Arheilgen und Darmstadts Norden machen mobil

Fluglärm: Droht neues Ungemach am Himmel?

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Kundgebungsteilnehmer am Flughafen Frankfurt bei einer Demo gegen Fluglärm.

Egelsbach - Eine altbekannte Auseinandersetzung um Flugrouten wird aus dem Darmstädter Norden neu befeuert. Dort fordert man die Verlegung der Abflugroute „Amtix“ (ehemals bekannt als „König kurz“), die vom Frankfurter Flughafen über Darmstadt führt. Von Holger Borchard 

Würde dies geschehen, müssten die Menschen in Wixhausen, Erzhausen und wohl auch in Egelsbach zusätzlichen Fluglärm in Kauf nehmen. Kein Wunder also, dass man von Wixhausen bis Egelsbach mit Argusaugen verfolgt, was sich – vehement angeschoben von der Interessengemeinschaft Arheilger Bürger (IGAB) – in der Abflugrouten-Thematik tut. Fakt ist: Die Nord-Verschiebung der Amtix-Route, also näher auch an Egelsbach heran, wurde schon vor fünf Jahren in der „Allianz für den Lärmschutz 2012“ als zu prüfende Option formuliert. Seither ist das „Expertengremium Aktiver Schallschutz“ beim Forum Flughafen und Region, dem früheren Dialogforum, mit der Prüfung befasst. Hält das Gremium die Verlegung für sinnvoll, realisierbar und Potenzial zur Lärmvermeidung bietend, könnte sie Teil eines zweiten Maßnahmenpakets „Aktiver Schallschutz“ werden, dessen Vorstellung noch für 2017 avisiert ist.

Was treibt die IGAB um? Sie fordert die Stadt dazu auf, sich explizit für die Entlastung des stark fluglärmgeplagten Darmstädter Nordens durch Verlegung der „Amtix“-Route einzusetzen. Diese wird von Maschinen geflogen, die auf der Startbahn 18 West starten. Sie führt zunächst südlich, knickt bei Arheilgen östlich ab und ist überproportional frequentiert. Gut ein Viertel der Abflüge wird über diese Route in Richtung des Funkfeuers „König“ östlich von Bad König abgewickelt.

Der Ansatz: Verschiebung der „Amtix“-Route um knapp drei Kilometer nach Norden, in den noch unbebauten Korridor zwischen Wixhausen und Erzhausen. Das würde Arheilgen, Kranichstein und dem Norden Darmstadts die erhoffte Reduzierung der Lärmemissionen bescheren. Im Gegenzug würden allerdings Wixhausen, Erzhausen, Egelsbach und Mörfelden-Walldorf mit mehr Fluglärm zu rechnen haben.

Weiter südlich schlägt das, was da am Himmel drohen könnte, bereits Wellen. So hat Erzhausen einen Arbeitskreis „Verlegung Amtix kurz“ initiiert, der am 10. März erstmals tagte und sich diesen Freitag (24.) erneut trifft. Dass weite Teile Erzhausens zur Höchstbelastungszone mit Dauerschallpegeln von 55 Dezibel und mehr werden könnten, sei aus Sicht der Kommune keinesfalls hinzunehmen – man werde sich „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ dagegen wehren, teilt die Gemeindeverwaltung mit.

100. Montags-Demo im Flughafen

Aus Egelsbacher Warte hält Bürgermeister Jürgen Sieling Aufmerksamkeit, aber noch keinen Aktionismus für angezeigt. „Alles, was man hört, ist im Konjunktiv. Ich habe mich mit dem Erzhäuser Amtskollegen Seibold kurzgeschlossen; unsere Anfragen beim Regierungspräsidium und bei der ,großen‘ Fluglärm-AG am Frankfurter Flughafen vom Februar haben ergeben, dass abgesehen von der hinlänglich bekannten Theorie nichts Neues vorliegt.“

Einig sei man sich von Egelsbacher und Erzhäuser Seite, das Amtix-Thema in der Fluglärm-AG am Rhein-Main-Airport zur Sprache zu bringen. Die tagt 2017 zweimal, nämlich am 18. April und 4. November. „April ist zu kurzfristig; wir wollen es für den Herbst auf die Agenda setzen lassen“, sagt Sieling. Sein Hinweis: „Sollte sich was ändern, dann wohl kaum nur auf einer Route. Insofern dürfte ein Gesamtgeflecht zu betrachten sein, um die Folgen beurteilen zu können.“ Im Vorgriff will der Rathauschef nun die politischen Gremien informieren – „es gibt ja auch schon eine Anfrage der Grünen“ – und das weitere Vorgehen abstimmen. Vor allem will Sieling auch die Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft-Egelsbach (Flag-E) ins Boot holen. „Ich werde den Vorsitzenden Günther de las Heras um Einschätzung bitten und ihm nahe legen, Kontakt zum Erzhäuser Arbeitskreis zu knüpfen.“

Bundesweite Demos gegen Flughafen-Lärm

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