Jaqueline Reinhold

Von der großen Bühne zurück in die alte Heimat

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Jaqueline Reinhold n ihrer alten Heimat

Egelsbach - Ein großer, alter Reisekoffer begleitet sie die Treppe hinauf auf die winzige Bühne der Kulturscheuer, die nur von einer begrenzten Zahl Sitzplätze umrahmt ist. Von Sina Beck 

Jaqueline Reinhold hat ihren Traum wahr gemacht und ist Musicalsängerin mit Engagements im In- und Ausland geworden. Trotzdem sind es genau diese Bretter in der Scheune, die auf ihrer „Musical-ischen Reise“ für sie die Welt bedeuten.

Es war tatsächlich ein Herzenswunsch der 27-Jährigen, in ihrer alten Heimat auftreten zu können. Scheuer-Inhaber Rüdiger Luchmann fühlte sich berufen, diesen Wunsch zu erfüllen und binnen weniger Stunden waren die Karten für diese einmalige Veranstaltung auch schon vergriffen. So tritt das Elschbächer Mädche nicht nur tatsächlich in Egelsbach auf, sondern darf gleichzeitig mit ihrem selbst und eigens für diesen Abend zusammengestellten Solo-Programm eine Premiere feiern.

Spielerisch und augenzwinkernd zeichnet Reinhold ihren Weg zum Lebenstraum nach, der zwar relativ gradlinig verlaufen, aber längst nicht frei von Hürden und Stolpersteinen gewesen ist. Muss sie sich nach dem Abitur bei der Berufsberatung noch dafür schelten lassen, keinen Plan B zu haben, falls das mit der Musicalkarriere nicht klappt, schnappt sie nach zahllosen Absagen vor Freude förmlich über, als sie an der Universität der Künste in Berlin einen der rar gesäten Studienplätze ergattert („Denn eins ist klar: Ich werd’ ein Star!“). Im Zeitraffer tanzt und singt sie sich durch vier Jahre Studium, die Flut an erfolglosen Vorsingen und Selbstzweifeln, bis sie schließlich ankommt: Der erste Job!

Reinhold präsentiert eine sehr individuelle Songauswahl, die weit über die klassischen Musical-Hits hinausgeht. Zwar muss das Publikum nicht auf populäre Lieder aus „Footloose“ oder „Flashdance“ verzichten, aber auf ihre Lebensgeschichte abgestimmt gibt sie auch bekannte Chansons wie „Irgendwo auf der Welt“ zum Besten, hat Musik von Roger Cicero („So geil, Berlin“) oder deutsche Evergreens wie „Ich will keine Schokolade“ im Gepäck. Der Block mit Disney-Songs aus Pocahontas, Arielle und der Eiskönigin begeistert das Publikum dann besonders, obwohl die Musicalsängerin durch die Bank weg mit ihrer kraftvollen und gleichzeitig weichen Stimme begeistert, deren Volumen zweifelsohne in der kleinen Scheuer den Rahmen sprengt und für große Hallen gemacht ist.

Freud und Leid ihres Lebensweges erzählt Reinhold einerseits realistisch und ungeschönt, aber auch humoristisch überzeichnet. „Ich habe eine Bühnen-Jackie geschaffen“, erklärt die Musicaldarstellerin hinterher und betont, dass man natürlich nicht alles glauben darf. Von Starallüren ist bei der bodenständigen 27-Jährigen nun nichts mehr zu erkennen, dafür aber Erleichterung nach ihrem Solo-Auftritt: „Ich bin total froh, dass es so gut lief, und habe richtig Spaß gehabt.“ Das hat man ihr beim Spielen ihrer eigenen Rolle auch angemerkt, bei der sie sich selbst mit Vorliebe auf die Schippe nahm: Über ihren vermeintlich ersten Job, „die zweite Palme hinten links“, freute sie sich nämlich, als wäre es die Hauptrolle im Disney-Musical „Aladdin“.

Davon, Prinzessin Jasmin spielen zu dürfen, träumt Reinhold tatsächlich bis heute. Nachdem sie zuletzt in Wien als junge Gina in „Don Camillo & Peppone“ mitgewirkt hatte, geht es für die sie jetzt aber als Nächstes nach Salzburg, wo sie in „Kick It Like Beckham“ als Jules auf der Bühne stehen wird. Das ist die Rolle, mit der im Film Keira Knightley („Fluch der Karibik“) ihren Durchbruch hatte ...

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