Jahrmarkt der Narretei

Egelsbach Karnevalisten Fremdensitzung
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Als Meisterdetektiv Sherlock Holmes kam Frank Stornfels in der Bütt so manchem Unsinn auf die Spur; unter anderem bekamen arbeitsscheue Beamte ihr Fett weg.

Egelsbach ‐ „Kommen Sie näher, kommen Sie ran!“ Getreu des Kampagnenmottos „Närrisch und bunt geht’s auf dem Jahrmarkt rund“ gab es am Samstag bei der ersten großen Fremdensitzung der Karneval-Gesellschaft Egelsbach in der Narrhalla Eigenheim Raritäten, Kuriositäten und Erheiterndes zu bestaunen. Von Jenny Bieniek

Nach einer turbulenten Einstiegsszene mit Clowns, Muskelmännern, Losverkäufern und Jongleuren nahm die KGE Prinzenpaar, Närrinnen und Narrhalesen mit auf einen vergnüglichen Bummel über den Jahrmarkt. Dieser wies – ähnlich einer Runde im Fahrgeschäft – zwar Höhen und Tiefen auf, hatte letztlich jedoch für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Mehr Bilder von der Fremdensitzung:

Fremdensitzung der Egelsbacher Karnevalisten

Die Coverband „Kolonia Express“ um Stefan Krüger sorgte mit Kölschen Gassenhauern gleich zu Beginn für schunkelnde Reihen und Protokoller Thomas Geiss nahm sich in Gestalt eines Wahrsagers in der Bütt die Themen des vergangenen Jahres vor: „Was war gestern, was ist heut, was bewegt die Welt, die Leut’?“ Ob Sarrazins Thesen, übliches Polit-Wirrwarr, halb Europa lahmlegende Vulkan-Asche oder Lena- und Vettel-Mania: Nichts blieb der Glaskugel verborgen. In der Gemeinde dagegen sorgten vor allem die Schwimmbad-Affäre, die neue Dreifelderhalle, die noch lange nicht geschlossene „Akte Eigenheim“ und ein reichlich verwirrender Abfallkalender für Gesprächsstoff. Weil in Letzterem Farbe, Ziffer, Form und Zeile nur unzureichend Aufschluss über die Entsorgungstermine geben, hat Geiss eine eigene Taktik entwickelt: „So mancher führt sein’ Wau-Wau aus – ich stell’ die Mülltonn’ täglich raus!“

Wer das bunte Treiben live erleben will, hat dazu bei der zweiten und dritten Fremdensitzung am 19. und 26. Februar noch Gelegenheit.

Dann ging’s in die Geisterbahn, wo blutsaugende Wesen der Klammerngarde zu schaurig-düsternen Klängen zwischen Särgen und Grabmalen ihren Schautanz „Mitternacht“ darboten. Als Meisterdetektiv Sherlock Holmes rechnete Frank Stornfels, der wie Michael Lama dieses Jahr sein Elfer-Jubiläum in der Bütt beziehungsweise als Ministerpräsident feiert, mit arbeitsscheuen Beamten ab: „Denen ist doch um die Haxen schon lang der Efeu rumgewachsen.“ Im Anschluss war „Quacksalber“ und Publikumsliebling Pierre Theuerkauf ohne aufwändiges Kostüm, aber mit Keyboard und Cajón bewaffnet an der Reihe. Seine ursprünglich geplante Vortragszeit verdoppelte er „auf Bitte des Vorstands hin“ mühelos und unterhielt das Publikum bestens mit Anekdoten aus seiner geträumten „Vom-Kardinal-zum-Papst-Karriere“ oder geplatzten Heiratsplänen. Spätestens nach seiner Interpretation des Bodo-Wartke-Songs „Bettina“ und der Frage, ob man seine Eier denn gut hören könne, gab es im Saal kein Halten mehr.

Einen schaurig-schönen Mitternachts-Tanz legten die Vampirmädels der Klammerngarde hin.

Ein optischer Genuss war wieder das Männerballett, das zu DJ Ötzis „Sieben Sünden“ die in rote Dirndlstrümpfe gehüllten, behaarten Beine und kurzzeitig sogar eines ihrer „Madeln“ fliegen ließ. Auch die jungen Damen des Gardetrios ließen mit ihrer „O'zapft is“-Choreographie zu zünftiger Bierzeltmusik die Dirndlröcke flattern, selbstredend um Längen eleganter als ihre Vorgänger.

Die Klammernsingers hatten mit größeren technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, die der grunzende Losverkäufer in Gestalt des schrulligen Horst Schlämmer jedoch gekonnt in die Show einfließen ließ, sodass die Sänger ihr Können schließlich doch unter Beweis stellen konnten. Weit nach Mitternacht fand auch eine Gruppe rassiger Zigeunerinnen den Weg ins Eigenheim und präsentierte mit Schellenreifen und farbenfrohen Kostümen ihren orientalischen Tanz „Gypsy Fantasy“.

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