Pandemie

Streit um Corona-Schnelltest-Center in Egelsbach – Ärzte verärgert

Das Corona-Schnelltest-Center in Egelsbach
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Im Corona-Schnelltest-Center in Egelsbach kann sich jeder für 49 Euro testen lassen.

Die Bürger von Egelsbach freuen sich über ein Corona-Testzentrum. Ärzte im Ort sehen das allerdings ganz anders.

Egelsbach – Es war nur ein Satz, aber der ist Dr. Horst Rolfes etwas sauer aufgestoßen. „Die niedergelassenen Ärzte im Ort können nicht immer nach den Wünschen der Patienten testen und kommen mit der aktuellen Nachfrage häufig an ihre Kapazitätsgrenze“, so begründete die Gemeinde Egelsbach vergangene Woche in einer Mitteilung die Einrichtung des neuen Corona-Schnelltest-Centers im Zentrum im Brühl.

Corona in Egelsbach: Keine Überlastung der Ärzte

„Das wundert uns ein bisschen“, sagt Rolfes, Hausarzt mit eigener Praxis in der Ernst-Ludwig-Straße. „Ich sehe keine Überlastung bei uns.“ Auch die Antigen-Schnelltests, die es jetzt für 49 Euro im Testzentrum in der Lutherstraße 7b für jedermann gibt, biete seine Praxis an – bei Rolfes kosten sie sogar nur 42,82 Euro. Der Allgemeinmediziner hat sich mit mehreren Kollegen aus dem Medizinischen Qualitätsnetz Langen-Dreieich ausgetauscht: „Dass wir überlastet sind, trifft nicht auf alle zu“, berichtet er. Die meisten würden ebenfalls Schnelltests als Privatleistung anbieten, auch die neue Praxis über der Egelsbach-Apotheke, die im Januar eröffnet, habe das vor.

Offenbar sehen einige Ärzte – auch in Langen und Dreieich – das Egelsbacher Test-Center, betrieben von einer Mannheimer Logistikfirma, als Konkurrenz an. „Klar verdienen wir mit den Schnelltests Geld“, sagt Rolfes. „Wir sind auch ein Wirtschaftsbetrieb.“ Im Einkauf würden die Testkits nur zwischen sieben und neun Euro kosten. Der finanzielle Faktor sei für ihn zweitrangig, betont er.

Corona-Krise: Ärzte in Egelsbach sehen sich gut aufgestellt

Rolfes hebt einen anderen Punkt hervor, der seiner Ansicht nach für den Test in der Arztpraxis spricht: Fällt der Antigen-Schnelltest positiv aus, empfiehlt das Robert-Koch-Institut noch einen PCR-Test zur Bestätigung. Und wird der Patient krank, muss er schließlich auch behandelt werden. „Wir sehen uns da besser aufgestellt“, sagt Rolfes. „Wir können den PCR-Test direkt hinterher machen.“ Er habe mit vielen Kollegen gesprochen, die sich „auf den Schlips getreten fühlen“, so der Hausarzt. „Wenn im Test-Center im großen Stil Leute getestet werden und man sie danach zu uns schickt, ist das kein feiner Stil.“

Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) sagt auf Anfrage über das Schnelltest-Center: „Ich halte es nach wie vor für sinnvoll.“ Es gebe immer wieder Firmen, die „in größerem Umfang“ ihre Mitarbeiter testen lassen wollten. Auch erreichten ihn regelmäßig Beschwerden von Egelsbachern, die keinen Coronatest bekommen, erzählt der Rathauschef. Und: „Die beiden anderen Hausärzte testen gar nicht“, so Wilbrand.

Corona-Testzentrum im Egelsbach: Gemeinde hat nach Alternativen gesucht

Außerdem braucht die Gemeinde eine Möglichkeit, um die Erzieherinnen und Erzieher der Betreuungseinrichtungen regelmäßig auf das Coronavirus testen zu lassen. Das Gleiche gilt für die Wilhelm-Leuschner-Schule und ihre Lehrkräfte. Bis Ende November hatte Rolfes Gemeinschaftspraxis die Tests übernommen. Danach kam es offenbar zu einem großen Missverständnis. „Dann hieß es, sie stehen nicht mehr zur Verfügung“, berichtet Wilbrand. „Deswegen haben wir nach Alternativen gesucht.“ Rolfes erwidert, er habe lediglich betont, vorerst nicht mehr zur Verfügung zu stehen, da er noch auf die neue Testverordnung der Kassenärztlichen Vereinigung warten musste, die zum 2. Dezember in Kraft trat.

Heute sagt Rolfes, Tests in seiner Praxis seien weiter möglich. „Da gab es vielleicht ein Missverständnis“, so der Mediziner. Das sieht Bürgermeister Wilbrand ähnlich: „Schade, dass wir aneinander vorbeigeredet haben“, findet der Rathauschef, der dennoch die Vorzüge des Test-Centers hervorhebt: Es sei schlicht einfacher, dort Erzieher und Lehrer als Gruppe vorbeizuschicken, als wenn diese sich alle einzeln in der Praxis anmelden müssten. (Manuel Schubert)

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