Gudrun Seeland verabschiedet

Gekocht wird nur noch daheim

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Bürgermeister Jürgen Sieling und Schulleiter Martin Höhn (rechts) verabschiedeten Gudrun Seeland, die jahrelang Egelsbachs Schulkinder bekocht hat.

Egelsbach - So überwältigend hatte Gudrun Seeland den „Bahnhof“ nicht erwartet. Zur Verabschiedung der Leiterin der Zentralküche der Schulbetreuung in die passive Phase der Altersteilzeit stand eine stattliche Delegation von Offiziellen und langjährigen Weggefährtinnen Spalier und die Schulkinder intonierten ein Ständchen. Von Holger Borchard

„Zum Glück war ich ein bisschen drauf vorbereitet, sodass ich hier jetzt doch nicht in Tränen ausbrechen muss“, erklärt Gudrun Seeland vor versammelter Runde in den Räumen der Schulbetreuung an der Wilhelm-Leuschner-Schule. Warme Worte hatte sie zuvor hören dürfen – unter anderem von Bürgermeister Jürgen Sieling, der insbesondere ihre Zuverlässigkeit und ihr Fachwissen hervorhob. „Bei Ihnen in der Küche war es immer tipptopp“, ergänzte Schulleiter Martin Höhn, „und ich werde den Plausch mit ihnen vermissen, wann immer ich mir einen Snack hole.“ Deshalb steht Höhns Einladung: „Wann immer Sie Unruhe brauchen – kommen sie einfach vorbei.“

Das Angebot werde sie wohl nicht wahrnehmen, entgegnete Seeland, die nach eigenem Bekunden der Zentralküche mit einem lachendem und einem weinendem Auge den Rücken kehrt. „Die Zukunft der Küche steht ja völlig in den Sternen“, spielt die 58-Jährige auf Überlegungen in der Gemeindevertretung an, den Küchenbetrieb in Gemeinderegie komplett aufzugeben und in die Hände eines Caterers zu legen. Ein Ausdruck der allgemeinen Unschlüssigkeit: Gudrun Seelands Leitungsposten wird nicht neu besetzt. In diesem Sinne entbehrten auch die Abschiedsworte der 1954 in Duisburg-Walsum Geborenen nicht einer gewissen Zweideutigkeit: „Ich danke allen, die mich unterstützt haben – und besonders danke ich allen, die mich nicht unterstützt haben.“

Seit 1984 stand Seeland in Diensten der Gemeinde, zunächst als Reinigungskraft bis 1991 im Freibad sowie bis 1995 in der Bürgerhaus-Kita, ehe sie 1995 auf hauswirtschaftliche Arbeiten umstieg. Ab 1996 war sie für die Essensversorgung der Hortkinder zuständig und – nach bestandener Prüfung zur Hauswirtschafterin – übernahm sie 2006 als Leiterin die Zentralküche in der Schulbetreuung der Leuschner-Schule. Diese liefert heute täglich fast 400 Essen an sämtliche Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinde aus.

Langweilig werde ihr in der Altersteilzeit schon nicht werden, ist Seeland überzeugt. „Die Kinder, die mich von je her geduzt haben, werden mir fehlen – das ist mal klar. Aber ansonsten hab’ ich ja zum Beispiel meine Tochter, meinen Enkel und natürlich meine zwei Katzen, die mich auf Trab halten.“ Während die Katzen sich auf zusätzliche Streicheleinheiten einstellen können, muss der zehnjährige Enkel sich wohl oder übel umstellen. „Er kam mittags immer in die Zentralküche und hat gerufen: ,Oma, einmal Essen normal, bitte’“, schildert Seeland.

Abgesehen davon hat sie nun die Gelegenheit, zwei bemerkenswerten Hobbys zu frönen. Beim ersten, dem Fußball gucken, schlägt die gebürtige Westfälin voll durch: „Ich bin glühender Dortmund-Fan“, verrät Gudrun Seeland – „mit lauter Eintracht-Fans in der Familie ist das nicht immer ganz leicht.“ Das zweite Hobby war über längere Zeit verschüttet, könnte nun aber eine Renaissance erleben. „Ich habe früher gerne und ausgiebig geangelt – vom regionalen Teich bis zum Hochseeangeln auf der Ostsee“, erzählt Seeland. Und, was nur die Wenigsten wissen: „Ich war zweifache hessische Meisterin im Casting, also im Zielwerfen für Sportfischer.“

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