Flugplatz: Eine Woche Frist für viele Fragen

Egelsbach - Von wegen Privatisierung auf der Zielgeraden: Der Übernahme des Flugplatzes durch die weltgrößte Privatfluggesellschaft NetJets stehe außer ein paar „offenen Fragen in Egelsbach“ quasi nichts mehr im Weg – diesen Anschein erweckt die Pressemitteilung, die die Hessische Flugplatz GmbH (HFG) am Mittwoch nach den Sitzungen ihrer Gremien lanciert hat. Der Tenor ändert allerdings nicht die objektiven Fakten, die diese Darstellung als reines Wunschdenken entlarven.

Großen Wert auf diese Klarstellung legen ausgerechnet die Kommunalpolitiker der Flugplatzgemeinde. Immerhin waren sie es, die – wie berichtet – dafür gesorgt haben, dass die HFG eben kein grünes Licht in Sachen Flugplatz-Verkauf melden kann. Die Vertreter Egelsbachs in Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung hatten in beiden Sitzungen Anträge vorgelegt, die Beschlussfassung zu verschieben, weil es noch etliches zu klären gebe. Die Stimmberechtigten der übrigen Gesellschafter (Stadt Langen, Stadtwerke Langen, Stadtwerke Offenbach sowie Kreis-Holding KVBG) hatten diesem Ansinnen jedoch geschlossen eine Absage erteilt.

„So ist es mir auch berichtet worden“, bestätigt Egelsbachs Bürgermeister Rudi Moritz. „Dabei haben wir einen ganzen Fragenkatalog, der die Risiken der Zustimmung, aber auch der Nichtzustimmung beleuchtet“, sagt Moritz. In Sachen Flugplatz beraten lasse sich die Gemeinde ebenso vom Flugverkehrsexperten Dieter Faulenbach da Costa wie von einem Juristen. „Und so lange nicht alles hieb- und stichfest in unserem Sinne geklärt ist, wird Egelsbach das nicht mitmachen“, betont der Rathaus-Chef. „Da lassen wir uns auch nicht unter Zeitdruck setzen – ich wundere mich schon, dass die anderen Anteilseigner das mitmachen.“

Der Druck lastet freilich weiterhin auf der Gemeinde: Einerseits ist HFG und NetJets daran gelegen, die Bedenken schon heute Nachmittag im Gespräch mit dem Gemeindevorstand zu zerstreuen. Unabhängig von dessen Ausgang wurde den Egelsbachern jedoch im Einvernehmen mit den vier übrigen Gesellschaftern ein Ultimatum gestellt: Für Mittwoch, 28. Januar, ist kurzfristig die nächste Sitzungsrunde von HFG-Aufsichtsrat und Gesellschaftern einberufen worden, in der die Egelsbacher sich nun erklären müssen, unter „Gremienvorbehalt“ versteht sich.

Warum die Eile? Angeblich hat NetJets seinen Verhandlungspartnern eine Frist gesetzt: Ist bis 31. Januar der Kaufvertrag nicht unterschrieben (unter Gremienvorbehalt versteht sich …), wird der US-Konzern sein Angebot zurückziehen. So eine Drohung sei bei einem amerikanischen Partner sehr ernst zu nehmen, habe der Jurist der HFG zu bedenken gegeben.

Dass gezielte Indiskretionen an die Presse durchsickern, ist angesichts der Brisanz des Themas kaum überraschend. Egelsbachs Politiker jedenfalls betonen, sich keinesfalls überfahren lassen zu wollen. Argumente liefert ihnen nicht zuletzt Fachmann Faulenbach da Costa. „Die Wirtschaftsprognosen aller deutschen Verkehrslandeplätze in vergleichbarer Größenordnung gehen im besten Fall von konstantem Verkehrsaufkommen bei Business-Flügen aus – und das war noch vor der Weltwirtschaftskrise“, betont der Experte. „Insofern ist mit der in Aussicht gestellten Geschäftspolitik ein dauerhaftes Defizit garantiert.“ Außerdem siedelt Dieter Faulenbach da Costa den Flugplatz in einer anderen Betriebskategorie an, als es die HFG selbst tut. Da die Einstufung aber gravierende rechtliche Konsequenzen hat, zählt sie zu den wichtigsten Fragen, die die Gemeinde von der HFG geklärt wissen will.

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