Viel Hingabe für kranke Vierbeiner

Focus-Ranking: Egelsbacher Tierklinik gehört zu den fünf besten Deutschlands

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Wo tut’s denn weh? Pudel Leon wird von Tierärztin Claudia Derwein eingehend untersucht. Sie ist eine von 25 Veterinären an der Klinik, die unter anderem auf Zahnmedizin, Kardiologie und Orthopädie spezialisiert sind.

Die Tierklinik in Egelsbach gehört laut einem Ranking des Magazins „Focus“ zu den fünf besten Tierkliniken in Deutschland. Ein schöner Anlass für einen Besuch vor Ort. 

  • Egelsbacher Tierklinik gehört zu den fünf besten Deutschlands
  • Deutschlandweiter Vergleich im Focus
  • Beliebte Klinik

Egelsbach – Die kleine französische Bulldogge sitzt in seinem weich gepolsterten Krankenzimmer, an der Decke hängt der Infusionsbeutel, der den Hund mit Medikamenten versorgt. Dank einer Schiene an der Decke folgt er jeder Bewegung des Tieres. Es sieht nicht weniger professionell und technisch aus als in einem Krankenhaus für Menschen. Dr. Dirk Braun schaut nach seinem vierbeinigen Patienten: „Ihn haben wir heute an der Bandscheibe operiert“, erklärt der Veterinärmediziner. Ein Jack-Russel-Terrier schaut aus einem zweiten Hunde-Krankenzimmer. Er bekommt von dem Tierarzt eine kurze Streicheleinheit über die Nase und ein paar nette Worte – bei ihm war es ein Milztumor, den die Chirurgen in der Tierklinik Egelsbach entfernt haben.

Dr. Braun ist mit seiner Klinik und den 65 Angestellten, von denen 25 als Tierärzte arbeiten, auf der Liste der besten deutschen Tierkliniken des Magazins Focus auf Platz fünf gelandet. Die Auswahl wurde aus 10 500 Tierarztpraxen und -kliniken getroffen und basiert auf Kundenempfehlungen. Bewertet wurden die Behandlung, die Service-Orientierung der Klinik, der Gesamteindruck und die Ausstattung.

Platz fünf im Focus-Ranking: Zeichen für große Kundenzufriedenheit 

„Ich habe erst von einem Kollegen von diesem Ranking erfahren, er hat mich angerufen, da waren wir gerade im Urlaub“, sagt Braun schmunzelnd. Ihn freut das Ergebnis – ist Platz fünf deutschlandweit doch ein Zeichen der großen Kundenzufriedenheit. „Ich glaube nicht, dass unsere fachliche Kompetenz der Schlüssel zu diesem Erfolg ist“, sagt der Tierarzt bescheiden. Er macht es eher am Umgang mit den Tieren fest: „Wir gewinnen, glaube ich, beim Thema Arbeitsklima und unserem Grundsatz, dass wir alle Tiere so behandeln, als ob es unsere eigenen wären“, erläutert Braun.

Doch die Klinik ist auch nach knapp 30 Jahren veterinärmedizinischer Arbeit von Dirk Braun sehr professionell aufgestellt. In neun Behandlungsräumen – zwei Operationssäle, MRT, CT, Intensivstation sowie Räumen mit hochauflösenden Ultraschall- und Röntgengeräten und Medikamentenroboter – führen die Spezialisten bei den Vierbeinern rund 60 000 Behandlungen im Jahr durch. Ihre Fachgebiete sind Zahnmedizin, Kardiologie, internistische Krankheiten oder, wie bei Braun, Neurologie und Orthopädie. Die Operationstechniken haben sich immer weiter verfeinert: So werden Tiere inzwischen laparoskopisch, also mit nur einem winzigen Schnitt und mithilfe einer Kamera, operiert.

Das Team der Tierklinik: 65 Angestellte beschäftigt Dr. Dirk Braun (oben rechts im Bild).

