Flugplatz beschert Grünen Topresultat

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Ein kollektives Aufstöhnen ging durch die SPD-Reihen in der Gaststätte „Zum Elias“, als Ortsvereinsvorsitzender Dieter Wolk das Wahlresultat verkündete.

Egelsbach - Es war hessenweit der Tag der Kleinen, aber in Egelsbach ganz besonders. Während Grüne und FDP die hervorragenden Resultate auf Landesebene noch toppten und bei der CDU zwar Freude, aber keine Euphorie herrschte, kannte der Wahlabend nur einen großen Verlierer: die Sozialdemokraten. Von Holger Borchard

Ein kollektives Aufstöhnen ging durch die SPD-Reihen in der Gaststätte „Zum Elias“, als Ortsvereinsvorsitzender Dieter Wolk das Wahlresultat verkündete. 21,9 Prozent der Stimmen bedeuten einen Verlust von 16,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und somit einen noch heftigeren Einbruch, als ihn die Landes-SPD erlitt.

Die langen Jahre, in denen Egelsbach eine SPD-Bastion war, sind endgültig Geschichte. Entsprechend schonungslos fällt Dieter Wolks Selbstkritik aus. „Das ist eine Katastrophe. Auf Landesebene dank Ypsilanti absehbar, aber unser lokales Ergebnis ist eine Riesenenttäuschung.“

Die Ursache? „Eindeutig lokale Themen, allem voran der Flugplatz“, konstatiert Wolk. „Die Leute erwarten klare Aussagen, aber wir haben uns zurückgehalten. Das müssen wir uns ans Revers heften.“ Die Aufarbeitung wird laut Wolk bereits am heutigen Montagabend beginnen. Die Haltung der SPD zur Flugplatz-Zukunft werde an der Basis geklärt, kündigt Wolk an – „darüber wird eine Mitgliederversammlung zu entscheiden haben“.

„Ganz klar der Flugplatz.“ Auch für Grünen-Fraktionschef Harald Eßer ist unstrittig, dass die Debatte um den Ausbau ein wesentlicher Faktor für die „phänomenalen“ Zugewinne seiner Partei ist. Mit 18,4 Prozent haben die Grünen ihr Resultat vor zwölf Monaten (8,7 %) mehr als verdoppelt. „Wir stellen uns klar gegen den Ausbau und das beflügelt unser Ergebnis“, so Eßer. „Im Wahlbezirk unter der Einflugschneise liegen wir sogar über 20 Prozent“, stellt Eßer fest.

Strahlende Mienen auch bei der FDP, die einen Sprung von 9,8 auf 17,3 Prozent hinlegte. „Ein toller Abend mit zwei Super-Ergebnissen“, freut sich Ortsverbandsvorsitzender Axel Vogt und schloss darin sein Abschneiden als Direktkandidat im Wahlkreis 44 mit ein. „In Egelsbach weitere vier Prozent dazugewonnen, im Wahlkreis von 8 auf 13 Prozent geklettert, sprich mehr als 2 000 Stimmen mehr bekommen – damit bin ich persönlich sehr zufrieden“, konstatiert Vogt. „Ich gehe davon aus, dass die FDP für viele SPD-Wähler die Alternative war – die SPD-Verluste teilen sich ja quasi zwischen uns und den Grünen auf.“ Das fulminante Resultat der Liberalen auf Landesebene müsse sich nun in der Landesregierung widerspiegeln, so Vogt, „insbesondere bei der Bildungspolitik“.

Die Wahl gewonnen und eine „klare Regierungsbasis“ im Land geschaffen, aber die massiven Verluste der vorangegangenen Wahlen nicht wieder wettgemacht: So lautet die nüchterne Wahlanalyse von CDU-Fraktions-Chef Frank Taulien. „Unser lokales Ergebnis spiegelt die Hessenwahl im Prinzip exakt wider. Wir haben keine großen Verluste, aber auch nicht die Gewinne, die uns von vornherein in Umfragen zugesprochen wurden.“ Der FDP als Koalitionspartner auf Landes- wie Gemeindeebene gesteht Taulien zu, „mit Recht und Selbstbewusstsein“ ihren Anteil an der politischen Kursbestimmung einzufordern. „Wir haben mit der FDP den Lohn dafür eingefahren, dass wir als Tandem zu einer klaren politische Aussage stehen.“

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