Hoffnung fürs Sorgenkind

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Noch halten am Egelsbacher Bahnhof die alten Züge der Baureihe 420, doch die Pendler auf der Linie S3 können hoffen.

Egelsbach/Langen ‐ Für die Pendler auf der S-Bahn-Linie 3 scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben: Die neuen Züge sollen nun spätestens Anfang April auf der Schiene sein. Und dieses Mal könnte es tatsächlich klappen. Von Markus Schaible

Denn: Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat der modifizierten Version der Baureihe ET 423 endlich die Zulassung erteilt. Daran war der ursprünglich geplante Einsatz ab Dezember 2009 gescheitert. Die Bahn AG erhofft sich dadurch auch weniger Verspätungen auf der Strecke, die vom Fahrgastverband Pro Bahn als „Sorgenkind“ angesehen wird.

Ein Sorgenkind ist die S3 auch in anderer Hinsicht: „Sie ist von allen S-Bahn-Linien im Rhein-Main-Gebiet am häufigsten von Vandalismus betroffen“, erklärt Ralf Stroeher, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Frankfurt. Allein im Jahr 2009 seien 108 Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet worden. „Insgesamt wurden 369 Scheiben rausgetreten.“

Warum erst Ende März/Anfang April, wenn die Zulassung bereits erteilt ist? „Ein Mischbetrieb von alten und neuen Zügen macht keinen Sinn“, sagt Bernd Honerkamp, Sprecher der Bahn AG. Mit dem RMV sei abgesprochen, die Komplettumstellung dann vorzunehmen, wenn alle Züge geliefert wurden. Noch seien nicht alle da, einige müssen zudem erst mal an anderer Stelle aushelfen: In Berlin kam es witterungsbedingt zum Ausfall einer dreistelligen Zahl von S-Bahn-Zügen – „wir haben deshalb vier der schon gelieferten dorthin ausgeliehen“, erklärt Honerkamp. „Da ist gerade Grüne Woche mit viel internationalem Publikum“, sagt Wilfried Staub – dies habe wohl dazu beigetragen, dass das EBA die zuvor so lang versagte Genehmigung nun plötzlich erteilt habe.

Neue Züge beschleunigen schneller

Staub ist stellvertretender Landesvorsitzender von Pro Bahn Hessen und hat sich für die jüngste Ausgabe der Fahrgastzeitung intensiv mit dem „Sorgenkind“ S3 beschäftigt. Sorgenkind deshalb, weil es auf der S3 – die Linie fährt von Darmstadt durch den Westkreis Offenbach und Frankfurt bis Bad Soden – massive Probleme mit der Pünktlichkeit gebe. Zwar erkläre die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft, nur fünf Prozent aller Züge seien verspätet – da dies aber meist in Hauptverkehrszeiten sei, geht Staub von 20 Prozent aller Fahrgäste aus, die betroffen seien.

Der überwiegende Teil der Taten geschehe im Main-Taunus-Kreis (dies erklärt auch, warum die S4, die ja bis Langen ebenfalls durch den Westkreis Offenbach fährt, kaum betroffen ist). Allerdings wirken sich die Beschädigungen natürlich auf den Betrieb auf der gesamten Strecke aus. Obwohl die Taten oft in verkehrsstarken Zeiten geschehen, gebe es „nicht so wahnsinnig viele Hinweise“ sagt Stroeher. Er appelliert daher an alle Zeugen, sofort per Handy die kostenfreie Hotline der Bundespolizei, z 0800/68 80 00, anzuwählen.

Auf der S3 haben wir systembedingt recht kurze Umlaufzeiten“, sagt Honerkamp. „Wenn Verspätungen eingefahren sind, haben wir deshalb nur wenig Spielraum, dies wieder aufzuholen.

Als Grund ausgemacht hat Pro Bahn unter anderem, dass die gesamte Strecke beim Bau auf einen 20-Minuten-Takt ausgelegt wurde, die Bahnen aber nun häufiger verkehren. „Die Begegnungsstrecken liegen damit nicht mehr im planerisch ermittelten Idealbereich“, erklärt Staub.

Da die neuen Züge (neben anderen Vorteilen wie Klimaanlage) schneller beschleunigen und „hoffentlich weniger Defekte haben“ (Honerkamp), geht die Bahn von einer Verbesserung der Pünktlichkeit aus. „Zudem werden wir auch netzseitig die Strecke beschleunigen“, so der Bahnsprecher. Staub ist da angesichts der vielen Engpässe (einer ist der Bahnhof Langen) jedoch eher skeptisch.

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