Hiobsbotschaft für Bürger im Ortskern:

Im Nahkauf gehen die Lichter aus

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Die Regale im Egelsbacher Nahkauf-Markt sind schon halb leer. Am Samstag veranstaltet der Markt von Grigorios Grigorakis einen großen Ausverkauf. Die Schließung sei nicht nur für seine Kunden eine Katastrophe, sondern auch für seine Familie, sagt er.

Egelsbach - Schon am Samstag ist Schluss: Der Nahkauf in der Ernst-Ludwig-Straße schließt – nur drei Werktage, nachdem die Nachricht publik wurde. Der kleine Laden von Grigorios Grigorakis liegt im Clinch mit dem Mutterkonzern Rewe. Von Julia Radgen

Ab Osterdienstag müssen die Egelsbacher in einem anderen Supermarkt einkaufen. Eine Frau betritt mit ihrem Einkaufskorb zögerlich den Egelsbacher Nahkauf. „Wann schließen Sie denn?“, fragt sie die Kassiererin. Die Antwort überrascht die Kundin. „Samstag schon? Na dann alles Gute“, sagt sie bedrückt und verschwindet zwischen den Regalen. Fast alle Besucher wissen über die Schließung des kleinen Einkaufsmarkts im Ortskern schon Bescheid. Kaum eine Ware wandert über das Kassenband, ohne dass das Thema angesprochen wird. „Das ist wirklich schade“, sagt ein Mann mit Wollmütze, während er sein Obst und Gemüse einpackt. „Zum Einkaufen war das hier wirklich toll.“

„Am Dienstagvormittag haben wir unseren Kunden gesagt, dass wir schließen“; sagt Geschäftsführer Grigorius Grigorakis, der den Nahkauf seit 2011 leitet. Danach hat sich die Nachricht im Ort wie ein Lauffeuer verbreitet, auf der Straße und in den sozialen Netzwerken ist es das Gesprächsthema. Am Nachmittag war schon der Bürgermeister zu Besuch. Denn für viele Egelsbacher ist die Schließung ihres Nahkaufs eine Hiobsbotschaft. „Manche haben bei uns an der Kasse geweint, als wir ihnen gesagt haben, dass wir das Geschäft aufgeben“, sagt Grigorakis.

Als Grund nennt der Kaufmann, der den Laden unter dem Dach des Rewe-Konzerns selbstständig betreibt, Probleme mit den Lieferungen. „Wir haben schon längere Zeit Schwierigkeiten mit Rewe und es gab immer mal Liefersperren“, sagt Grigorakis und deutet auf den Kalender in seinem Büro. Wochen, in denen der Markt keine Lieferungen erhalten hat, sind rot markiert, das Gegenteil mit gelbem Textmarker. Seit Anfang des Jahres wechseln sich beide Farben munter ab. Hintergrund sei, dass der Egelsbacher Kaufmann mit den Zahlungen in Verzug war. „Die Umsätze sind steigend, der Markt läuft“, betont der 43-Jährige. Doch dann sorgte die Baustelle in der Ernst-Ludwig-Straße direkt vor Haustür für Umsatzeinbußen, vor einer Weile dann ein Defekt an den Kühlgeräten und er geriet in Verzug. Bereits seit gut zwei Jahren sei er mit Rewe im Gespräch, um eine Lösung für die Situation zu finden. Er habe immer wieder versucht, den Mutterkonzern dazu zu bewegen, die Tilgung zu strecken, sagt Grigorakis. Doch der Konzern habe ihn vertröstet. „Man hat uns ausbluten lassen“, betont er. Auf den Zahlungsverzug folgten Liefersperren. Jetzt sei er an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr weiter gehe. „Wenn ich keine Ware mehr habe, muss ich zumachen“, sagt Grigorakis.

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Der zuständige Leiter bei Rewe für die Region Mitte, Knut Heil, bestätigt die Insolvenz des Egelsbacher Kaufmanns, äußert sich aber nicht zu Gründen. „Es ist schade, dass er schließt“, sagt Heil, „wir sind aber schon dabei, einen Nachfolger zu finden.“ Der Konzern würde es – genauso wie die Gemeinde begrüßen, wenn ein neuer selbstständiger Kaufmann das Geschäft übernimmt. „Es dauert seine Zeit, einen neuen Betreiber zu finden“, betont Heil. Er hofft aber, dass das „zeitnah“ geschehe.

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Den Egelsbachern bleibt vorerst nichts anderes übrig, als vorübergehend in einen anderen Supermarkt zu gehen. Neben dem kleinen Einkauf war der Markt im Ort eine feste Größe, hat beim Weihnachtsmarkt mitgemischt sowie umliegende Kitas und die Adolf-Reichwein-Schule in Langen beliefert. Direkt im Eingangsbereich hängt ein handgeschriebener und mit Früchten beklebter Zettel der Sonnenkäfergruppe der Kita Brühl: „Bei jedem Einkauf kriegen wir Obst geschenkt. Das finden wir toll“, steht darauf. Viele Kunden sprechen Grigorakis und seine sechs Mitarbeiter an und bedauern, dass er zu macht, sagt der Geschäftsführer. „Es ist einfach etwas anderes als bei einem großen Laden, die Leute kennen uns eben“, sagt der Kaufmann, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Egelsbach wohnt. Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind, hat Grigorakis auch mal ihre Einkäufe nach Hause geliefert. „Ich habe Waren im Wert von sieben oder acht Euro dann einfach nach Feierabend vorbeigebracht“, sagt der 43-Jährige. Ein Service, den vor allem Senioren im Betreuten Wohnen gerne in Anspruch genommen haben. Für die Familie sei die Insolvenz auch privat „eine Katastrophe“. „Mal gucken, wie es jetzt weitergeht“, sagt der Selbstständige.

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