Egelsbach für Teilnahme an Landesprogramm „100 wilde Bäche“ ausgewählt

Frischekur für den Hegbach

Hinter dem Egelsbacher Flugplatz unterquert der Hegbach die Wolfsgartenstraße. Mithilfe der Landesförderung wird er renaturiert.
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Hinter dem Egelsbacher Flugplatz unterquert der Hegbach die Wolfsgartenstraße. Mithilfe der Landesförderung wird er renaturiert.

So richtig wild und naturbelassen fließt der Hegbach nicht durch Egelsbach. Die Gemeinde will ihn aber wieder zu einem naturnahen Gewässer umgestalten. Dafür hatte sie sich beim Landesprogramm „100 Wilde Bäche“ beworben – und wurde ausgewählt. Ziel des Landesprogramms ist die Renaturierung der ausgewählten Bäche. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurde die Gemeinde mit dem Hegbach zusammen mit weiteren 144 Kommunen ausgewählt.

Egelsbach – Durch die Teilnahme am Landesprogramm erhalten die ausgewählten Kommunen eine umfassende Unterstützung bei der Gewässerrenaturierung. Mit der Hessischen Landgesellschaft (HLG) wird ihnen ein Dienstleister an die Seite gestellt, der sie bei der Projektabwicklung von der Planungsphase bis zur Umsetzung begleitet – vom Förderantrag bis zur Bauabnahme – und bei den Aufgaben der Bauträgerschaft entlastet. Außerdem übernimmt das Land bis zu 95 Prozent der Kosten für die Renaturierungsmaßnahmen.

Welche das in Egelsbach konkret sein werden, muss laut Fachbereich Bauen und Umwelt der Gemeinde noch geklärt werden. Erste Gespräche zwischen Vertretern der Gemeinde und den Akteuren des Gewässerschutzes sind für Anfang 2022 geplant. Dann soll entschieden werden, was am Hegbach genau gemacht wird. Der Zeitplan habe sich wegen der Corona-Pandemie und Personalien bei der HLG verschoben, teilt der Fachbereich der Gemeinde auf Anfrage mit. Konkrete Wunschmaßnahmen sind aus dem Rathaus daher auch noch nicht zu erfahren.

Die Gemeinde wollte vielmehr die generelle Möglichkeit nutzen, um die Lage des Hegbachs zu verbessern – damit „das ehrgeizige Ziel“, aus ihm wieder ein naturnahes Gewässer zu machen, vorankommt. Denn der Hegbach leidet wie viele andere Bäche im Land unter den menschlichen Einflüssen: Begradigungen und massiver Gewässerverbau innerhalb von Ortslagen sorgen dafür, dass viele von ihnen nur noch plätschern denn fließen. Das beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit des jeweiligen Ökosystems und hat negativen Einfluss auf die angesiedelten Pflanzen- und Tierarten.

Auf 28 Kilometern Länge durch drei Landkreise

Der Hegbach, der insgesamt etwa 28 Kilometer lang ist, fließt durch die Kreise Darmstadt-Dieburg, Offenbach und Groß-Gerau. Er entsteht als Rutschbach im Walddistrikt Am langen Stein im Westen der Gemarkung Urberach und trägt ab dem Zusammenfluss mit dem Fritzwiesengraben seinen Namen. Zunächst fließt er dann durch das drei Kilometer lange Naturschutzgebiet Hegbachaue bei Messel in westlicher Richtung. Zwischen Egelsbach und Erzhausen wird er in einem künstlich um 700 Meter verlängerten Bachbett westlich um den Flugplatz herumgeführt. Nachdem er die A 5 unterquert hat, fließt er dann südlich von Mörfelden und speist den Hegbachsee, ehe er zwischen Nauheim und Groß-Gerau in den Schwarzbach mündet. Dementsprechend viele Städte und Gemeinden sind beteiligt. Und die Arbeiten werden nach Angaben des Egelsbacher Bauamts nicht in Abschnitten – nach Kommunen getrennt – vorgenommen, sondern zusammen abgestimmt und gegebenenfalls parallel umgesetzt.

Dabei sei die „strukturelle Ausstattung“ des Hegbachs auf Egelsbacher Gemarkung bereits überwiegend gut: Der Bach fließt meist außerhalb von Ortslagen, wodurch die natürliche Gewässerstruktur intakt ist. Nur vereinzelt ist sein Verlauf eingeschränkt und die „lineare Durchgängigkeit“ unterbrochen: Diese Stellen sind dann aber für Fische und wassergebundene Kleintiere teils unüberwindbare Hindernisse.

Von Julia Radgen

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