Geplante Kita-Gebührensatzung

Mehr bezahlen für weniger Leistung?

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Egelsbach - Auf wenig bis keine Gegenliebe stößt bei den betroffenen Eltern die neue Gebührensatzung für die gemeindlichen Kindergärten, die SPD, CDU und Wahlgemeinschaft mit ihrer Stimmenmehrheit in der Gemeindevertretung Anfang April beschließen und damit zum 1. August Realität werden lassen wollen. Von Holger Borchard

 „Man hat uns in Kenntnis gesetzt, aber nicht wirklich mit uns gesprochen und schon gar nicht auf unsere Wünsche gehört“, fasst Elternbeirätin Daniela Gutzeit die Vorgeschichte zusammen. Vor allem aber haben die Eltern handfeste pädagogische Webfehler im neuen Konstrukt ausgemacht, das auf sogenannten Kernzeiten und Zukaufblöcken basiert. Als Konsequenz verließ nun ein offener Brief die Kita Bürgerhaus, gerichtet hat ihn der Beirat an „alle Eltern und zukünftigen Eltern von Kindergartenkindern“ und natürlich an die örtlichen Parteien. Schon die Überschrift lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: „Benachteiligung der Kinder in Egelsbacher Kitas (Ü-3) von Anfang an – für weniger Leistung mehr bezahlen?“

Die geplante Gebührensatzung sieht vor, dass Eltern zukünftig ihr Kind auch nur für drei Tage in der Kita anmelden können. „Hört sich erst mal toll an und klingt nach der von Eltern gewünschten Flexibilität, aber: Das Ganze geht zu Lasten der Kinder und zwar aus pädagogischer Sicht.“ Nachwuchs, der zwei Tage in der Woche fehle, werde unter Umständen nicht an Förderprogrammen wie musikalische Früherziehung, Sport, Waldprojekt, Sprachschulung teilnehmen, ganz abgesehen von Aktionen wie gemeinsames Essen oder Kochen mit der Gruppe, führt Gutzeit aus.

Verbindlicher Bildungs- und Erziehungsplan

„Hauptbeweggrund der Politik für dieses vermeintlich erweiterte Angebot ist der Versuch, Erzieher und damit Geld zu sparen, indem die Gruppengröße durch Splitting erhöht wird“, steht für die Elternbeirätin zweifelsfrei fest. „Geplant ist, pro Jahr eine Gruppe zu schließen. Außerdem sind weitere Gebührenerhöhungen vorgesehen, das Ziel lautet: jährlich plus 25 Prozent bis 2017“, benennt Gutzeit, die dem Elternbeirat vorliegenden Daten. „Um den Eltern angesichts dieser Ziele eine angebliche Kostenersparnis zu ermöglichen, sieht die neue Gebührensatzung vor, Splittingplätze auch in der Ü 3-Betreuung anzubieten. Aus unserer Sicht steht somit zu befürchten, dass aufgrund der geplanten Erhöhungen bereits zum 1. August die Drei-Tage-Woche genauso teuer sein wird wie ein derzeitiger Fünf-Tages-Platz“, betont Gutzeit. Die rhetorische Frage des Elternbeirats an alle Adressaten: „Wie ist es mit Ihrem Arbeitsplatz zu vereinbaren, wenn Sie sich nur noch die Drei-Tage-Woche leisten können?“

Mit Angebot einer Drei-Tage-Woche werde die pädagogische Arbeit im gewohnten Umfang unmöglich – „und das hat letztlich Auswirkungen auf die Konstanz der kompletten Gruppe“, sind die Eltern überzeugt. Daniela Gutzeit zitiert dazu aus dem „auch für Egelsbach verbindlichen“ Bildungs- und Erziehungsplan: „Um täglich mehrere gezielte Lernsituationen anbieten zu können, muss es möglich sein, über längere Zeit hinweg mit allen Kindern ungestört pädagogisch zu arbeiten.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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Dramatisches Fazit der Eltern, sofern die Satzung wie geplant kommt: „Da die Vorbereitung auf die Schule bereits im ersten Kindergartenjahr der Ü 3-Betreuung beginnt, ist eine Chancen- und Bildungsgleichheit in Egelsbach nicht mehr gegeben. Fehlende Kontinuität und immer größere Unterschiede bei den Voraussetzungen der Kinder könnten in der Grundschule für erhebliche Probleme sorgen. Denn: In der Grundschule gibt es keine Drei-Tage Woche – dort wird allen Kindern dasselbe abgefordert!“

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