Zukunftsfiktion mit Egelsbacher Handschrift

Endzeit-Serie steht vor der Ausstrahlung

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Im Studio vor grünem Hintergrund gibt Christian Stadach letzte Regieanweisungen.

Egelsbach - Für zwei Dutzend beeindruckende Filmminuten hat der Egelsbacher Thomas Meudt mit zwei Kommilitonen etliche Monate an Arbeit investiert. Von Cora Werwitzke 

Die Drehtage, über die unsere Zeitung vergangenes Jahr bereits berichtete, waren dabei der geringste Aufwand; in langwieriger, bis ins letzte Detail perfektionierter Nachbearbeitung sind unter der Regie des Trios inzwischen drei kurze Episoden entstanden, die diesen Monat unter dem Serientitel „MEM“ im Internet zu sehen sein werden. Das Genre lässt aufhorchen: Thomas Meudt (26), Stephan Zimmermann (27) und Christian Stadach (32) haben einen postapokalyptischen Western geschaffen, der in der Antarktis des 24. Jahrhunderts spielt. In lebensfeindlichem Kontext entfaltet sich eine eiskalte Zukunftsfiktion.

Rückblick: Anfang letzten Jahres nimmt das Filmprojekt, das den drei Studenten ihren Master-Abschluss im Studiengang Media Direction an der Hochschule Darmstadt bescheren wird, konkrete Formen an. Im April 2013 fällt die erste Klappe in einer stillgelegten Papierfabrik im Darmstädter Stadtteil Eberstadt. Dort spielen die Schauspieler in einem Außen-Set mit Kunstschnee und Green-Screen, einem Zelt und einem Salon als Kulisse. „Dazu kam ein Drehtag auf der Wasserkuppe“, erzählt Meudt. „Dort sind auch Aufnahmen mit einem Filmwolf entstanden – unter Aufsicht des dazugehörigen Trainers.“

Die Finanzierung bewältigten die drei Studenten, die sich nach ihrem Abschluss inzwischen mit der Medienproduktionsfirma Tag & Nacht Media selbstständig gemacht haben, mithilfe lokaler Sponsoren, durch die Aufopferung privater Ersparnisse und Crowdfunding: Im Internet kam die Idee so gut an, dass sich etliche Kleinstinvestoren fanden, die das Projekt mitfinanzieren – „dabei wurde unser angestrebtes Ziel von 5000 Euro noch übertroffen“, berichtet der Egelsbacher. Beim Dreh konnte das Trio auf weitere Kommilitonen zählen, „so war ein professionelles Team am Set garantiert“, skizziert Meudt, der unter dem Künstlernamen TomFlow auch als Musiker aktiv ist. Das besondere Genre machte Schauspieler wie Andreas Berg oder Christoph Stein neugierig. Bereits während der Dreharbeiten erzeugte die Produktion großes Medieninteresse – unter anderem bei Sat.1 und RTL Hessen.

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Die Veröffentlichung des Dreiteilers – je Episode sieben bis neun Minuten – war ursprünglich früher geplant. „Aber weil wir unserem Ziel möglichst nahe kommen wollten, die Filme auf Kino-Niveau zu verwirklichen, dauerten die Arbeiten daran bis jetzt an“, so Meudt. Im Einzelnen war das Trio damit beschäftigt, die Hintergründe in den vor Grün gedrehten Szenen auszutauschen, Geräusche aufzunehmen, den Sound zu entwerfen, Musikkompositionen und Videoeffekte einzubauen und den Bilderfluss zu perfektionieren. Der Mann fürs Visuelle war dabei Christian Stadach, während Thomas Meudt und Stephan Zimmermann die Sound-Experten im Team sind.

Nach all den Monaten läuft jetzt endlich der Countdown zur Veröffentlichung: Über den Cinenet Deutschland-Kanal wird „MEM“ kostenlos auf Youtube publik gemacht. Der Termin für die erste Folge ist der 13. Dezember, die Folgen zwei und drei werden jeweils eine Woche später ausgestrahlt. Zusätzlich gibt es eine Menge Making-of-Material, Interviews mit den Schauspielern und im Vorhinein zwei kurze Filmsequenzen als Appetitanreger und einen Trailer. Die beiden Anreißer („Teaser“) sind schon jetzt auf Youtube abrufbar. Nach den Worten von Thomas Meudt soll die Veröffentlichung nicht das Ende des Antarktis-Westerns bedeuten. Nach der Bewilligung einer Drehbuchförderung durch den Hessischen Rundfunk planen die drei Macher schon mit weiteren, dann auf eine halbe Stunde ausgedehnten Web-Episoden.

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