Günter Preuß kriegt vom Radfahren nicht genug

330.000 Kilometer im Sattel

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Ob Straßenmaschine oder robust-geländegängig: Günter Preuß ist für alle Fälle gewappnet, Radmontur inklusive.

Egelsbach - Wer bei Wind und Wetter im Ort einen älteren Herrn in voller Fahrradmontur an sich vorbei radeln sieht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit soeben Günter Preuß begegnet sein. Von Daniel Untch

Der 68-Jährige sitzt an den meisten Tagen mehrere Stunden auf dem Rad und hat so schon eine gewaltige Kilometerdistanz zusammengestrampelt.

Seit Preuß vor vier Jahren in Rente ging, kommt er pro Jahr auf zirka 19.000 Kilometer. „Ich führe seit mehr als 30 Jahren Buch“, erzählt er. Dann zeigt der Senior auf eine Schublade voller kleiner Taschenkalender, in denen er an den entsprechenden Tagen die gefahrenen Strecken eingetragen hat. Seit 1980 hat er so beinahe 330.000 Kilometer notiert. „Nur ein Jahr habe ich praktisch ausgesetzt, 1988 haben wir nämlich gebaut“, berichtet Preuß. Ansonsten sitzt der Rentner an fünf Tagen in der Woche auf dem Velo und wenn er sich erst einmal in den Sattel geschwungen hat, „reißt“ er durchschnittlich 80 Kilometer runter. „Meine üblichen Trainingsstrecken sind im Spessart, im Odenwald und in der Pfalz“, sagt er.

Verschleiß bei so einem Touren-Pensum selbstverständlich

Neben den Standardtouren hat Preuß natürlich auch einige Höhepunkte seines Radler-Daseins zu bieten. So etwa einen Marathon rund um den Vätternsee in Schweden. „Das sind etwa 300 Kilometer in rund zehn Stunden und das mit 16.500 Teilnehmern.“ Alljährliche Besonderheit ist eine zehntägige Reise nach Mallorca mit einer ganzen Gruppe von Radlern. „In der Zeit machen wir unsere 1000 Kilometer in den Bergen der Insel“, schildert Preuß.

Der Verschleiß – an den Rädern wohlgemerkt – ist bei so einem Touren-Pensum selbstverständlich nicht zu unterschätzen. Mehrere Ketten und Reifensätze verbraucht Preuß im Jahr für seine vier Fahrräder, je zwei Mountainbikes und zwei Rennräder. Freilich übersteht der Körper die Angelegenheit mitunter auch nicht ganz unbeschadet. „Zwei schwerere Unfälle hatte ich“, erzählt der Radsportler. Einmal sei er in voller Fahrt gegen eine Stange gebrettert – „Blutergüsse und vier Tage Pause waren die Folge“ –, ein anderes Mal zwang ihn ein Sturz sogar zwei Tage lang ins Krankenhaus.

Auch mit seinem Beruf muss man solch ein zeitaufwendiges Hobby natürlich vereinbaren können. Das war für Günter Preuß glücklicherweise kein Problem. „Ich war früher selbstständiger Verkäufer und konnte mir meine Zeit daher immer gut einteilen“, berichtet er.

Als Motivation für seine Ausdauer im Sattel nennt Günter Preuß vor allen zwei Faktoren: Radsportbegeisterung und die Gesundheit. „Es ist mir wichtig, fit zu bleiben.“ Besonders seit vor einigen Jahren Diabetes bei ihm festgestellt worden ist. „Da haben mir die Ärzte einen Rat gegeben: Bewegung, Bewegung, Bewegung“, erinnert er sich. Abends in der Kneipe zu sitzen und ein Bier zu trinken, das wäre auch gar nichts für ihn, ist Preuß überzeugt. Und er hofft: „Vielleicht spornt meine Geschichte ja den einen oder anderen an, ein wenig mehr für seinen Körper zu tun.“

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