Ganztags-Garantie hat ihre Grenzen

Egelsbach ‐ „Wer einen Kita-Ganztagsplatz für sein Kind möchte, bekommt ihn“, hat Bürgermeister Rudi Moritz zum Jahreswechsel versprochen. Verwaltung und Chef ließen Taten folgen: „Jedes Kind, für das ein Platz gebucht wurde, hat ihn auch erhalten“, erklärt Amtsleiter Manfred Kraus. Von Holger Borchard

Abgesehen von einem Nachrücker in der Forsthaus-Kita seien alle neu angemeldeten Kinder im Containerdorf „Brühl II“ untergebracht worden.

Voraussetzung für die Erfüllung der Ganztags-Garantie waren die Ende Dezember fix gemachten Verträge mit händeringend gesuchtem Betreuungspersonal. „Wir haben eine Vollzeitstelle zum 1. Januar besetzt, weitere werden zum 1. Februar und 1. März besetzt“, bilanziert Kraus. Das ermögliche den Betrieb einer zweiten Betreuungsgruppe im Brühl II. „Sie wird am 1. Februar eröffnet“, kündigt der Amtsleiter an.

Eltern von älteren Kita-Kindern treibt derweil bereits die Frage um, ob die Moritz’sche Betreuungsgarantie im Kitabereich auch für die Schulbetreuung gilt. Dort werden aktuell rund 170 Kinder betreut – „und damit arbeitet die Einrichtung am Maximum“, sagt Manfred Kraus. Gelinge es, zwei weitere Betreuungsstellen zu besetzen, würde die Kapazität auf zirka 200 Kinder ausgedehnt. „Damit können wir die aktuelle Warteliste mit einem knappen Dutzend Anfragen im Rahmen der Satzungsvorgaben berücksichtigen“, betont Kraus. Will heißen: Laut der gemeindlichen Kriterienliste haben Alleinerziehende und Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, bessere Karten bei der Platzvergabe. „Viel mehr geht dann nicht mehr“, fügt Kraus hinzu.

Aus rein finanzieller Sicht eine unerfreuliche Nachricht

Eine Unbekannte für die Verwaltung: die Fluktuation. „Sie ist noch immer zu stark, um jetzt schon verbindliche Aussagen bis Sommer treffen zu können“, wirbt Kraus um Verständnis. Dessen ungeachtet gelte: „Der Trend zur Ganztagsbetreuung setzt sich im Schulalter fort – wir registrieren zweistellige Zuwachsraten.“ Für Kraus liegt auf der Hand: „Was ich heute an Kindergartenplätzen habe, brauche ich morgen in der Schulbetreuung.“

Aus rein finanzieller Sicht eine unerfreuliche Nachricht für die Gemeinde: Immer höhere Ausgaben, immer weniger Geld in der Kasse. „Wir sind die einzige Kommune weit und breit, die Schulbetreuung komplett als öffentliche Einrichtung betreibt“, gibt Manfred Kraus zu bedenken. Dabei handele es sich um ein freiwilliges Angebot, zu dem weder gesetzliche Vorgaben noch Mindestverordnungen formuliert seien und entsprechend auch keine Ansprüche geltend gemacht werden könnten. „Die Ausgaben für die Schulbetreuung werden deutlich steigen“, prophezeit Kraus. „Ich werde meine Zahlen melden und weitere Betreuungsstellen anfordern müssen – vermutlich schon in den Sommerferien.“

Wie lange kann und wird sich Egelsbach die(se) Schulbetreuung demnach noch leisten? „Das ist eine politische Frage – die Antwort gibt die Gemeindevertretung“, sagt Bürgermeister Rudi Moritz. „Ich sehe derzeit keine Alternativen, ein Förderverein wie anderorts ist in Egelsbach nicht in Sicht. Aber wie auch immer: Die Familien dürfen in keinem Fall die Leidtragenden sein.“

Rubriklistenbild: © dpa

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