Große Fortschritte in der Tiermedizin

„Als meine Frau und ich 1991 unsere Praxis in Langen eröffneten, hatten wir zusätzlich einen Lehrling. Die erste Weihnachtsfeier war noch zu dritt. Seitdem hat sich viel verändert“, erzählt der Tierarzt. Die Praxis ist zur Tierklinik gewachsen und in ein ehemaliges Schokoladen-Lager nach Egelsbach umgezogen. „Aber vor allem in der Veterinärmedizin hat sich ganz viel entwickelt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Wertigkeit eines Tieres sich verändert hat: Es sind Familienmitglieder. Die Patientenbesitzer wünschen sich eine mindestens ebenso genaue Untersuchung und Behandlung, wie sie sich für sich selbst verlangen“, ist Braun überzeugt.

Konnte er früher einen Bandscheibenschaden vielleicht behandeln und lindern, kann er ihn heute operieren und heilen. Ein gutes Beispiel sei auch ein Nebennieren-Tumor. Dank modernster CT-Diagnostik ist ein solches Gewebe heute bei Tieren gut zu entdecken und anschließend zu entfernen. „Früher wäre der Tumor geplatzt und der Hund gestorben. Heute hat er nach einer solchen Operation noch ein schönes Leben. Nur weil die Menschen bereit sind, ihre Tiere so untersuchen und behandeln zu lassen, haben wir die Gelegenheit, das zu tun. Das macht uns immer besser“, sagt der Chef der Tierklinik. Rund 150 Kreuzbrand-Risse im Jahr gehen über die OP-Tische und zunehmend auch Luftröhren-Operationen, damit all die Möpse und französischen Bulldoggen besser atmen können.

Tierklinik Egelsbach hat „grundehrliche Patienten“

Dass die Tiere ihm nicht sagen können, wo der Schmerz herkommt, ist ihm dabei sehr recht: „Meine Patienten sind grundehrlich. Hier will niemand einen gelben Schein“, sagt der Tier-Doktor lachend. Er könne sich rein auf seine Diagnostik und Erfahrung verlassen, das Tier zeige, wenn es irgendwo weh tut. Um immer auf dem neusten Stand zu bleiben, besuchen er, seine mitpraktizierende Frau Dagmar Gentsch-Braun und die angestellten Tierärzte jedes Jahr Fortbildungen – sogar in Großbritannien und den USA.

Die Besitzer sind dankbar, wenn das geliebte Tier wieder gesund und munter aus der Klinik kommt. Eine Kundin wollte Braun deshalb sogar zu ihrem Erben machen: „Eine sehr nette Omi hatte einen Dackel mit Bandscheibenvorfall. Ihn haben wir wieder zum Laufen gebracht. Das Erbe habe ich natürlich trotzdem ausgeschlagen, ich habe angeregt, es dem Tierheim zu spenden“, erklärt der Veterinär. 

Im Jahr 2017 berichtete unsere Zeitung über ein Verfahren gegen einen Egelsbacher Tierarzt. Dieser setzte Marihuana und Amphetamine ein. 

Bei allem Bestreben, Tieren zu helfen, gibt es für Dirk Braun auch Grenzen: „Ich mache keine Hirn-OPs mehr und auch Chemotherapien und Bestrahlungen führen wir bei uns nicht durch.“ Bei Hirn-Operationen seien die Folgen für die Vierbeiner zu drastisch, Chemo und Bestrahlung würde er bei seinen eigenen Hunden – er ist Besitzer eines Rudels mit einem Mops, einem Chihuahua und einem Großpudel – nicht machen und möchte auch die Strahlenbelastung den Mitarbeitern nicht zumuten. Der 58-Jährige denkt schon ein klein bisschen an Rente und damit an mehr Zeit für Sport, die Hunde und Reisen mit dem Wohnmobil mit der Familie. „Eigentlich wollte ich mit 60 aufhören. Ich schätze, sie lassen mich hier noch nicht weg“, sagt Braun.

von Nicole Jost

Infos im Internet

www.tierklinik-egelsbach.de

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