Was heißt dringend?

Egelsbach - Eine spannende Frage zum Flugplatz treibt die Grünen um Fraktionschef Harald Eßer um: Wie steht es um die Sanierung des Vorfeldbereichs? Zu dumm bloß und doch alles andere als ungewohnt für Eßer & Co.: Seit Wochen mag niemand auf diese Frage antworten. Von Holger Borchard

Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung um den Verkauf der Flugplatz-Anteile an NetJets habe die Hessische Flugplatz GmbH (HFG) Anfang März rund 5 000 Quadratmeter Vorfeldbereich und Zurollwege aus Sicherheitsgründen sperren lassen, erinnert Eßer. Ex-Geschäftsführer Peter Lehmann habe seinerzeit „dringenden Sanierungsbedarf“ angeführt. Im gleichen Atemzug habe Lehmann erklärt, dass die wenige Tage zuvor vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel untersagte parlamentarische Abstimmung über den Anteilsverkauf im Verbund mit der maroden Piste die Flugplatz-GmbH in eine „höchst problematische“, sprich an den Rand der Insolvenz gebracht habe. „Und heute, fast sechs Monate später, hat sich auf dem Vorfeld gerade mal gar nichts verändert“, stellt der Grünen-Chef lakonisch fest. Den Wahrheitsgehalt der Lehmann’schen Worte könne somit jeder für sich ergründen – Eßer freilich hat sein Fazit längst gezogen.

Das war wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung über den Verkauf ein weiterer Versuch, die Gemeindevertreter unter Druck zu setzen. Es sollte suggeriert werden, ohne Verkauf würden am Flugplatz umgehend die Lichter ausgehen und die dortigen Firmen die Anteilseigner mit Schadensersatzforderungen überziehen.“ Alles eine Lüge, alles ein Täuschungsmanöver? titelt Eßer im jüngsten Rundbrief an „alle Grünies und Sympies“.

Nachdem Ende Juni die Gesellschafterversammlung der HFG unter Beteiligung von Bürgermeister Rudi Moritz getagt hatte, formulierten die Grünen eine offizielle Anfrage an den Gemeindevorstand. „Wir wollten am 7. August wissen, ob in dieser Sitzung die angeblich so dringende Sanierung nach fast einem halben Jahr beschlossen wurde und wer die Kosten von zirka 350 000 Euro trägt.“

Die Antwort des Bürgermeisters kam schnell

Schon am 10. habe er Antwort von Moritz erhalten. „Der Bürgermeister erklärte, er dürfe nichts sagen und habe die Anfrage deshalb umgehend an den neuen Flugplatz-Chef Siegmar Weegen weitergeleitet“, berichtet Eßer und echauffiert sich: „Ja ist denn der Gemeindevorstand mit Bürgermeister Moritz an der Spitze nur noch eine Marionette der HFG? Will er seine Pflicht nicht mehr erfüllen oder glaubt er, es nicht mehr zu dürfen?“ Die Inaktivität zeige, wie wichtig es sei, dass Egelsbach seine Flugplatz-Anteile und damit sein Kontrollrecht wahre.

Mit diesem Ausbruch, dem Verweis auf die in der Hessischen Gemeindeordnung verbriefte Informationspflicht und dem Hinweis, bisher nichts von der HFG gehört zu haben, endet die Vorhaltung der Grünen fürs Erste. Der Bürgermeister indes liegt einwandfrei richtig mit dem Hinweis, dass er zum Spagat zwischen Gemeinde- und Gesellschafter-Interessen gezwungen ist und eben nicht alles weitergeben darf. „Nicht ich, sondern alle Gesellschafter und Beiratsmitglieder entscheiden, was öffentlich gemacht wird“, sagt Moritz. „Abgesehen davon maße ich mir nicht an, bauliche Dinge am Flugfeld zu analysieren. Ene Meinung zu der Geschichte habe ich sehr wohl.“

Im Juli hatte Flugplatz-Chef Siegmar Weegen die Sanierung von Vorfeldbereichen für Mitte August angekündigt. Sein von der Redaktion erbetener Anruf, der höchstwahrscheinlich Licht ins Dunkel gebracht hätte, blieb gestern leider aus.

Rubriklistenbild: © Häsler

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