Verzwickte Interessenlage

Flugplatz Egelsbach: Diskussion um Fluglärm – „Mit kleinen Schritten“ zur Besserung

Das Thema Fluglärm durch den ansässigen Flugplatz beschäftigt Egelsbach. Doch die Interessenlage ist gespalten.
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Das Thema Fluglärm durch den ansässigen Flugplatz beschäftigt Egelsbach. Doch die Interessenlage ist gespalten.

Bürgermeister Tobias Wilbrand hat Vertreter des Flugplatzes sowie aus der Politik zu einer virtuellen Konferenz geladen, um über den Fluglärm in Egelsbach zu sprechen.

Egelsbach – Inzwischen hat es im Ort wohl jeder mitbekommen: Der Fluglärm in Egelsbach – insbesondere der vom eigenen Flugplatz kommende – hat deutlich zugenommen. In der Pandemie haben offensichtlich viele Menschen ihren Traum vom Fliegen wiederentdeckt und mit einer Ausbildung zum Erwerb einer Fluglizenz begonnen. Die ansässigen Flugschulen haben viel zu tun, was zu einem deutlichen Anstieg der Flugbewegungen geführt hat – und somit auch zu mehr Lärm.

Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) hat deshalb Vertreter des Regierungspräsidiums Darmstadt, des Hauptgesellschafters der Flugplatzgesellschaft und der beiden betroffenen Kommunen zu einer Videokonferenz geladen, um in kleinem Kreis über Optionen zur Fluglärmreduzierung zu diskutieren. Bei dem fast zweistündigen Gespräch wurden verschiedene Themen diskutiert: von der besseren Erreichbarkeit des Bürgertelefons über eine laterale Eingrenzung der Einflugschneise bis hin zu strengeren Kontrollen und Sanktionierungen von Abweichungen.

Egelsbach im Landkreis Offenbach: Unterschiedliche Interessenlagen im Fall um den Flugplatz

Auch eine mögliche Ausweitung des Egelsbacher Modells, das in den Sommermonaten Ausbildungsflüge am Wochenende und abends einschränkt, auf alle Flüge am Wochenende und an Feiertagen kam zur Sprache. „Die Diskussionen waren kontrovers, aber konstruktiv“, fasst Wilbrand seine Eindrücke zusammen. Es gäbe nun mal unterschiedliche Interessenlagen, die man versuchen müsse, in Einklang zu bringen.

Claudia Lange, Bürgermeisterin von Erzhausen, wies auf die hohe Lärmbelastung für ihre Bürgerinnen und Bürger durch das sogenannte „Hovern“ (Schwebeflug) der Hubschrauber hin. Sie kritisierte, dass die diskutierten Ansätze noch keine konkreten Lösungen böten.

Dauerlärmpegel am Flugplatz Egelsbach darf 55 Dezibel nicht überschreiten

„Für den Flugplatz als öffentliche Verkehrsfläche existiert ein Planfeststellungsbeschluss, in dem sowohl das Egelsbacher Modell in seiner aktuellen Form wie auch Obergrenzen für Lärm und Flugbewegungen festgelegt sind. Solange der Dauerlärmpegel von 55 Dezibel beziehungsweise die Obergrenze von 100. 000 Flugbewegungen im Jahr nicht überschritten werden, können wir als Aufsichtsbehörde keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen oder fordern“, beschrieb Thomas Plich, zuständiger Dezernatsleiter beim Regierungspräsidium Darmstadt, die Situation aus Sicht seiner Behörde.

Auch der neue Haupteigner der umbenannten Firma Triwo bekundete sein Interesse an einem guten Verhältnis zu den Anwohnern. Peter Adrian, seit einem Jahr Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, wies aber auch auf die Grenzen im Entgegenkommen hin. „Der Flugplatz ist vergleichbar mit einer Straße oder einer anderen Verkehrsinfrastruktur. Da kann man ja auch nicht einfach sagen: Das waren jetzt genug Autos für heute, wir schließen die Straße. Darüber hinaus hat der Flugplatz in den vergangenen Jahren immer rote Zahlen geschrieben. Als Unternehmen müssen wir schon auch sehen, dass wir zumindest mal unsere Kosten wieder erwirtschaften“, so Adrian.

Flugplatz Egelsbach – Einschränkungen führen zu mehr Lärm

Simon Bock-Janning, Standortleiter in Egelsbach, ergänzte: „Außerdem muss davon ausgegangen werden, dass bei weiteren Einschränkungen immer mehr Verkehr in immer kürzerer Zeit abgewickelt werden muss. Das geht nicht nur zu Lasten der Sicherheit, sondern führt in diesen Zeiten auch zu noch mehr Lärm.“

Dennoch seien sich alle Beteiligten einig, dass es sinnvoll sei, im Gespräch zu bleiben, berichtet Wilbrand. Deshalb sollen neben den zwei im Jahr üblichen Sitzungen der Fluglärmkommission künftig auch Arbeitsgespräche im kleinen Kreis stattfinden. Aus Sicht von Egelsbach und Erzhausen erhoffe man sich davon, die Lärmsituation „mit kleinen Schritten“ verbessern zu können. (Manuel Schubert)

Ein bisschen berühmt: Der Flugplatz Egelsbach war bereits Drehort für eine Folge des Frankfurt-Tatorts.

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