Rathaussturm in Egelsbach

Kampagne hat ihre Galionsfiguren

+
Prinz Andreas II. und Prinzessin Marion I. – mit bürgerlichem Namen Marion und Andreas Dörner – schwingen nun das von KGE-Ministerpräsident Michael Lama überreichte Zepter.

EgelsBach - Jawoll, jetzt kann’s richtig losgehen; seit gestern ist die Narrenschar nicht mehr regentenlos. Nachdem der Rathaussturm vollbracht war, sind Prinz Andreas II. und Prinzessin Marion I. als 63. Prinzenpaar der Karneval-Gesellschaft Egelsbach inthronisiert worden. Von Holger Borchard

Das bestgehütete Geheimnis der Kampagne ist keines mehr: Prinz Andreas II. und Prinzessin Marion I. – mit bürgerlichem Namen Marion und Andreas Dörner – schwingen bis einschließlich Faschingsdienstag, 12. Februar, dem Tag des großen Umzugs durch den Ort, das närrische Zepter.

Wie es sich für Tollitäten von edlem Schlag geziemt, können seine Hoheit und ihre Lieblichkeit mit aussagekräftigen Titeln aufwarten: „Graziler Großherzog im Tütü, Königliche Hoheit und Herrschender über Licht und Ton“, lautet der Beiname des in Langen aufgewachsenen Prinzen, der seine Brötchen als „Full-Service“-Dienstleister für Veranstaltungstechnik von großen und kleinen Events verdient. Marion I., die als Bürokauffrau bei der Sparkasse Darmstadt und freiberuflich als Physiotherapeutin für Hunde und Pferde arbeitet, ist die „Kurfürstin auf zwei Rädern über Stock und Stein, hochwohlgeborene Pferdeflüsterin aus dem Elschbächer Westen.“

Die 1963 geborene Prinzessin und ihr sechs Jahre jüngerer Prinz haben ihre ersten Fastnachtsmeriten in Dieburg verdient, wo Marion lange Jahre lebte. Weil sie dort über Jahre in der Reitergarde aktiv war und 1999 sogar als Prinzessin über die Dieburger Narren herrschte, engagierte sich Andreas ebenfalls über mehrere Jahre aktiv in der dortigen Fastnacht. Seit 2011 ist er eine Augenweide im Männerballett der KGE. Die Regenten sind begeisterte Motorradgeländesportler und Taucher. Seit 2007 leben sie gemeinsam in Egelsbach. Geheiratet haben sie im Jahr 2000 – nach einem Heiratsantrag während eines Tauchgangs auf den Malediven ...

Der Inthronisierung der Tollitäten war einmal mehr ein wort- und listenreiches Gefecht um Rathaus-Einzug und närrische Oberhoheit im Ort vorausgegangen – diesmal freilich witterungsbedingt im beschleunigten Verfahren: Als KGE-Ministerpräsident Michael Lama um Punkt 15.11 Uhr im Eisregen die närrischen Garden in Marsch setzte und die KGE-Kanoniere die Respekt einflößenden Kanonen Berta und Klammer in Stellung brachten, setzte ekliger Eisregen ein. Dies und die Aussicht auf Geschützmündungen schienen die Schar der Verteidiger durchaus gesprächsbereit zu machen. Was der Aufzug denn solle und was man wolle, fragte der neue Rathaus-Kommandant Jürgen Sieling den KGE-Ministerpräsidenten. Lama erwiderte, dass er und die Seinen Einlass in die Verwaltungsburg und letztlich vorübergehende Regierungsgewalt begehrten. Das fand das „Greenhorn“ am Rathausfenster erst mal nicht so prickelnd. Nach kurzem, aber heftigem Schlagabtausch mit Kanonen und Gewehren zauberte „KGE-Odysseus“ Lama sodann ein typisches Danaer-Geschenk hervor, das den Weg in die Verwaltungsburg bahnen sollte. Zwei Gardemädchen überbrachten dem Bürgermeister das gut verpackte Geschenk, der öffnete es – und eine weiße Fahne entrollte sich. Als der Rathaus-Chef Lama & Co. freundlich damit zuwinkte, war alles klar: Die Verteidiger ergaben sich, die Jokus-Jünger jubilierten – der Weg ins wesentlich gemütlichere Rathausinnere war frei.

Rathaussturm in Egelsbach: Bilder

Narren stürmen Rathaus

Die „Friedensverhandlungen“ waren wie üblich in ein buntes Programm mit Tanz, Musik, Ordensverleihung und Schlüsselübergabe eingebettet. Die Narren wurden aufs Prinzenpaar vereidigt, das traditionell die elf närrischen Paragraphen zur Kampagne unter dem Motto „Mit dem Traumschiff um die Welt – grad, wie es uns gefällt“ verkündete. Zur Regierungserklärung gab es einen Schneeschieber für Jürgen Sieling. „Da es im Elschbächer Westen mit der Schneeräumung nicht so gut läuft“ und er nun genug Zeit habe, könne der Bürgermeister Selbiges bis Aschermittwoch vor ihrem Domizil Im Bruch erledigen, so die Majestäten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare