Verlegung nach Langen?

Anwohner verhindern beliebtes Rock-Open-Air

Alte Hasen: Watch Me Rise waren bereits mehrfach bei Raus ausm Keller dabei - jetzt ist das Festival in Egelsbach abgesagt.
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Alte Hasen: Watch Me Rise waren bereits mehrfach bei Raus ausm Keller dabei - jetzt ist das Festival in Egelsbach abgesagt.

Anwohner verhindern das beliebte Rock-Open-Air „Raus ausm Keller“ in Egelsbach. Wird es jetzt nach Langen verlegt?

Egelsbach – Vergangenes Jahr feierte das Festival „Raus ausm Keller“, das seit 2015 jährlich vom Verein für Jugendsozialarbeit und Jugendkulturförderung Rhein-Main in Egelsbach veranstaltet wird, seinen fünften Geburtstag. Die Jubiläumsausgabe konnte sogar mit Besucherrekord und Bürgermeister Tobias Wilbrand als Schirmherr punkten. Nun ist die Ernüchterung bei allen Beteiligten sehr groß: Die sechste Ausgabe des Festivals wird dieses Jahr nicht stattfinden.

Der bisherige Veranstaltungsort, die Wiese neben dem Bürgerhaus am Berliner Platz, steht dem Verein nicht mehr zu Verfügung. „Aus lärmschutzrechtlichen Gründen können wir unser Raus-ausm-Keller-Festival dort 2020 leider nicht veranstalten“, erklärt Robert Hoppe, stellvertretender Leiter des vom Verein betriebenen Jugendzentrums.

Nach der letzten Ausgabe im August 2019 gingen beim Verein Beschwerden ein. „Schon am Abend des Festivals rückte die Polizei einmal an, da sich ein Anwohner wegen Ruhestörung beschwert hat.“ Man zeigte den Beamten alle Genehmigungen und konnte friedvoll weiterfeiern. Für das Konzert in diesem Jahr gab es allerdings schon weit im Vorfeld Probleme.

„Zuerst kamen die Leute mit ihren Beschwerden direkt zu uns. Dann gingen auch lautstarke Proteste gegen das Festival bei der Gemeinde ein“, erläutert Florian Guntrum, pädagogischer Leiter des Juz. Es sei etlichen Anwohnern 2019 zu lange zu laut gewesen und sie wollen nicht, dass das Festival 2020 wieder im Ausmaß des vergangenen Jahres auf der Bürgerhauswiese stattfindet. „Für zwei Stunden Livemusik lohnt es sich andersrum für uns nicht, ein Fest dieser Größe auf die Beine zu stellen“, so Vereinsvorsitzender Daniel Myga.

Der Bürgermeister und die Gemeinde hätten über Wochen hinweg schlichtend agiert und in vielen Gesprächen versucht, eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden – allerdings ohne Erfolg. „Uns wurde letztendlich damit gedroht, dass die Einhaltung der Ruhe zur Not eingeklagt wird“, erzählt Guntrum traurig. „Dieses Risiko können wir nicht tragen, vor allem nicht finanziell. Wir haben uns deshalb schweren Herzens dazu entschieden, das Festival in diesem Jahr nicht zu veranstalten.“

Dabei hätte für die Ausgabe 2020 alles so gut laufen können. „Uns haben bereits zig Bands angeschrieben“, freut sich Hoppe über die positive Resonanz der letzten Festivalausgaben. „Unsere Sponsoren haben uns erneute Unterstützung zugesagt, unsere Ehrenamtlichen waren voller Tatendrang.“ Auch die Gemeinde habe den Verein vergangenes Jahr stärker denn je unterstützt. „Wir waren guter Dinge, dass es auch dieses Jahr wieder so laufen wird“, so Guntrum.

Einzelinteressen der Anwohner jedoch machten den Organisatoren nun schon weit im Voraus einen Strich durch die Rechnung. „Tobias Wilbrand und die Gemeinde haben versucht, uns einen alternativen Veranstaltungsort zu organisieren“, ergänzt Robert Hoppe. Der Verein sei auch mit Verantwortlichen in anderen Städten im Gespräch für einen neuen Ort gewesen, zum Beispiel in Langen und Neu-Isenburg. „Mittlerweile ist aber einfach die Zeit zu knapp geworden“, erklärt er. „Selbst wenn wir in zwei Wochen die Zusage für eine Location und Ressourcen bekommen, kämen wir in arge Bedrängnis, was die Zeitplanung betrifft.“

Die Absage sei insbesondere schade für die ehrenamtlichen Helfer, die dem Raus-ausm-Keller-Festival über fünf Jahre einen Namen über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinweg gemacht haben. „Es steckt so viel Arbeit und Herzblut in unserem Festival, dass die Absage unsere Vereinsmitglieder und Helfer tief getroffen hat“, bedauert Guntrum die unumgängliche Entscheidung.

Nun heiße es aber durchatmen und nach vorne blicken. „Wenn es dieses Jahr schon nicht klappt, dann setzen wir wenigstens alles daran, 2021 wieder mit dem Festival durchstarten zu können“, so Vereinsvorsitzender Myga. Den Kopf in den Sand zu stecken, sei keine Option. Dazu müsse zuallererst ein geeigneter Veranstaltungsort gefunden werden. „Wenn unser Festival von seinem Zuhause verdrängt wird, dann suchen wir ihm ein neues. Aufgeben werden wir es nicht.“

VON JULIA LOTZ

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