Unterkunft für 60 bis 70 Asylbewerber

Flüchtlingshilfe pachtet Altenwohnheim

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Das direkt neben der Egelsbacher Feuerwehr gelegene Altenwohnheim soll zur Flüchtlingsunterkunft werden. Die Gemeinde will es an die Flüchtlingshilfe CFEE verpachten.

Egelsbach - Die kommunale Altenwohnanlage in der Dresdner Straße wird komplett zur Flüchtlingsunterkunft. Nachdem dort bereits etliche Asylbewerber untergebracht sind, will die Gemeinde nun das ganze Gebäude an die Flüchtlingshilfe verpachten. Von Markus Schaible 

Für die noch dort lebenden Senioren werden andere Wohnungen gesucht. Die Aufgabe ist für alle Kommunen gleich und stellt viele vor große Schwierigkeiten: Angesichts der aktuellen Krisen ist auch die Gemeinde Egelsbach in der Pflicht, eine zunehmende Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen und ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Laut aktuellen Prognosen wird uns der Kreis ab 2015 jährlich etwa 40 bis 60 Personen zur Unterbringung und Betreuung zuweisen“, erklärt Bürgermeister Jürgen Sieling: „Dies ist eine enorme Aufgabe und zugleich eine gewaltige Verantwortung.“

In diesem Jahr sind bereits 15 Personen in Egelsbach untergekommen. Betreut werden sie vom erfahrenen Team der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach-Erzhausen (CFEE), die seit über 25 Jahren eine Unterkunft mit rund 40 Plätzen im Geisbaum 1a unterhält. Da diese aber nicht ausreicht, war schon seit einiger Zeit klar, dass weitere Kapazitäten geschaffen werden müssen. Zwei Alternativen standen zur Debatte: zum einen der Kauf der Immobilie Geisbaum 1b, zum anderen die Nutzung des Altenwohnheims als Flüchtlingsunterkunft.

Unterbringung von Flüchtlingen

Für den Kauf des teilweise leer stehenden Hauses Geißbaum 1b (in dem früher Jako-Sport war) müsste die Gemeinde 1,2 Millionen Euro bezahlen, Nebenkosten und Umbau werden auf 780.000 Euro geschätzt. Allerdings, so Sieling, sei es nicht besonders geeignet für die Unterbringung von Flüchtlingen. Da es aber weder passende kommunale Grundstücke für die notwendigen baurechtlichen und aufgabenspezifischen Anforderungen gebe noch sich eine andere finanzierbare private Liegenschaft fand, seien die Kaufverhandlungen weitergeführt worden. In der Zwischenzeit sind allerdings „schnell und unbürokratisch“ Flüchtlinge in leer stehenden Wohnungen der kommunalen Altenwohnanlage in der Dresdner Straße untergebracht worden. „Uns war schnell klar, dass diese Mischung von Flüchtlingen und älteren Bewohnern keine Dauerlösung sein kann“, so Sieling. Und damit rückte auch diese Immobilie bei der Suche in den Fokus.

Der Gemeindevorstand und die Fachausschüsse haben sich nun einstimmig für die Verpachtung des Gebäudes an die CFEE zur dauerhaften Nutzung als Flüchtlingsunterkunft ausgesprochen. „Wir möchten das Gebäude mit eigenen Finanzmitteln sanieren und umbauen. Am Ende wollen wir eine Kapazität von etwa 60 bis 70 Plätzen zur Verfügung stellen“, erläutert CFEE-Mitgeschäftsführer Stefan Buckendahl die Pläne. „Und wir sind uns mit den politischen Gremien einig, dass kein Bewohner vor die Tür gesetzt wird und wir ebenso mit der Nachbarschaft Gespräche führen müssen, um etwaigen Sorgen und Befürchtungen rechtzeitig begegnen zu können.“

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Da das Gebäude mit seinen rund 20 Einheiten bereits seit Jahren sanierungsbedürftig ist, wurden frei werdende Wohnungen seit Jahren nicht mehr belegt. Insbesondere Fassade und Fenster müssten erneuert werden, auch gibt es keinen Aufzug. „Als Altenwohnanlage ist das Gebäude eigentlich auf Dauer nicht nutzbar“, so Sieling. Massive Investitionen wären erforderlich, sind aufgrund der schlechten Finanzlage der Gemeinde aber nicht absehbar. Aus diesem Grund bestehe bereits seit 2008 ein Verkaufsbeschluss der Gemeindevertretung. Momentan wohnen noch neun Senioren in der kommunalen Einrichtung. Gemeinsam mit den Pfarrern Martin Diehl und Tobias Geeb wird Sieling sie heute Vormittag aufsuchen. „Es müsste zu schaffen sein, für neun Personen besseren Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, sagt der Bürgermeister angesichts der erheblichen Mängel der Anlage.

Sieling stellt aber klar: „Es werden nicht Flüchtlinge gegenüber Senioren bevorzugt. Die Aufgabe, uns um angemessenen Wohnraum für unsere Bewohner zu kümmern, stellte sich schon seit Langem. Nun sind wir gezwungen, zu handeln.“ Ob das Altenwohnheim als zweite Flüchtlingsunterkunft auf Dauer ausreicht, müsse sich zeigen. „Dank der guten Arbeit der Flüchtlingshilfe haben die Asylbewerber bei uns aber relativ kurze Durchlaufzeiten“, weiß der Bürgermeister. Somit müsse die Gemeinde nicht so große Ressourcen vorhalten. ‹ Die Verpachtung des Altenwohnheims steht heute (19 Uhr, Rathaus) auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Den Vorschlag, das Haus Geißbaum 1b zu kaufen, wird Bürgermeister Jürgen Sieling zurückziehen.

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