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Flugplatz Egelsbach: Wandergesellen bauen hölzernes Spielgerät

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Mit Augenmaß: Zwei Wochen lang haben Samir Wasser und seine zwei Kollegen an dem besonderen Spielgerät geschraubt.
Mit Augenmaß: Zwei Wochen lang haben Samir Wasser und seine zwei Kollegen an dem besonderen Spielgerät geschraubt. © Kegler

Drei Wandergesellen sind zu Gast am Flugplatz Egelsbach: Im Biergarten des Restaurants Rodizio errichten sie ein Spielgerät in Form eines Flugzeugs.

Egelsbach – Die Kultur der Wandergesellen ist seit dem Spätmittelalter eine typische Tradition für ausgelernte Handwerksgesellen, die nach der Lehre auf die Walz gehen und fremde Orte kennenlernen. Für dreieinhalb Jahre müssen sie ihrem Heimatort in einem Bannkreis von 50 Kilometern fernbleiben und in ihrer markanten Kluft durch die Welt ziehen. Heutzutage gibt es nur noch wenige Gesellen auf Wanderschaft, deren Tradition seit dem Jahr 2015 als Immaterielles Kulturerbe der Unesco gilt. Drei „Fremde“ haben nun in Egelsbach Station gemacht und im Biergarten des Restaurants Rodizio am Flugplatz ein Spielgerät für Kinder gebaut.

Rückblick: Es ist Anfang des Jahres 2021. Frederick Schäfer betreibt seit knapp drei Jahren das Restaurant mit Blick auf Start- und Landebahn des Egelsbacher Flugplatzes. Jedes Jahr macht er sich mit seiner Familie auf, um für rund sechs Monate in Namibia zu leben. In der Küstenstadt Swakopmund, einer ehemaligen deutschen Kolonie, lernt er Moritz Schneider kennen. Dieser ist nach seiner Zimmermannslehre gerade frisch auf Wanderschaft und baut zusammen mit seinen Mitreisenden Samir Wasser und Diethard Teschemacher an der afrikanischen Küste ein Piratenschiff für Kinder. Die alte Tradition der Wandergesellen beeindruckt Schäfer – und ihm kommt auch gleich eine Idee: „Wir haben in unserem Restaurant sonntags immer Familientag, aber noch kein Spielgerät für die Kinder.“ So entsteht der Plan, im Biergarten der Egelsbacher Lokalität ein ähnliches Vorhaben umzusetzen – dann natürlich, passend zur Atmosphäre, in Form eines Flugzeuges.

Gesagt, getan: Nachdem die drei Wandergesellen Schneider, Wasser und Teschemacher zwischenzeitlich in der ganzen Welt unterwegs waren und Projekte auf Kreta, in der Schweiz, in Irland, Spanien, Portugal oder Costa Rica umgesetzt haben, soll der Abschluss nun in der hessischen Gemeinde erfolgen, ehe sich ihre Wege trennen. „Wir reisen, um zu arbeiten, und arbeiten, um zu reisen“, erzählt Moritz Schneider. Nicht selten sind sie mit ihrem letzten Geld auf eine Fähre gestiegen und ohne konkreten Plan in ein neues Land gefahren, um Arbeit zu finden, berichtet er.

Da steht es, das fertige Flugzeug: In den nächsten Tagen werden noch Fallschutzplatten verlegt, dann kann im Biergarten am Flugplatz geklettert werden.
Da steht es, das fertige Flugzeug: In den nächsten Tagen werden noch Fallschutzplatten verlegt, dann kann im Biergarten am Flugplatz geklettert werden. © Kegler

Für ihr finales Projekt haben die Drei nun eine Menge Holz und spezielles Werkzeug in den Biergarten transportiert und daraus in knapp zwei Wochen ein spektakuläres Holzflugzeug gebaut. Da die echten Vorbilder nur wenige Meter entfernt starten und landen, fehlt bei dem Spielgerät kein Detail: Die Einstiegsluke, die Tragflächen und auch der Propeller sind beinahe in Originalgröße eingebaut. Und selbstverständlich hat das Holzflugzeug auch eine eigene Flugzeugkennung mit dem Code D-RODIZ (in Luftfahrtsprache: „Delta – Romeo Oscar Delta India Zulu“).

„Dass unser Abenteuer-Flugzeug so groß wird, hätte ich niemals gedacht“, freut sich Rodizio-Chef Schäfer. „Für Kinder gibt es normalerweise in Restaurants wenig Spielmöglichkeiten. Wir wollen dagegen etwas tun und mit diesem Flugzeug auch unseren kleinsten Gästen Platz zum Spielen bieten“, erklärt er.

In den nächsten Tagen werden noch Fallschutzplatten unter dem Flugzeug verlegt, anschließend kann es feierlich eingeweiht werden. Vor der Arbeit der drei Wandergesellen hat Frederick Schäfer, der sich zum Abschluss auch in das traditionelle Wanderbuch eintragen durfte, großen Respekt: „Dass sie das wirklich zu 100 Prozent durchgezogen haben, ist einfach toll.“ (Moritz Kegler)

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