Cornelia Löffler zeigt, wie Frau auf hohen Absätzen grazil läuft

High-Heel-Training: Mühen für den großen Auftritt

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Egelsbach - Manche Frauen holen sie nur bei besonderen Gelegenheiten aus dem Schrank, für andere gehören sie zum Alltagsoutfit: High Heels – Schuhe mit zehn oder mehr Zentimetern Absatz. Doch darauf auch sicher und grazil zu gehen, ist nicht einfach. Von Marin Zimmer 

Wie es funktioniert, vermittelt Cornelia Löffler in Kursen bei der Volkshochschule Egelsbach. Das Klavierspiel ist verstummt in der obersten Etage der Alten Schule. Schnatternd verlässt eine Handvoll Teenies den Ballettsaal. Den Raum zieren große Spiegel auf der einen Seite und Haltestangen auf zwei anderen Seiten. Überall hängen Fotos von kleinen Mädchen in Tüllkleidern. „Hausherrin“ auf diesen Quadratmetern ist Cornelia Löffler, die trotz frischer Außentemperaturen für einen Schwung Sauerstoff alle Fenster aufreißt, bevor junge Frauen den Raum betreten und mit der ausgebildeten Balletttänzerin in die letzte Unterrichtsstunde dieses Abends starten. Doch mit Ballett wird dieser Kurs weniger zu tun haben. Cornelia Löffler hat zum High-Heel-Training eingeladen und ihrem Aufruf sind Frauen mit vielfältigen Intentionen gefolgt: sicherer Stand beim ersten Date, professionelles Auftreten beim Job in der Bank oder einfach nur gut aussehen, wenn zum Abendkleid hohe Schuhe angesagt sind.

Was in den deutschen Metropolen längst Einzug in fast jede Tanzschule gehalten hat, ist seit etwa vier Jahren auch in Egelsbach angekommen. Der Workshop bei der Tanzpädagogin soll Körperhaltung bewusst machen und helfen, die eigene Körpersprache beim Lauf auf den bis zu zwölf Zentimeter hohen Absatzschuhen zielgerichtet einzusetzen. „Ich will die Menschen nicht verändern“, sagt die gelernte Bühnentänzerin, „sondern was in ihnen steckt von innen raus holen!“

Prüfender Blick in den Spiegel: Das richtige Laufen auf High Heels vermittelt Ballettlehrerin Cornelia Löffler (links) beim Workshop der Volkshochschule Egelsbach.

Die Teilnehmerinnen beginnen mit Trockenübungen auf Socken an der Haltestange, wo sich zuvor die Ballettschülerinnen auf Zehenspitzen gedreht haben. Mit kraftvollen Auf- und Abwärtsbewegungen wird der Fuß aufgewärmt. Cornelia Löffler nimmt sich Zeit für jede einzelne Teilnehmerin, lobt schöne Bewegungsabläufe und korrigiert eingeschlichene Haltungsfehler. Nach den ersten 30 Minuten geht es dann ans Eingemachte: raus aus den Socken, rein in die High Heels! Geübt wird jetzt die ideale Beinbewegung, die perfekte Schrittlänge, das harmonische Aufsetzen des Fußes – alles gepaart mit einer aufrechten Oberkörperhaltung und dezenten Armbewegungen. Nach wenigen Minuten schnaufen die Teilnehmerinnen und reiben sich über die ersten schmerzenden Stellen am Fuß.

Während Cornelia Löffler sich auf ihren Zwölf-Zentimeter-Absätzen grazil durch die stelzenden Frauen bewegt, stellen zwei von ihnen fest, dass sie nicht geahnt haben, wie anstrengend Laufen sein kann. Die Ballettlehrerin lächelt ihnen zu, motiviert immer wieder mit praktischen Alltagstipps, wie die Füße im täglichen Trott trainiert werden können oder wie der Auftritt im schönen Abendkleid noch glamouröser wird. Jeder Tipp zaubert bei den Teilnehmerinnen ein kleines Funkeln in die Augen und scheint wirklicher Anreiz zu neuen Höchstleistungen zu sein. „Wenn die Technik einmal richtig sitzt, läuft der Rest von ganz alleine“, sagt Löffler.

Die 50-Jährige hat mit dem Tanztraining begonnen, als sie 13 Jahre alt war, und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mittlerweile gibt sie seit über elf Jahren in Egelsbach Ballettstunden für alle Altersstufen. In Amerika und München hat sie ihre Ausbildungen absolviert und in den Großstädten Deutschlands fühlt sie sich zu Hause. „Die Inspirationen für meine Arbeit kommen mir, wenn ich in einem Straßencafé sitze und die vorbeiziehenden Menschen beobachte“, berichtet Cornelia Löffler. Und fügt melancholisch hinzu, dass ihr diese Möglichkeit in Egelsbach fehlt.

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In der letzten Phase des High-Heel-Trainings kommt mit taktvoller Hintergrundmusik Schwung in die ganze Sache. Die Laufübungen der Teilnehmerinnen muten jetzt fast wie eine Catwalk-Show an. Obwohl man ihnen deutlich ansieht, dass sie versuchen, unheimlich viele Tipps umzusetzen, wird der Bewegungsablauf immer flüssiger und eleganter. Die Frauen laufen eine Raumlänge vor, drehen eine gut überlegte Kurve und stöckeln zurück zu ihrer Ausgangsposition.

Erleichterung macht sich in ihren Gesichtern breit, als Cornelia Löffler das Ende der Stunde ankündigt. Auch die Trainerin scheint froh zu sein, dass der lange Tag sich dem Ende entgegen neigt – dennoch verrät sie, dass sie sich ein Leben ohne das Tanzen nicht vorstellen kann. „Ich bin immer in Bewegung“, sagt sie mit einem Augenzwinkern, „und ich glaube, wenn ich mich einmal setze, höre ich auch auf zu tanzen.“ Doch dass dieses in absehbarer Zeit eintreffen könnte, sieht die leidenschaftliche Tänzerin nicht. In Amerika hat sie vor einigen Jahren eine Ballettstunde für Senioren beobachtet und wird seitdem von dem Gedanken getragen, dass im hohen Alter nicht mehr jede Bewegung perfekt sein muss, sondern allein die Freude an der noch machbaren Bewegung überwiegt. Und solange Cornelia Löffler noch nicht sitzt, wird sie auch weiterhin dem Egelsbacher Nachwuchs Ballett beibringen und den Müttern auf die High Heels helfen.

Weitere Infos zu den High-Heel-Workshops bei der Vhs, Tel.: 06103/2027636, E-Mail: anfrage@vhs-egelsbach.de

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