben eines Versuchsprotokolls, haben die Kinder mit ihren Mentoren aus den achten Klassen ohne Probleme eigenständig hinbekommen“, bilanziert von Estorff. Das Kooperationsprojekt zeige, dass chemische Vorgänge schon im Sachunterricht der Grundschule verankert werden könnten und womöglich so schon frühzeitig nachhaltiges Verständnis für Naturwissenschaften geschaffen werden könne. „Schon einfache Erkenntnisse, wie dass warme Luft nach oben steigt, stellen für die Kleinen direkten Bezug zur Lebenswelt her. Darüber hinaus erwähnenswert sind erste angebahnte Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten wie das bereits erwähnte Verfassen eines Versuchsprotokolls oder die Unterscheidung von Behauptung und Beobachtung.“

Natürlich sollten auch die Achtklässler von dem Projekt profitieren. „Das für dieses Alter typische Abflachen des Interesses an Naturwissenschaften soll mit der Methode ,Lernen durch Lehren’ durchbrochen werden“, plaudert die Lehrerin aus dem didaktischen Nähkästchen. Tatsächlich habe sich der Erfolg direkt in einer positiven Entwicklung der Leistungskontrollen der Gymnasiasten gezeigt. „Vor allem ist aber auch der hohe persönliche Einsatz unserer Achtklässler zu loben, die selbst als der Rest der Schule hitzefrei hatte, eifrig mit den Grundschülern weitergearbeitet haben“, so von Estorff.

Profiteure sind ferner die Lehramtsstudierenden der TU Darmstadt. Das übergreifende Projekt soll in einem Didaktik-Seminar aufgearbeitet werden und in die Arbeit der zukünftigen Lehrer einfließen. „Alles in allem sind große und kleine Kinder, Eltern und Lehrer von dem ,luftigen Projekt’ überzeugt und hoffen, dass die Pilotveranstaltung eine Fortsetzung findet“, bilanzieren die Organisatoren.

hob

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